purRegio für Düren, Jülich & Region - 02-2022

purHeimat 9 Von Axel Keldenich Seit ich Rentner bin, ist mein Terminkalender rappelvoll.“ Wenn man diesen häufig gehörten Spruch einem Menschen glauben kann, dann ist das Jo Ecker. Der 65-Jährige engagiert sich seit Jahrzehnten gegen Rechtsradikalismus und für Toleranz. Unter anderem für die Aktion „Fußballvereine gegen Rechts“ oder die Kampagne „4 Schrauben für Zivilcourage“ wurde er vor Kurzemmit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im Rahmen der Kampagne werden interessierten Vereinen kostenlos Schilder mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus und Gewalt!“ zur Verfügung gestellt. Bis heute hängen über 1000 solcher Schilder an Fußballplätzen in ganz Europa. Finanziert hat Joachim Ecker die Schilder aus eigener Kasse oder durch Summen, die er für diverse Auszeichnungen bekommen hat. Er ist auch Mitinitiator des 2006 unter Mitwirkung vieler Vereine entstandenen „Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus“, das mehr Bewusstsein für dieses Ziel schaffen möchte, und bisher über 1000 Privatpersonen und 195 Gruppen als Mitglieder zählt. Angefangen hat Eckers Engagement im Jahr 2001, als bei einem Jugend-Fußballspiel Kinder mit Migrationshintergrund aus seiner Mannschaft rassistisch beleidigt wurden. Damals gründete er „Fußballvereine gegen Rechts“ und hängte bei Spielen in der Region Banner auf, die gegen Diskriminierung aufriefen. Sieben Jahre später erhielt er für seinen Einsatz vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) den renommierten „Julius-Hirsch-Preis“, benannt nach einem Fußballer, der im Dritten Reich ins Konzentrationslager gebracht wurde. Ehrenamt hört sich staubig an, ist es aber nicht, weil ... man Einzelnen helfen kann und Kritik klarer und ungeschminkter äußern kann als das beispielsweise im Rahmen von Parteiarbeit möglich wäre. Ohne Ehrenamt könnte keine Demokratie existieren. Ich mache es so, dass ... ich meine ehrenamtliche Tätigkeit nicht als Hobby ansehe, sondern als eine Verpflichtung. Der allerdings komme ich gerne nach. Die meiste Zeit geht drauf für ... die Akquise der Vereine, die ich als Mitstreiter gewinnen will. Die rufe oder schreibe ich an oder ich besuche Fußballspiele ihrer Mannschaften. Mir treibt es Tränen vor Ärger in die Augen, wenn ... ich sehe, dass mein Einsatz nicht den gewünschten Erfolg bringt. Leider gibt es immer mehr rechtsradikale Idioten und Leute, die diesen gedankenlos nachlaufen. Mich hat das Ehrenamt dahingehend verändert, dass ... der friedliche Kampf gegen Rassismus und Extremismus mein Lebensinhalt geworden ist. Leider sind Ausgrenzung, rassistische Beleidigungen und ähnliches immer noch aktuell. Es gibt noch viel zu tun! Um es noch besser zu machen, bräuchte ich die Handynummer ... von Bernd Neuendorf, dem neuen Präsidenten des DFB. Ansonsten habe ich aber schon alle wichtigen Nummern, inklusive der eines ehemaligen Bundespräsidenten. Joachim Gauck hatte mir seine Handynummer damals nach einem anderthalbstündigen Gespräch gegeben, das im Protokoll eigentlich auf acht Minuten terminiert war. < ˽www.fussballvereine gegen rechts.de Der friedliche Kampf gegen Rassismus und Extremismus im Fußball ist Jo Eckers Lebensinhalt. Dafür nimmt er auch Drohungen in Kauf. Denn: Die Sache ist ihmwichtiger als alle Angst. KeineMacht demHass Für sein Engagement ist Jo Ecker jüngst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Foto: Axel Keldenich

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