purRegio für Heinsberg & Region - 02-2022

purMagazin 5 1842 ist das Jahr, in dem die Turmwindmühle nordwestlich des zur Gemeinde Gangelt zählenden Ortes Breberen erbaut wurde. Sie macht noch heute als Museumsmühle das Müllerhandwerk einer vergangenen Zeit den Besuchern anschaulich. 6. Juni — diesen Termin sollten sich Interessierte vormerken. An diesem Tag ist die Breberner Mühle mit dem angeschlossenen Café aan de Müehle anlässlich des Deutschen Mühlentags, der für diesen Pfingstmontag eingeplant ist, geöffnet. 170 Zentimeter dicke Mauern hatte Andreas Ohlenforst für den unteren Bereich der Mühle aufschichten lassen. „Er war Junggeselle und gut mit Goldstücken bestückt. Sogar ein Feldweg wurde nach ihm benannt, der ‚Ohlenforsterweg‘, der heute noch in der Gemarkung Breberen besteht“, schrieb Arnold Schmitz, auch „Schaps Nöll“ genannt, in einem Bericht über die Breberner Mühle, die sich einst im Besitz seiner Familie befunden hatte. 4 Fenster hat die Mühle, die dem Müller den Blick in alle vier Himmelsrichtungen ermöglichte. Allerdings war das Ausschauhalten nach dem richtigen Wind nur bis 1844 von Bedeutung, denn in diesem Jahr wurde der Mahlbetrieb von Windenergie auf Motorenbetrieb umgestellt. 1937 führte der Vater von Arnold Schmitz, Ludwig Schmitz aus Schöndorf, eine Renovierung der seit 1920 stillgelegten Mühle durch und ließ die aus Holz bestehenden Flügel gegen Eisenflügel austauschen. Turmkappe und Flügelkreuz konnten damals noch von Hand verstellt, die Flügel bei wenig Wind mit Segeltuch bespannt werden. 1945 verzog sich der Pulverqualm des Zweiten Weltkrieges. Der Mühlenturm stand nun ohne Hut da. Auch hatte die Breberner Mühle einen ihrer vier Flügel durch Beschuss eingebüßt. Aber man reparierte sie notdürftig, da ohne Mehl kein Brot zu backen war. 1950 wurde die Renovierung der kriegsbeschädigten Mühle in Angriff genommen. Von der Hermannsmühle in Kevelaer wurden Metallflügel nach Breberen geschafft, die der Offizier, Konstrukteur und Erfinder Kurt Bilau und der Physiker Professor Albertz Betz einst in der Flugzeugtechnik entwickelt hatten. Die zweiteiligen stromlinienförmigen Flügel mit beweglichem Heckteil nutzen den Wind optimal und gleichmäßig, so dass eine konstante Drehgeschwindigkeit des Mühlrades gewährleistet ist. 1954 ereignete sich am Heiligen Abend ein tragischer Unfall. Der damalige Müller, der 27-jährige Heinz Schmitz, stürzte beim Versuch ein Flügelchen an der Windrose zu reparieren, in den Tod. 1986 wurde die Breberner Mühle als technisches Denkmal unter Schutz gestellt. Sie befindet sich heute im Besitz der Gemeinde Gangelt. Pächter der Mühle ist die Familie Tholen, Nachfahren der Erbauerfamilie Ohlenforst und der ehemaligen Besitzerfamilie Schmitz. Karl-Heinz Tholen ist zudem Vorsitzender des Vereins Historische Mühlen im Selfkant, der sich um den Erhalt der Mühlen in Breberen, Kirchhoven, Haaren und Waldfeucht kümmert. Zusammengestellt von Dettmar Fischer Links: Die Breberner Mühle mit ihren markanten Bilau-Metallflügeln wird vom Verein Historische Mühlen im Selfkant instand gehalten Oben: Das drehende Werk befindet sich unter der Haube der Turmwindmühle. Oben: Das Café aan de Müehle liegt im Schatten der Mühlenflügel. Links: Karl-Heinz Tholen, Rainer Bär und Uwe Kröger (v.l.n.r.) vom Verein Historische Mühlen im Selfkant kümmern sich um die Breberner Mühle.

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