purRegio für Düren, Jülich & Region - 02-2022

6 Von Guido Jansen Die Geschichte der Stadt Jülich ist auch automatisch immer die Geschichte der großen Rurbrücke. Und zwar seit mehr als 2000 Jahren. Mit dem Neubau der Brücke in diesem Jahr kommt ein neues Kapitel hinzu. Das erste stammt aus dem Jahre 0. Tatsächlich ist die Historie voller denkwürdiger Abschnitte. Aber sie erzählt nicht unbedingt eine Liebesgeschichte. Denn Städte, die ihre Flüsse lieben, wenden sich ihnen mit ihrer Schokoladenseite zu. Die wichtigsten und prestigeträchtigsten Gebäude sind dann nahe am Wasser gebaut. So wie der Dom in Köln. Jülich und auch Düren wenden der Rur dagegen den Rücken zu. Das Verhältnis war nie das Beste, weil die Rur so unberechenbar ist. Die Hochwasserkatastrophe aus dem vergangenen Jahr ist da ein Beispiel, wenn auch einigermaßen unpassend. Denn mit der Rurtalsperre ist der Fluss reguliert. Früher war er unberechenbarer. Im Sommer konnte er trockenfallen, im Winter und Frühjahr setzte er mindestens den Jülicher Süden unter Wasser – da, wo heute das Heckfeld liegt. Die Unberechenbarkeit der Rur ist aber auch der Grund, warum die Römer die Stadt gegründet haben. „Es war schon immer schwer, die Rur in den Griff zu bekommen“, sagt der Jülicher Historiker Guido von Büren. „Aber bei Jülich rücken die Ufer so eng zusammen, dass man eine Brücke anlegen kann. Das haben die Römer um Christi Geburt gemacht.“ Sie haben die Straße, die in der Neuzeit nachträglich Via Belgica genannt worden ist und die von Köln über Heerlen, Maastricht und Tongeren bis zur Atlantikküste verläuft, an besagter enger Stelle über die Rur geführt, da, wo deswegen Jülich entstanden ist. Die Rur war eines der wenigen Hindernisse zwischen Maas und Rhein, entsprechend groß war die Bedeutung der Stelle, an der dieses Hindernis am besten überwunden werden konnte. Für Jülich sprach aber auch noch ein anderer Grund. „Von Köln aus und aus der anderen Richtung von Heerlen aus war Jülich eine Tagesreise weit entfernt“, erklärt von Büren. Deswegen entstand der Vicus Iuliacum, der den Marktplatz umfasste und sich in länglicher Form bis zur Römerstraße erstreckte. Aufgrund der Rurbrücke wurde Jülich zu einem Oberzentrum für die Region. Es gab auch diesseits der Rur einen zweiten Vicus für den Fall, dass die Rur doch zu stark geschwollen war und der Fluss nicht passiert werden konnte. Der befand sich auf der Fläche zwischen dem Kreisverkehr, mit dem die Bundesstraße 56 in Richtung Autobahn abknickt, und der Straße An der Via Belgica. Im Sommer, wenn der Boden trocken ist, schimmert der Verlauf der Römerstraße durch, weil der Boden nicht so fruchtbar ist, da wo die Straße verlief Im Sommer wird die Rurbrücke in Jülich abgerissen und erneuert. Ohne Brücke gäbe es die Stadt wohl gar nicht. 2000 Jahre alteGeschichte Die Rurbrücke in Jülich ist alles andere als eine Schönheit. Jetzt sind ihre Tage gezählt: Im Sommer wird sie abgerissen und erneuert. Fotos: Guido Jansen, Stadtarchiv Jülich/Cremerius, Janou Müller Beuermann

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