purRegio für Heinsberg & Region - 02-2022

purBücher 21 Von Andrea Zuleger Dieses Buch mit dem scheinbar simplen Titel erzählt auf vielen Ebenen eine tiefgründige Geschichte über Familiengeheimnisse, Zugehörigkeit, Natur und Schuld. Nur knapp zwei Jahre nach „Die wir liebten“ ist Willi Achtens zweiter Roman im Piper Verlag (insgesamt sein sechster Roman) erschienen, der nicht in der niederrheinischen Provinz spielt, aus der Achten stammt, sondern eine gleichermaßen beglückende und bedrückende Berg- und Tallandschaft in den Alpen ausbreitet. In den Bergen kennt sich der Autor aus, obwohl er seit vielen Jahren in Vaals wohnt. Willi Achten wandert in den Alpen und hat bereits in anderen Romanen ähnliche Landschaften beschrieben. Das ist wichtig zu erwähnen, denn die Berglandschaft ist mehr als Kulisse, die Erlebnisse seiner Figuren spiegeln sich im Außen der Natur. Hauptfigur und Ich-Erzähler von „Rückkehr“ ist Jakob Kilv, der nach mehr als 20 Jahren Abwesenheit in sein Heimatdorf zurückkehrt — vordergründig, um das halb verfallene Elternhaus zu restaurieren, in Wahrheit aber, weil er dunkle Begebenheiten seiner Vergangenheit erhellen muss. Was genau Mitte der 90er Jahre passiert ist, was die Dorfbewohner und Freunde Bruno, Zollner, Picco, was die Geliebte Liv und die Eltern, die Jakob immer nur Mutter und Vater nennt, mit der Flucht aus dem Dorf zu tun haben, wird zu Beginn nicht klar. Aus zwei Richtungen — und deswegen ist der Titel „Rückkehr“ so treffend, weil auch in diesem Wort schon das Vergangene und die Kehrtwende nach vorne angelegt sind — erzählt Willi Achten kunstvoll auf dieses Ereignis zu. Die Gegenwart nach der Rückkehr erzählt Jakob im Präsens, in der Vergangenheit sind jene Kapitel des Romans geschrieben, in denen der Ich-Erzähler auf sein Leben vor der Flucht aus dem Dorf blickt. Beide Erzählerstimmen ergeben nach und nach das Gesamtbild, auch für Jakob selbst, dem einige Puzzleteile fehlen. Immer wieder scheinen die Berge für Willi Achten gleichermaßen Idyll wie Anti-Idyll zu verkörpern. Binnen Sekunden verwandelt sich ein liebliches Sommerpanorama vor tiefblauem Himmel in einen gewalttätigen schwarzen Kessel. Seine Menschlein kraxeln die stürmischen Berge hoch und bewegen sich dabei sehr nah am Abgrund. Genauso wie die Landschaft mal Feind, mal Freund ist, verhält es sich mit den Menschen in Jakobs Leben. Auch sie sind wankelmütige, ambivalente Kandidaten: seine Geliebte Liv, von der er nicht weiß, ob sie wirklich die Seine ist. Der Freund Bruno, der nicht nur Jakobs Mutter enger verbunden ist, als ihm zusteht. Die Mutter, die gegen ihren schweigsamen Mann ansingt und dann verschwindet. Jakobs Vater, dessen Blick nur auf die Vögel scharf gestellt ist und der unter der sanften Oberfläche eine aggressive Seite verbirgt. „Es sei nicht gut, in jemandes Schuld zu stehen, und ist sie noch so gering. Schuld verwandele sich in einen Ballast, der die Tage schwer mache“, sagt zu Beginn Jakobs Vater. Am Ende werden es genau diejenigen sein, die peinlichst auf beglichene Schulden achteten, die ammeisten davon auf sich luden. < Der jüngste Roman „Rückkehr“ des Aachener Autors Willi Achten spielt in den Alpen und erzählt von einem Neuanfang. Kraxeln am Abgrund Foto: Harald Krömer Lesungen in der Nähe: 12.05. Lesung mit Musik, St. Kamillus Kolumbarium, Kamillanerstr. 40, 41069 Mönchengladbach, 18 Uhr. 20.05. mit Live-Musik von Heribert Leuchter, Naturpark-Tor, Pontorsonallee 16, 41849 Wassenberg, 19.30 Uhr. Anmeldung: 02432/3504 oder per Mail: irmgard@stieding.com Willi Achten „Rückkehr“ Piper Verlag, 256 Seiten, 22 Euro Schriftsteller Willi Achten in seinem Haus im niederländischen Vaals .

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