purRegio für Düren, Jülich & Region - 02-2022

7 und deswegen das Gras schneller austrocknet. Der Straßenverlauf lässt erahnen, dass die römische Brücke nicht ganz an der Stelle der heutigen Brücke über die Rur führte, sondern ein kleines Stück weiter südlich, irgendwo zwischen Rurbrücke und der Brücke an der Kirchberger Straße. Nach den Römern verschwand die Brücke im Dunklen, was die Quellenlage angeht. Als gesichert kann nur gelten, dass es die zentrale Brücke seit den Römern immer gegeben hat. Im 16. Jahrhundert wird sie in den Quellen sichtbar, diesmal in sogenannten Brückenzollrechnungen. Es klingt sehr nach heute, wenn man hört, dass die Stadt im Auftrag des Herzogs eine Aufgabe an einen Unternehmer vergeben hat und der wiederum einen Subunternehmer dafür eingesetzt hat. So lief das mit dem Brückenzoll. Die Stadt musste einen Teil der Einnahmen an den Herzog abtreten und war dafür zuständig, die Brücke zu unterhalten. Sie verpachtete deswegen das Recht, Zoll zu erheben, gegen einen Festbetrag an einen Unternehmer, beispielsweise den reichen Bürger Caspar Sengel, der wiederum jemanden bezahlte, um zu kassieren. Während des Baus der Zitadelle in der Mitte des 16. Jahrhunderts gab es eine Meinungsverschiedenheit zwischen der Stadt und dem Herzog. Die Stadtväter wollten Wilhelm V. zur Kasse bitten für die Kosten der Instandhaltung. Schließlich beanspruchten die Materiallieferungen für die Zitadelle die Brücke stark. Wilhelm V. hat diesen Gedanken mutmaßlich einfach ignoriert. 1793 kämpften Preußen und Österreicher auf der einen und französische Revolutionstruppen auf der anderen Seite in der Schlacht um Aldenhoven. „Die Brücke wurde dabei abgebrannt, was für die Stadt eine Katastrophe war“, beschreibt von Büren. 1794 kamen die siegreichen Franzosen in die Stadt und machten Pläne, Jülich als Festung auszubauen. So entstand der Brückenkopf als Wellenbrecher gegen Angriffe aus Richtung Aldenhoven und als militärische Befestigung der Brücke. Teil der Pläne war es, die neue Brücke mit einer Schleuse auszustatten mit dem Ziel, das Wasser zu stauen, um den Jülicher Süden, der außerhalb der Festungsmauern lag, fluten und damit nicht passierbar machen zu können. 1806 war der Brückenkopf samt Schleusenbrücke fertig. „Und er hat seine Feuertaufe nicht bestanden. Als die Schleusen geschlossen wurden, stellten die Franzosen fest, dass die Fundamente nicht tiefgreifend genug waren, weil der Wasserdruck drohte, die Brücke zu verschieben“, sagt von Büren. Zweites Manko der Planung: Die Gewehrschützengalerie am Brückenkopf, aus der im Fall eines Angriffs auf den Feind geschossen werden sollte, war nicht mehr nutzbar, weil sie unter Wasser stand, als die Rur gestaut wurde. Bis 1903 stand die Brücke, ohne dass die Schleusen benutzt wurden. Dann wurde sie von einer repräsentativen Bogenbrücke aus Stein ersetzt, die viele historische Postkartenmotive aus Jülich ziert. Möglicherweise stünde sie heute noch, wenn sie im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden wäre. Es folgte eine sogenannte Baily Bridge der US-Amerikanischen Truppen als Provisorium, bis die heutige Brücke gebaut wurde, die funktional war, optisch wenig anspruchsvoll und deren Tage jetzt gezählt sind. Beim Bau der Brücke zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen auch Spuren der Vorgängerbrücken zum Vorschein, die aber damals undokumentiert blieben. Die Archäologen dürften sich schon über das freuen, was möglicherweise zu Tage kommt, wenn der Neubau im Sommer beginnt. < „Es war schon immer schwer, die Rur in den Griff zu bekommen“ Guido von Büren Die Rurbrücke aus den Jahren 1903 bis 1944: Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bogenbrücke zerstört. Ganz rechts eine Detailaufnahme von unten .

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