KLENKES - Januar 2023

bühne 20 Januar 2023 Wo Hape Kerkeling drauf steht, sind Lacher und Schenkelklopfer garantiert. Seinen Kinofilm von 1995 hielt „TV Spielfilm“ zwar für eine „Pauschalklamotte mit Schönheitsfehlern“, aber der Klamauk umzwei Animateure in einem All Inclusive-Ferienclub war ein voller Kinoerfolg und drehte anschließend auch erfolgreich seine Runden durch die TV-Sender. Betrachtet man in der Aachener Inszenierung die starke Leistung und Bühnenpräsenz der beiden Hauptfiguren, der Animateure Edwin (William Danne) und Biggie ( Jessica Kessler), hatman schnell verstanden, warum dieser Plot geradezu danach schreit, für die Bühnenbretter aufbereitet zu werden. Fünf Feriengäste unterschiedlichsten Typs stellen die wegen Flugverspätung nachts ankommende Reisetruppe dar. Schnell finden sie heraus, dass es mit dem Service und dem All Inclusive-Angebot nicht sehr weit her ist: kein Wasser im Pool, verdreckter Strand, Frühstück im Schichtbetrieb, das Buffet ein Witz und eine an Nötigung grenzende Rundum-Animation.Mit eiserner Hand herrscht zudemdieHotelchefin FrauDr. Wenger (MichaelaHanser) über Animateure wieGäste. ImKasernentonfall und stets leicht alkoholisiert hat sie darüber hinaus ein dunkles Geheimnis zu verbergen, in das der Gute-Laune-Bolzen Edwin ebenfalls involviert ist. „Club Las Piranjas“ lebt von den vielen Liedern (besonders strahlt hier die Stimme von Jessica Kessler), der Situationskomik, den teils amourösenRänkespielchen aller Darsteller und mit dem oft getätigten Einbezug des Premierenpublikums. Da wird nicht nur unter Anleitung der professionellen Hotel-Animateure mitgesungen und geklatscht. Edwin führt schließlich auch eine Polonaise durch den Saal an, der sich einige aus dem Publikum begeistert anschließen und so witzig in die Pause hinausgeleitet werden. Eine gelungene Leistung der acht Schauspielerinnen und Schauspieler, die nebenbei mit perfekt choreographierten Kulissenschiebereien für neue Szenenbilder sorgen, während Martin Löhrer als Musiker Alfonso die nötigen Sounds an Klavier und Keyboards hervorzaubert. Standing ovations – und eine gerne gegebene Zugabe für das auch nach zweidreiviertel Stunden noch begeisterte Publikum, das dann auch vom Regisseur und Intendanten Ingmar Otto gleich zur Premierenfeier eingeladen wurde ... rm bis 23.1. „Club Las Piranjas“ 20 Uhr (So 18 Uhr), Grenzlandtheater 25., 26., 30.+31.1. „Club Las Piranjas“ 20 Uhr, diverse Orte (Alsdorf/Stolberg) oper Ist Vergebung möglich? Ewa Teilmans inszeniert am Theater Aachen Verdis „Stiffelio“. Unaufgeregt, klar, sehens- und hörenswert. Die Oper „Stiffelio“ über die Frau eines protestantischen Pfarrers, die Ehebruch begangen hat, wurde zu Verdis Lebzeiten kaum und wenn überhaupt nur stark zensiert gezeigt und ist daher den meisten nicht weiter bekannt. Ewa Teilmans hat diese Oper aufgetan, das Libretto neu übersetzt und die Figuren kompromisslos in eine neue Zeit gesetzt. Nächstenliebe: okay. Sie nicht zu hinterfragen: keine Option. So wandeln die Figuren in einem Bühnenbild von Andreas Becker vor hohen düsteren, mit Rissen durchzogenen Wände, die sich in vier Richtungen auffahren lassen, davor links und rechts zwei Glasgänge. Der kirchliche Aspekt wird hier definitiv ausgereizt, allerdings clever und spektakulär – beispielsweise wenn durch das Kreuz, das die Rückwand freigibt, blutrotes Licht scheint oder Figuren aus der Vergangenheit erscheinen. Alles sehr klar, sehr unaufgeregt. Aufregend und völlig zu Unrecht selten bis nie gehört ist Verdis Musik. Chanmin Chung dirigiert das Orchester durch die Partituren, Sänger und Chor begeistern das Publikum. Lina, die Betrügerin, ist besetzt mit der russischen Sopranistin Larisa Akbari. Mit ihrem rotenHaar ist sie auch als junge Frau und kleinesMädchen erkennbar. Sie, die zwischen drei Männern – ihrem Ehemann, dem Geliebten und dem Vater – steht, wird nicht einfach als Schuldige abgestempelt. Ihr Mann Stiffelio, der eigentlich Rudolfo Müller heißt, besetzt mit dem südkoreanischen Tenor Soon-Wook Ka, ist nach außen hin ganz der gläubige Pfarrer, der die Nächstenliebe und die Bibel so hoch hält, dass er seiner Frau den Betrug verzeiht und auch noch einer Scheidung zustimmt. Teilmans allerdings lässt die Güte des Mannes ein wenig offen, zum Beispiel wenn er denGeliebten seiner Frau etwas zu lange anstarrt. Der Vater wiederum (der britische Bariton Benjamin Bevan) versucht erfolglos mit seinen Mitteln seine Ziele zu erreichen. Es ist eine Oper ohne Kitsch und Herzschmerz, ohne einen großen Triumphmarsch. Vielleicht ist sie auch genau deshalb so unaufgeregt. Große Arien und Chorgesänge gibt es natürlich dennoch und die sind absolut lohnenswert. Insgesamt eine beeindruckende Ensembleleistung, die vomPublikummit lautemApplaus belohnt wird. Schade, dass sich Ewa Teilmans den Applaus aufgrund einerfiesenGrippe nicht selber abholen konnte. \ kw 19.+29. (18 Uhr)1. „Stiffelio“ 19.30 Uhr, Bühne, Theater Aachen ↗theateraachen.de Voller Einsatz auf der Bühne. Beim „Club Las Piranjas“ bezieht die Animation auch immer mal wieder das Publikum mit ein. All Inclusive versteht sich. Foto: Dominik Fröls „Stiffelio“ inszeniert von Ewa Teilmans am Theater Aachen. Foto: Marie-Luise Manthei Am Grenzland Theater inszeniert Ingmar Otto Hape Kerkelings „Club Las Piranjas“. komödie Polonaise durchs Theater

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