Medienstunde - Ausgabe A1

11 Mittwoch, 15. Juni 2022 Bauen, programmieren, probieren VON RAUKE XENIA BORNEFELD DÜREN Whiteboard, Legobaukästen, Computerbildschirme, auf dem Boden ein Parcours – das Klassenzimmer im Dürener Gymnasium amWirteltor ist eine Mischung aus Lernraum und Spielzimmer. Hier trifft sich die Robotik-AG einmal in derWoche nach demUnterricht für zwei Schulstunden. Die Schüler – im Moment sind es nur Jungen – konstruieren, bauen und programmieren an kleinen fahrbaren Geräten herum. Ihr Ziel: Die Fahrzeuge sollen es selbstständig durch den Parcours am Boden schaffen. Wenn das Systemstreikt Anton hat zumBeispiel einen ziemlich langenGabelstapler zusammen gebaut. „Der braucht hinten noch ein wenig Stabilisierung“, stellt er fest. Fiete versucht sich an einem Getränkeautomaten. Als er ihn vorführenwill, streikt dasTransportsystem allerdings zunächst. Erst ein Neustart bringt den gewünschten Erfolg. Rehansh hat ebenfalls ein großes Projekt: Er möchte ein Fahrzeug bauen, das Dominosteine aufsammelt, auf einem Fließband transportiert und an anderer Stelle wieder absetzt. „Erstmal baue ich nur – programmieren kann ich noch gar nicht“, sagt er lachend. Probieren, scheitern, neu probieren – das hat durchaus System in der Robotik-AG. „Der Spaßfaktor ist wichtig“, erklärt Burat Gül. Immerhin verbrächten die Unter- und Mittelstufenschüler hier kostbare Freizeit. Der Neuntklässler leitet zusammen mit Alexander Schmitz (EF) und Mo Salih (9. Klasse) die Robotik-AG. Lehrerin Kerstin Barz muss sich nur noch um die übergeordnete Organisation kümmern, die Anmeldungen sichten, den Raum aufschließen, nachhören, ob es vielleicht Probleme gibt. „Aber wenn das der Fall ist, überlegt das Team auch schon selbst, wie es konzeptionell etwas ändern kann“, zeigt sie sich sehr zufriedenmit demSystem „Schüler trainieren Schüler“. „Weil sie näher dran sind, können sie ohnehin besser erklären.“ Wichtigste Antriebfeder der Robotik-AG ist normalerweise die Teilnahme am Wettbewerb „RoboScope“ der RWTHAachen. Schulmannschaften der Region treten dann mit einem Roboter an, den sie im Vorfeld so programmiert haben, dass er sich den Weg durch den Parcours mit allen seinen Hindernissen allein suchen kann. Möglichst schnell natürlich. Bewertet werden auch die Konstruktion des Roboters und eine Präsentation, die die Programmierung möglichst kreativ erklärt. Das Gymnasium am Wirteltor hat schonmehrmals gut abgeschnitten. Der Wettbewerb wurde in diesem Schuljahr allerdings erneut abgesagt – zu wenige Schulen haben sich angemeldet. „Deshalb ist die AG im Moment auf der Suche nach einem neuen Ziel“, berichtet Barz. Solange können Anton, Fiete, Moritz, Felix und Rehansh noch viele Ideen für kleine Lego-Roboter entwickeln und das Programmieren einfach mal ausprobieren. Tim ist schon so lange dabei, dass er die Programmierung imBaukastensystemeigentlich imSchlaf beherrscht. Langweilig ist demNeuntklässler in der Robotik-AG deshalb noch lange nicht: „DieMöglichkeiten begeistern nach wie vor.“ Ist das Zukunft? Eigentlich sind Roboter doch längst Teil unserer Gegenwart. Das wissen auch die Schüler. Sie wissen aber auch: Programmieren wird ein wichtiger Teil ihrer ganz persönlichen Zukunft sein. „Im Informatik-Unterricht lernt man viel kompliziertere Programmiersprachen. Die Robotik-AG hat mir für das logischeDenken sehr geholfen“, erklärt Burat die Bedeutung der gut investierten Zeit in der Schule. Alexander kann sich auch nach der Schule vorstellen, konstruieren und programmieren zu kombinieren.Vielleicht in einemMaschinenbaustudium? Tim sieht die Vorteile der Automatisierung: „Das entlastet die Menschen.“ Selbstvertrauen fürs Leben Für Lehrerin Barz kommt noch ein anderer zukunftsweisender Aspekt hinzu. „Durch die Leitungsfunktion übernehmen die Schüler vielVerantwortung und haben Selbstvertrauen entwickelt. Das ist sicher auch gut für ihre berufliche Zukunft.“ Stolz und Selbstvertrauen entstehen übrigens auch, wenn nach vielem Ausprobieren und Scheitern das erste Mal etwas wirklich gelingt, wie Alexander sich lebhaft an diesen Moment erinnert: „Es ist schon erstaunlich, wennman sieht, wie der eigene Roboter sich wirklich bewegen kann.Wenn man sich dann überlegt, dass man das selbst geschafft hat, denkt man nur noch: Boah!“ In der Robotik-AG des Dürener Gymnasiums am Wirteltor dreht sich alles um spannende und ausgeklügelte Konstruktionen. Bis zum Berufswunsch ist es dann nicht mehr weit. Wertvoll investierte Zeit nach dem regulären Unterricht: Die Robotik-AG des Dürener Gymnasiums amWirteltor präsentiert stolz ihre Konstruktionen. Können die Roboter fahren? Anton (links) und Tim testen ihre Konstruktionen. FOTOS: RAUKE XENIA BORNEFELD „Es ist schon erstaunlich, wennman sieht, wie der eigene Roboter sichwirklich bewegen kann. Wenn man sich dann überlegt, dassman das selbst geschafft hat, denkt man nur noch: Boah!“ Alexander, Schüler amDürener GymnasiumamWirteltor

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