KLENKES - Januar 2023

7 Die Ordensgemeinschaft setzt den Leitfaden der Gründerin Franziska Schervier „Seelen retten – Wunden heilen“ in der heutigen Zeit fort und engagiert sich sozial und seelsorglich für arme Menschen und jene, die am Rande der Gesellschaft stehen. Sie bietet ein Frühstück an, und ist in den Bereichen der Altenp'ege, Ergotherapie, in Pfarrgemeinden, im Hospiz und der Exerzitienbegleitung aktiv. ↗schervier-orden.de ARMER ORDEN Wir Schwestern müssen aufpassen, dass wir uns nicht einigeln. Das Klosterleben ist schon ein bisschen eine andere Welt. Schwester Christa Maria Schwester Christa Maria im Kreuzgang des Schervier-Ordens (oben), Essensausgabe in der Schervier-Stube (rechts) vor Corona len aufzusaugen scheint. Über die Jahre wurden die Gebäude bunt nebeneinander in den Himmel gebaut. Dieses Nebeneinander findet sich auch im Zusammenleben mit den Studierenden der RWTH. Die leben zwar auf einer eigenen Etagemit Gemeinschaftsraum, Küche undWaschmaschine, dennoch laufe man sich, so Schwester ChristaMaria, die selbst weltliche Kleidung trägt, immer wieder über denWeg. Eine chinesische Studentin treffe sie immer wiedermal in der Klosterkapelle an. Einer Studentin gefiel es gar so gut bei den Schwestern, dass sie auch nach dem Studium wohnen blieb. So lebt sie schon seit über fünf Jahren im Kloster. ImZentrum steht für die Schwestern, trotz aller Weltzugewandtheit, das Credo des Hauspatrons, des heiligen Franz vonAssisi. Es ist das Credo der Armut und gleichzeitiger Barmherzigkeit. Ein Ideal, das schon Jesus und seine Jünger predigten und lebten. Der Orden der Schervierschwestern wurde 1853 von Franziska von Schervier, einer wohlhabenden Fabrikantentochter gegründet. Bewusst ging sie ohne einen Pfennig Besitz ihrer „Vocation“, ihrer inneren Berufung von Gott nach, und gründete hier den Orden der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus. „Mit nur einem Paar Schuhe für drei Ordensschwestern“, erzählt Schwester Christa Maria. Doch Tempus fugit - und so ist das alte Mutterhaus längst nicht mehr auf dem neuesten Stand: Nicht barrierefrei - einÜbel für diemeist hochbetagten Ordensschwestern, die durchschnittlich 80 Jahre alt sind. Ein kleiner Aufzug bringt uns zu den Schlafzimmern: ein schmales Bett, freundliche orange-gelbe Farben, ein eigenes Badezimmermit Dusche undWC, ein simpler Schreibtisch. Es gibt nur ein Telefon für den Ernstfall. „Wenn hier jemand stürzt … “, sorgt sich die Generalvikarin. Der Nachwuchs sei ein großes Problem. Sie selbst ist mit 22 Jahren in den Orden eingetreten, der in direkter Nachbarschaft zu ihrem Elternhaus lag. Als Altenpflegerin habe sie mit den Schwestern zusammengearbeitet. Jedoch spürte sie den Ruf aus persönlichenGründen. ZweiWochen lang habe sie niemandem etwas gesagt, dann teilte sie ihren Entschluss der Familie mit. Vor Kurzem ist wieder eine Frau mit Ende 60 eingetreten, so Schwester Christa Maria. Eine andere Interessentin, Theologin, ist Mitte 50. Die Lebensformmache es wichtig, Rückzugsorte zu haben, so Schwester ChristaMaria: „Das musst du aushalten können, diese Stille“. Einen Zustand, den jedoch immermehrMenschen suchen. Nicht nur liturgisch habe sich das Kloster daher gelockert, um5 Uhr muss hier keiner mehr aufstehen, nunmehr ist es 6Uhr. Auch einfache Änderungen, wie dassman nun durch die Fenster in den Hof sehen kann, wo früher mattes Glas war – zeigt, wie sehr man sich öffnet und dem Individuum Raum gibt. „Wir haben ja nichts zu verbergen hier.“, so die Franziskanerin. Wer ernsthaft in Erwägung zieht, Nonne zu werden, durchlebt eine mindestens achtjährige Aufnahmezeit. Den Ablauf im Kloster kennenlernen, mit den Schwestern zu sprechen, zu sehen „wie ticken die, wie ticke ich“, erläutert Schwester Christa Maria, sei wichtig, um zu sehen, ob das Klosterleben etwas für einen sei. „DasMenschliche kauftman sozusagenmit ein“, und es sei ja nicht die eigene Familie. Die darf man zwar nunmehr besuchen, und Theaterbesuche mit Freunden, oder wie Schwester ChristaMaria „Cats“ inNewYork einmal sehen, ist gestattet. Doch die Eigenverantwortung liege auch bei der Ordensschwester. Die muss sehen, dass sie ihrenAuftrag nicht vernachlässigt. Weltliche Genüsse sind einzugrenzen. Lustig geht es im Kloster dennoch zu. Zum Beispiel, wennman sich gemeinsameine Folge der amerikanischen Jesus-Sitcom„The Chosen“ ansieht. Das Interesse an den klösterlichen Angeboten steigt stark.Weltliche Bedürfnisse und geistliche Sphäre greifen hier ineinander. „Wenn es dir guttut, dann komm!“, lautet hier die Einladung der Schwestern. Das Ordensjahr, bei dem bundesweit rund 120 Klöstermitmachen, bietet Gelegenheit, das Klosterleben für eine längere Zeit zu erfahren. Es seien durchaus auch Leute dabei, die spüren: „Das könnte etwas fürmich sein, die dann eingetreten sind“. Einer Frau, die auf Besuch bei den Schervier-Schwestern war, erging es so. Nun arbeitet sie tatkräftig im karitativen Bereich mit, lächelt Schwester Christa Maria. \ magazin

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