jaehrlicher_depotcheck

Ausgabe 49 / Dezember 2024 5 Depotcheck Haben Sie dies bereits getan, stellt sich auch hier die Frage, wie viel Potenzial für die Zukunft besteht. Gehen Sie von Kursanstiegen aus, bleiben die Rohstoffe im Depot. Befürchten Sie hingegen Verluste, liegt ein Verkauf dieser Positionen nahe. Vor dem Kauf neuer Wertpapiere sollten Sie aber einen genauen Blick auf das Potenzial der Anlageprodukte beziehungsweise der Unternehmen oder Rohstoffe werfen, in die Sie investieren. Erkenntnisse über deren Potenzial können Sie erlangen, wenn Sie die mit den Investments verbundenen Branchen unter die Lupe nehmen. Erwarten Sie zum Beispiel, dass der Konsumgüter-Sektor im kommenden Jahr boomen wird, könnten entsprechende Aktien spannend sein. Glauben Sie, dass das Trendthema Künstliche Intelligenz an der Börse überbewertet ist, sollten Sie von entsprechenden Käufen eher Abstand nehmen. Das Depot wieder ins Gleichgewicht bringen Eine der ältesten Depot-Weisheiten ist: „Nicht alle Eier in einen Korb legen“. Denn fällt der Korb auf den Boden, könnten nämlich alle „Eier“ – sprich alle Vermögenswerte – zu Schaden kommen. Ein Portfolio ausgewogen zu gestalten, heißt auch, in verschiedene Werte zu investieren, die sich un-abhängig voneinander entwickeln. Ansonsten könnten Klumpenrisiken entstehen. Ein Zauberwort beim Depotcheck heißt daher „Rebalancing“: Das Portfolio soll also möglichst „ausbalanciert“ sein. Dabei werden Positionen, die besonders stark an Wert gewonnen haben, anteilig verkauft und Positionen, die an Wert gewonnen haben, zugekauft. So stellen Sie die ursprüngliche Verteilung Ihres Portfolios und damit das gewünschte Rendite-Risiko-Profil wieder her. Ein einfaches Beispiel: Sie haben zu Jahresbe-ginn 10.000 Euro in Aktien und 10.000 Euro in Anleihen investiert. Ihr Portfolio besteht also zu 50 Prozent aus Aktien und zu 50 Prozent aus Anlei-hen. Der Aktienanteil hat in dem Jahr um 20 Prozent an Wert gewonnen. Der Gesamtwert aller Aktien liegt daher bei 12.000 Euro. Der AnleihenAnteil hingegen ist nur um zwei Prozent gewachsen. Hier beträgt der Gesamtwert 10.200 Euro. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass sich das Aktien-Anleihen-Verhältnis von 50:50 auf rund 54:46 verschoben hat. Beim Rebalancing verkaufen Sie entsprechend viele Aktien und kaufen entsprechen viele Anleihen, um das 50:50-Verhältnis wieder herzustellen. Die eigenen Sparziele hinterfragen Beim Depotcheck geht es aber nicht darum, jedes Jahr stur nach der gleichen Strategie zu verfahren. Ist Ihr Aktienanteil im Portfolio durch eine gute Performance dieser Anlageklasse deutlich angewachsen und Sie erwarten für das kommende Jahr weiterhin eine starke Wertentwicklung? Womöglich möchten Sie daher Ihre Strategie ändern und sich im neuen Jahr noch stärker auf Aktien konzentrieren. Dann könnten Sie auf das Rebalancing verzichten. Oder haben sich Ihre Sparziele geändert? Angenommen, Ihr Depot ist sehr offensiv ausgerichtet, etwa durch einen hohen Anteil von Aktien- und Rohstoff-Positionen. Jetzt wollen Sie das Anlagerisiko jedoch reduzieren. Vielleicht weil 2025 größere Anschaffungen anstehen oder Sie planen, einen großen Teil des investierten Kapitals für Ihre Rente zurückzulegen. Dann können Sie besonders risikobehaftete Assets verkaufen und den Erlös auf einem Tagesgeldkonto parken. Warten Sie dabei aber am besten auf einen guten Zeitpunkt, zu dem Sie mit Gewinn verkaufen können. Wie Sie Ihr Depot ausrichten – offensiv, ausgewogen oder defensiv – hängt daher immer auch von Ihren Vorstellungen und Bedürfnissen ab. Planen Sie zum Beispiel demnächst den Kauf einer Immobilie oder benötigen Sie unbedingt Cash für andere Ausgaben, empfiehlt es sich, Ihre bisherige Risikoausrichtung zu ändern. Wenn Sie zum Beispiel mit 100.000 Euro in Aktien investiert sind und dieser Depotanteil verliert in einem Monat zehn Prozent an Wert, sind dies am Ende 10.000 Euro, die Sie innerhalb kurzer Zeit verloren haben und die nicht mehr für geplante Investitionen zur Verfügung stehen.

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