purRegio Golf Spezial 2022

10 Von Manfred Kistermann Es läuft nicht rund: Der kleine Ball hoppelt unkontrolliert über das Green, der puttende Golfer ist frustriert und schiebt es dem Greenkeeper in die Schuhe. Doch der Herr der Mähmaschine ist meist unschuldig. Es sind vielmehr Schädlinge, die immer mehr um sich greifen — vor allem auf Golfplätzen. „Schneeschimmel“ und die Larven der Wiesenschnake sind die Biester, die das Spiel verderben. Stefan Davids kennt sich mit den Schädlingen bestens aus. Er ist einer der wenigen PGA-zertifizierten Greenkeeper. Er war der Verantwortliche, als im Jahr 2000 die PGA-Europe-Tour auf der Golfanlage Kambach in Eschweiler abschlug. Die Profis waren so begeistert vom Zustand des Platzes, dass sie Davids als einen der wenigen Greenkeeper in Deutschland adelten. Er ist gelernter Landschaftsgärtner. Nach seiner Tätigkeit in Kambach wagte er sich an ein eigenes Projekt heran und baute in Geilenkirchen den Golfpark Loherhof mit großem Erfolg auf. Vor einem Jahr hat er auch seine alte Wirkungsstätte in Kambach als Betreiber übernommen. Und er möchte an alte Zeiten anknüpfen — zumindest was in Kambach den Platzzustand angeht. Mit Head-Greenkeeper Jakob Schönleber und seinem Team weiß er den Anspruch in guten Händen, wenn da nicht diese kleinen Störenfriede wären. Der Schneeschimmel hat mit der Winterpracht nichts zu tun, erklärt Stefan Davids. Vielmehr bildet der Pilz einen weißen Schleim, der zumNamensgeber wird. Was besonders gemein ist: Die Sporen verbreiten sich, wenn Golfer darüberlaufen, sie an ihren Schuhen hängen bleiben und so aufs nächste Grün übertragen werden. Nur der Einsatz chemischer Mittel könne Abhilfe schaffen, sagt der Fachmann. Aber gesetzliche Bestimmungen schränken die Auswahl ein, da Golfplätze als öffentlicher Raum gelten. Mechanische Bodenbearbeitung ist das Mittel der Wahl. Auch für die Larven der Wiesenschnake sind nicht-chemische Mittel gefordert: Die Insekten legen ihre Eier im Boden ab. In lauen Wintern überleben die Larven und verkriechen sich in den Aerifizierungslöchern auf dem Grün. Sie kommen nachts heraus und fressen dann die Grasränder auf dem Green ab, erklärt Stefan Davids. Dem Kahlfraß kommen die Greenkeeper am besten bei, indem sie eine dunkle Folie tagsüber auf die befallene Stelle legen und somit den Schädlingen Nacht vortäuschen. Wenn sie dann an die Oberflächen kommen, werden sie schnell per Hand entfernt. Bis zu 20 Schädlinge pro Quadratmeter seien keine Seltenheit, so Experten. All das behindert natürlich den Spielbetrieb, sei aber nötig. Deshalb bitten die Rasenpfleger um Verständnis, wenn solche Maßnahmen anstehen. Der Schneeschimmel ist übrigens im Sommer nicht zu sehen, was aber nicht heißt, dass er verschwunden ist. Er macht einen überlebenswichtigen Sommerschlaf und geht im Herbst wieder ans Werk. Unddann sinddanochdieKosten.Wieüberall steigen sie auch in Zusammenhang mit der Pflege von Golfplätzen. Materialien wie Saatgut und Dünger sind teurer geworden, ein Mäheinsatz an einem Tag verschlingt schnell mal 500 Euro, erklärt Stefan Davids. Da wundert es nicht, dass Greenkeeper nach modernen Methoden zur Kostenreduzierung suchen. Eine Möglichkeit ist ein vom Deutschen Raseninstitut entwickeltes Mittel zur Kurzhalmigkeit wie es auch Bauern auf den Feldern einsetzen. Die Halme werden dadurch kürzer, härter und windbeständiger. Wenn ein solches Mittel auf dem Golfplatz zum Einsatz kommt, braucht das Gras nur dreimal statt fünfmal in der Woche gemäht zu werden. Allerdings kommt es bei diesem Mittel auf eine genaue Dosierung an. „Weniger ist in diesemFalle mehr“, meint Stefan Davids. < Golfplatzbetreiber Stefan Davids (l.) und Greenkeeper Jakob Schönleber kämpfen gegen die Störenfriede an. Foto: Manfred Kistermann Wenn es auf dem Grün nicht rund läuft, kann das auch an einem lästigen Schädling liegen. Greenkeeper rücken ihmmit nicht-chemischen Mitteln zu Leibe. Das ist ganz schön aufwendig. Spielverderber Schneeschimmel

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