purRegio für Düren, Jülich & Region - 02-2022

purHeimat 8 Von Volker Uerlings Der Derichsweiler Annaapfel schmeckt „ausgewogen süß-säuerlich mit leichtem, angenehmem Aroma“ und ist mittelfest. So steht es in der Beschreibung des Bundessortenamtes. Diese Früchte wachsen derzeit nur im Dürener Stadtteil, wo der einzige tragende Baumdieser neuen Sorte zu finden ist – noch. Denn die Besitzerfamilie, Andreas Pingel-Keuth und seine Frau Barbara Priesmann, hat alles in die Wege geleitet, um diese neue heimische Sorte in viele Gärten zu bringen. Als der Chemiker, der am Fachhochschul-Campus Jülich arbeitet, Haus, Hof und Garten in Derichsweiler in den 1990er Jahren erworben hatte, stand der Baum schon da. „Unsere Schafe hätten ihn beinahe weggefressen“, erinnert sich der Hobby-Pomologe an das damals noch zarte Gewächs, das er intuitiv schützte. Vom Vorbesitzer hatte er erfahren, dass es sich um einen Sämling handelt. „Die allermeisten Apfelbäume, die aus Samen gezogen wurden, bringen keine guten Äpfel hervor oder sterben früh ab“, erklärt Andreas Pingel-Keuth. „Der aber gedieh wider Erwarten sehr gut und brachte auch leckere Früchte hervor.“ Der Besitzer nahmmit der Biologischen Station des Kreises Düren Kontakt auf und erfuhr nach seiner Erzählung zu seiner Verblüffung: „Dann ist das eine neue Sorte. Das war mir vorher nicht klar.“ Die Früchte werden Ende Juli, um den Annentag, reif. Da die Heilige Anna die Schutzpatronin der Stadt Düren ist, war also auch der Name schnell gefunden: Derichsweiler Annaapfel. Eine Pomologin hat die Früchte untersucht und ist laut Andreas Pingel-Keuth zu dem Urteil gekommen: „Das ist ein hochwertiger Apfel.“ Ob es sich wirklich um den einzigen „Dürener“ Apfel handelt, lässt sich nicht mit letzter Gewissheit sagen, weil unter den bundesweit rund 7000 gelisteten Sorten nicht bei allen klar ist, ob sie noch existieren oder nicht. In der Aufzählung scheint sich aber keine andere Sorte aus Düren zu befinden. Die Biologische Station verwies den Besitzer der neuen Sorte an eine Baumschule in Bonn, die sich auf die Vermehrung heimischer Sorten spezialisiert hat. Das Ehepaar aus Derichsweiler will sich künftig grundsätzlich für den Erhalt von bestehenden Streuobstwiesen und das Anlegen neuer engagieren, weil sie wertvolle Biotope für die Tier- und Pflanzenwelt darstellen, auch und vor allem für Insekten und Vögel. Dazu ist die Gründung des Vereins „Apfelarche“ in Planung. Weiteres Ziel ist, die alten und neuen heimischen Obstsorten wieder stärker zu verbreiten. Pingel-Keuth und seine Frau Barbara Priesmann, eine Biologin, verteilen seit 2021 jährlich Bäume der Dürener Sorte zum Selbstkostenpreis. Die diesjährige Verteilaktion ist bereits zu Ende. Es besteht aber die Möglichkeit, einen Derichsweiler Annaapfel fürs nächste Jahr vorzubestellen. < Die Frucht gedeiht in Derichsweiler und ist ein seltenes Zufallsprodukt, das nun ganz offiziell vom Bundessortenamt gelistet worden ist. Der Baum steht schon lange. Dürens erste eigeneApfelsorte Verwendung und Kontakt „Der ,Derichsweiler Annaapfel‘ ist ein Sommerapfel und sehr gut für den Anbau im Garten geeignet. Er gehört zu den wenigen relativ frühen Sorten, die schon als hervorragende Tafeläpfel genutzt werden können“, steht in der Beschreibung des Bundessortenamtes. Er eigne sich „zum Frischverzehr und kann gut zum Backen und zum Kochen von Apfelmus verwendet werden“. Der Wuchs des Baumes ist mittelstark. Weiter heißt es: „Die Pflückreife liegt Anfang bis Mitte August, Genussreife direkt. Kühl gelagert ohne Kühlung bis Ende September.“ Wer Interesse an der Sorte hat, erreicht Andreas Pingel Keuth per Mail unter info@apfelarche.de. Im Derichsweiler Garten von Andreas PingelKeuth und seiner Frau Barbara Priesmann steht der Baum, an dem der mutmaßlich einzige Dürener Apfel wächst: der Derichsweiler Annaapfel. Foto: Volker Uerlings/Carina Pfeffer

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