KLENKES - Januar 2023

6 Januar 2023 Längst sind Klöster keine weltfernen Institutionen mehr. Dennoch: der Nonnennachwuchs fehlt. Zeitgleich suchen immer mehr Menschen Ruhe und innere Einkehr. Neue Geschäftsmodelle sind notwendig. Wo sich Himmel und (H)erde treffen. Der Boom der Klöster begann im vierten Jahrhundert und hielt einige Jahrhunderte an. Denn sie boten eine Ausflucht aus Armut und Zugang zu Bildung. Und das nicht nur für Männer. Für Frauen waren sie eine Alternative zur Marter des ewigenKinderkriegens inZeiten ohne Familienplanung. Vielmehr als das boten sie ihnen echte Karrieren an. Denn in den Frauenklöstern hattenNonnen das Sagen. Sahman sie vor einigen Jahren noch häufig imStadtbild, fragt man sich: wo sie denn heute sind, dieOrdensschwestern?Wo ist ihr Platz imöffentlichen LebenAachens? Deshalb habenwir sie besucht: die Franziskaner-Schwestern in der Elisabethstraße am Aachener Dom. „Wennman hier reinkommt, dann geht erstmal die Sonne auf“, strahlt Schwester Christa Maria imKreuzgang des Schervier-Ordens, den sie grinsend die „ICE-Strecke“ nennt. Die mit einemPlexiglas überdachtenWege bringen die Ordensschwestern trockenen Fußes zu den verschiedenen Häusern auf dem Klostergelände in der Elisabethstraße. Und in der Tat ist hinter der unscheinbaren Pforte der Hausnummer 19, von engenKlostermauern nichts zu spüren. Der luftige, von Rosenranken gesäumte Innenhof des 1845 errichtetenKlosters, ist eine Oase mitten in der Aachener Innenstadt. Seit geraumer Zeit trifftman hier längst nicht mehr nur auf Franziskaner-Schwestern. Neben Studierenden der RWTH, die hier in direkter Nachbarschaft zu den Nonnen leben, gehen auch Sinnsuchende aller Couleur ein und aus. Die Angebote reichen von einigen Tagen Auszeit im „Kloster auf Zeit“ oder den dreitägigen Kurzexerzitien bis zumFreiwilligenOrdensjahr. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle: „Letztes Jahr war ich in einem Kurs zu fünft, zwei Schwestern, ein Polizist, eine ältere Dame und eine Schwester einer anderenGemeinde.“ Exerzitien sind eine Erfindung des Jesuiten-Vaters, des Heiligen Ignatius von Loyola. Er gründete den Jesuitenorden und mit ihm die strengen Regeln des Ordens. Und obwohl hier sogar während der Mahlzeiten geschwiegen wird, tue der Austausch zu Beginn und Ende der Exerzitien allen gut, so Schwester Christa Maria: „Das Haus hat sich schon sehr geändert. Wir Schwestern müssen aufpassen, dass wir uns nicht einigeln. Das Klosterleben ist schon ein bisschen eine andere Welt.“ Dass das Kloster in der Innenstadt liege, „sei schon gut“. Jeden Morgen begrüßen die SchervierschwesternObdachlose und andere Menschen, die sich ein Frühstück nicht leisten können. Die Schervierstube war einwarmer Ort für sie, vor allen in den Wintermonaten. Nun, seit Corona, ist der Ort zu klein für die striktenAuflagen geworden. So gibt es nur noch ein Frühstück „to go“ an der Pforte zum Kleinmarschiertor. Das alte „Mutterhaus“, erbaut 1435, war zunächst einHospiz auf demPilgerweg nach Santiago di Compostela. Dann ab 1616 Klarissenkloster, wurde esmit der Säkularisierung durch Napoleon 1802 aufgelöst. 1853 erwarb es Franziska Schervier und gründete hier ihrenOrden. Heute leben hier 24 Ordensschwestern. Das heute aus dunklem Backstein gebaute, rechteckige Gebäude nimmt dabei fast den Charakter einer Festung an. Ohne jedoch etwas Bedrohliches zu haben. Dagegen hält der weiße Anstrich des Innenhofs, der die SonnenstrahIn der Elisabethstraße in Aachen befindet sich das Kloster der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus, gegründet von Franziska Schervier. Zwischen Studierenden, Armut und Sinnsuchenden – Wie ist das Nonnenleben mitten in Aachen? Von Sabrina Hambloch Fotos: Heike Lachmann Kloster für alle Das „Freiwillige Ordensjahr“ bietet die Möglichkeit, drei bis zwölf Monate in einer Ordensgemeinschaft mitzuleben, mitzubeten, mitzuarbeiten und mitzulernen. Dabei ist es egal, ob man sich kurz nach der Schulzeit, im Berufsleben oder in der Rente be(ndet. Spannend für junge Menschen: das Ordensjahr kann auch im Rahmen eines FSJ – eines freiwilligen sozialen Jahres absolviert werden. ↗ordensjahr.de KLOSTER AUF ZEIT magazin

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