purRegio für Düren, Jülich & Region - 02-2022

28 Von Manfred Kistermann Er trägt den Himmel unter dem Arm und am Kopf eine rotleuchtende Stirnlampe. Klaus Hermanns geht gen Westen, dorthin wo die Sonne untergegangen ist. Es ist kalt an diesem Abend auf der Eifeler Hochfläche, aber die Luft ist klar, sternenklar sagt man dazu. Und das ist auch der Grund, warum der 61-Jährige hier ist. Klaus Hermanns ist einer von 30 ausgebildeten SternenGuides, die von der NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser jüngst ihr Zertifikat erhalten haben. Ab sofort werden diese Himmelserklärer den Menschen im Naturpark Nordeifel nicht nur Sterne und Planeten näherbringen. „Wir wollen auch über die Bedeutung von dunklen Nächten für Natur und Umwelt aufklären“, sagt Klaus Hermanns, der Geologie studiert hat und jetzt als Gutachter in einer Evaluierungseinrichtung tätig ist. Verschiedene Standorte, an denen die Lichtverschmutzung sehr gering ist, also echte Dunkelheit vorherrscht, hat der Naturpark ausgesucht. Sie liegen alle außerhalb des Nationalparks Eifel, damit niemand diese schutzwürdigen Gebiete unnötig betritt. Es sind Erlebnisorte und Beobachtungsplätze, sogenannte SternenBlicke, an denen die SternenGuides jetzt ihre nächtlichen Führungen anbieten werden. Bereits seit 2019 hat die International Dark Sky Association (IDA) Teile der Eifel endgültig als „Internationaler Sternenpark“ anerkannt. Diese Auszeichnung ist mit dem Auftrag verbunden, die natürlich dunkle Nachtlandschaft zu schützen und Naturliebhaber für die Schönheit und den Wert einer unverfälschten Dunkelheit zu sensibilisieren. Denn in der Eifel kann man in klaren Nächten auch die Milchstraße mit bloßem Auge bestaunen. Heute aber macht der Mond einen Strich durch die Rechnung. Die Augen sind zu sehr geblendet. Dunkelheit sieht eben anders aus für den SternenGuide. Die Milchstraße versteckt sich trotz klaren Himmels — wegen des hellen Mondscheins. Also erklärt Klaus Hermanns mithilfe seines künstlichen Firmaments in Form eines großen beleuchteten Balls, auf dem die Himmelskörper zu sehen sind. Denn obwohl die Galaxien sich nicht aus der Dunkelheit trauen, bleiben doch noch viele andere Himmelskörper zu sehen. Der Blick durch das Fernglas von einer hölzernen Liegebank aus bietet mehr Himmelspracht als das bloße Auge erkennt. Und Klaus Hermanns kennt die Namen vieler Konstellationen und erklärt ihre Herkunft aus der Mythologie. Klaus Hermanns ist wie die 29 anderen Himmelsgucker ein zertifizierter Natur- und Landschaftsführer in der Eifel. Als eine Ausschreibung für die Tätigkeit als Sternenführer kam, zögerte er nicht und ließ sich innerhalb fast eines Jahres weiterbilden. Er will aber nicht nur den Blick nach oben richten: so wird auch ein Augenmerk auf das Geschehen im Wald und Flur bei Nacht gelenkt, auf Geräusche und aktive Tiere. „Echte Dunkelheit ist wichtig für unsere Artenvielfalt“, sagt der Guide. Denn für viele nachtaktive Arten — dazu gehören Fledermäuse, Eulen, fast alle Amphibien, Insekten wie Nachtfalter und auch Vögel zur Zugzeit — sei Dunkelheit bei Nacht überlebenswichtig. < Im Naturpark Nordeifel gibt es ab diesem Jahr SternenGuides, die bei nächtlichen Führungen Wissenswertes über Himmelskörper erzählen und die Bedeutung von Dunkelheit erklären. Reisen zurMilchstraße Klaus Hermanns trägt den Himmel unterm Arm. Der SternenGuide erklärt die Gestirne an einem Ball. Zum Beobachten der Sterne sind an vielen Standorten im Naturpark Nordeifel Liegebänke aufgestellt worden. Von dort aus kann man ohne Lichtverschmutzung die Himmelspracht entdecken. Fotos: Manfred Kistermann / Andreas Gabb Fünf Standorte ... gibt es bislang, an denen der Blick in der Finsternis gen Himmel gerichtet werden kann und wo entsprechend Liegen aufgestellt werden: Hellenthal, Nettersheim, Mechernich, Nideggen und Dahlem. Weitere sollen folgen. Buchungen sind online möglich (Erwachsene zahlen 10 Euro p.P.). ˽www.sternenlandschaft eifel.de

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