purRegio Golf Spezial 2022

7 Golf ist ein Sport mit einem riesigen individuellen Platzangebot unter freiem Himmel und ist damit eine der – unter Pandemiegesichtspunkten – sichersten Arten Sport zu treiben. Jede Sportart braucht Aushängeschilder. Die sportlichen Erfolge, die es unbestritten gibt, werden leider außerhalb der Fachmedien nur unzureichend wahrgenommen. Wie lange darf der 64-jährige Bernhard Langer noch Deutschlands bekanntester Golfer bleiben? J.S.: Bernhard Langer hat sich seinen Status über Jahrzehnte erarbeitet und verdient. Und bis irgendwann ein anderer deutscher Golfer zwei Masters-Siege vorweisen kann, wird es wohl auch noch dauern. Allerdings ist bei den deutschen Spitzengolfer/innen einiges in Bewegung. Im Amateurbereich ist der deutsche Golfsport heute absolute Spitze und seit Jahren der erfolgreichste europäische Verband. Gerade etwa haben unsere Damen die European-Nations-Championship gewonnen. Im Profibereich macht uns die wachsende Breite in der Spitze optimistisch. Bei den Herren ist der Weg ganz nach oben noch ein bisschen weiter, bei den Damen haben mittlerweile fünf Spielerinnen die Zulassung für die LPGA Tour in den USA. Mit Esther Henseleit und Caro Masson dringen zwei Proetten immer wieder in die Top Ten vor. Und bei den Herren haben Matti Schmid oder Hurley Long, um zwei Beispiele zu nennen, eine wirklich positive Entwicklung genommen. International ist der DGV im Nachwuchsbereich in den letzten Jahren unbestritten extrem erfolgreich. Dennoch wird Golf von der breiten Öffentlichkeit eher als Freizeitbeschäftigung für ältere Menschen angesehen. Ein Zerrbild oderWirklichkeit? J.S.: Wie gesagt ist die Breite in der Spitze deutlich gewachsen. Der Pool der Spitzenamateure mit Handicaps besser als 0 wird kontinuierlich größer. Der Wunsch, sich imProfigolf auszuprobieren, ist wieder erstrebenswert. Diese sportlichen Vorbilder und internationale Erfolge sind eine wichtige Voraussetzung für ein attraktives Image einer Sportart, die auf motivierten Nachwuchs angewiesen ist. Unabhängig davon finde ich es schwierig, die Freizeitbeschäftigung für ältere Menschen mit einem negativen Duktus zu versehen. Denn eines ist klar: die zum allergrößten Teil eigenfinanzierte Sportart Golf, und das schließt die Erstellung der Anlagen mit ein, kann nur durch die zahlenden Mitglieder aufrechterhalten werden und das sind in der Regel die Älteren. Im Idealfall lässt sich beides sinnvoll verbinden und die unterschiedlichen Zielgruppen profitieren voneinander. Golf und Gesundheit passen zusammen. Welche Rolle spielt diese Kombination in der DGV-Strategie? J.S.: Golf ist eine der Sportarten, die sich bis ins hohe Alter spielen lässt, aber auch jungen Sportmuffeln den Einstieg in Bewegungsangebote erleichtern kann. Je nach Anspruch kann der Golfsport also ein gemütliches Spazierengehen mit kognitiver Zusatzbelastung sein, oder anspruchsvoller Hochleistungssport. So kann sich jeder die zu ihm passende Art Golf zu spielen aussuchen und damit ein ideales Gesundheitsprogramm zusammenstellen. Das gilt ebenfalls für Menschen mit Bewegungseinschränkungen. Denn: Seit diesem Jahr ist Rehasport ganz offiziell auch im Freien möglich und der Golfsport damit auch für den Rehasport geeignet. Unter bestimmten Umständen ist also Sport auf einer Golfanlage auf ärztliche Verordnung hin möglich. Das gilt aber nur für Golfanbieter, die dafür zugelassen sind und entsprechende Angebote machen. Wir gehen davon aus, dass der Megatrend Gesundheit zukünftig eine größere Bedeutung für den Golfsport gewinnen wird und nehmen aktuell Maßnahmen vor, damit in den kommenden Jahren bundesweit Rehasportkurse auf Golfanlagen angeboten werden. Was können regionale Clubs tun, um den positiven Trend zu verstärken? J.S.: Es ist schwer, Golfanbietern, die alle individuell positioniert sind, von außen passende Tipps zu geben. Es gibt aber natürlich ein paar allgemeingültige Anregungen. Zum Beispiel ist es wichtig, die Bedürfnisse der Golfinteressenten, die zuletzt in der Pandemie verstärkt in die Clubs gekommen sind, genau zu analysieren. Sie gehören teilweise zu anderen Zielgruppen, als die Einsteiger aus der Zeit vor der Pandemie. Möglichst viel Wissen über neue Golfinteressen ist auch für die Integration von alten und neuen Mitgliedern wichtig. Ein zentrales Thema der nächsten Wochen und Monate ist also die Golferbindung. Golfclubs, denen es gelingt, Golfinteressenten in ein funktionierendes vielschichtiges Betreuungssystem einzubinden, haben da einen strukturellen Vorteil. Hilfreich ist auch die Erweiterung des zentralen Themas Golfspielen mit ergänzenden aufwertenden Inhalten wie Nachhaltigkeit, Gesundheit, aber natürlich auch Sport und Wettkampf. <

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