KLENKES - Januar 2023

bühne 19 schauspiel Die Liebe der Briten zum schwarzen Humor ist weit bekannt. Krimiautor Sir Alan Ayckbourn erhielt für den seinen 1997 von der Queen sogar den Ritterschlag. Sein brillant konstruiertes Ränkespiel zweier konkurrierender Schwestern um das Erbe ihres Vaters, wird zurzeit auch in Hannover mit der TV-Schauspielerin Gerit Kling inszeniert. Das Grenzlandtheater besetzt mit der ebenso bekannten Überzeugungstäterin Franziska Arndt, die regelmäßig in Fernsehkrimis des „Tatorts“ zu sehen ist. \ 29., 30.+31.1. „Falsche Schlange“ 20 Uhr, Grenzlandtheater schauspiel Es ist wieder so weit: Gott Jupiter sucht ein amouröses Abenteuer. Diesmal soll es Alkmene, die Frau des Feldherrn Amphitryon, sein. Getarnt als ihr Ehemann mit Kuppler-Gott Merkur im Gepäck, schreitet Jupiter zur Tat. Doch es läuft nicht rund. Der echte Ampphitryon wundert sich, warum seine Frau von einer Liebesnacht mit ihm schwärmt, die er nicht erlebt hat und auch Alkmene weiß nicht mehr, was sie von alldem halten soll. Das Doppelgänger-Motiv (ndet in Heinrich von Kleists Komödie eine tragische Überlagerung. Platz für Themen, die auch heute aktueller denn je sind: Identität, Sein und Selbstdarstellung. \ 6., 13.+21.1. „Amphitryon“ 20 Uhr, Theater Aachen schauspiel Ist das der Anfang vom Ende? Das fragen sich drei Frauen, die entgegen der Mär vom alten Gottvater tatsächlich Gott sind – oder sich zumindest dafür halten. Die Erde war gut gestartet: „Licht und Raum, Berge und Staubkörner, einige Feiertage …“ Doch laut Prophezeiung soll der Planet in vier Milliarden Jahren vergehen, bzw. nein in zwei, Irrtum, gleich schon, in 1%Stunden … Da winkt ihnen der letzte Erdenbürger Jens zu. Doch lohnt es sich überhaupt die Erde zu retten? \ 12.+20.1. „GI3F. Gott ist drei Frauen“ 20 Uhr, Mörgens Theater Aachen BÜHNENSPLITTER rückblick Warum sich Theater gelohnt hat 2022 hatte wieder normale Spielpläne, Sitzordnungen und Premierenpartys. Blöd und unnötig, dass es manchmal leerer blieb, (ndet Kira Wirtz. Es ist Fakt. Leicht haben es die Theater, wie auch andere kulturelle Angebote 2022 nicht gehabt. Gründe, warum nicht alle Plätze dauerausverkauft waren, sogar in den Premieren noch Plätze frei waren oder es noch während der Spielzeit Abos gab, gibt es viele. Zwei Jahre saßen dieMenschen zuHause. Isoliert. Verließen selten das Haus, um sichmit anderen zu treffen, geschweige denn ins Theater, Kino, Museum oder Restaurant zu gehen. Als dann die Kulturstätten im Frühjahr wieder öffneten, war der ein oder andere überfordert mit dem Angebot und vor lauter Lethargie nicht in der Lage, gleichmehrere (Abend-)Termine in einer Woche zu haben. Wieder andere trauen dem ganzen Corona-ist-so-gut-wie-weg-Braten noch nicht und wollen schlichtweg nicht mit zu vielen Leuten, die sie und ihrenKrankheitszustand nicht kennen, in einem Raum sein. Wobei man hier in beiden Fällen ganz klar Partei für die Theater ergreifen sollte. Denn die Lüftungsanlagen minimieren ein Infektionsrisiko (bei mir sorgen sie außerdem für extrem trockene Augen und hin und wieder Problemen mit den Kontaktlinsen), Maske tragen kann weiter jeder, der will und – das eigentlich wichtige: Das Angebot war 2022 so gut, dass man sich öfter mal für einen Abend im Theater entscheiden sollte. Der Punkt, dass das Geld überall knapper wird und man sich zweimal überlegen muss, ob ein Theaterbesuch drin ist, ist natürlich auch einGrund, dass die Zahlen schwinden. Aber auch hier haben sich die Theater etwas einfallen lassen. Last Minute Karten, die vergünstigt zu erwerben sind, Abos, die übertragbar sind, Theater-Cards, dieflexibel auf einen Besuch reagieren und jede Menge andere kreative Angebote locken die Leute in die Häuser. Sehenswert war 2022 so einiges. Jetzt könnte hier eine lange Liste kommen, mit Inszenierungen inKammer, großem Haus, Das Da-Theater, Theater K und Grenzlandtheater. Schwierig, die Häuser und Stücke miteinander zu vergleichen und sie zu bewerten. Das möchte ich an dieser Stelle eigentlich auch gar nicht. Ich möchte die Vielfalt herausstellen, lobend erwähnen, dass alle Häuser sich unterschiedlich für die Zukunft aufstellen. Der „neue“ Intendant Ingmar Otto, macht mit Anja Junski zusammen das Grenzlandtheater jünger (im „Trafikant“-Publikum waren sogar ganze Schulklassen zu sehen), öffnet es z.B. mit demAdventskalender für jedermann und wird mit einem Theaterzelt für dieMusicalproduktion nochmal für ein echtes Highlight sorgen. AmTheater Aachenwird gefühlt eine Knaller-Inszenierung nach der nächsten rausgehauen, natürlich auch umdie letzte Spielzeit von Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck zu feiern. Mir haben die Mörgens-Lab-Projekte am Theater Aachen besonders gefallen, einfach, weil sie Theater mit der RWTH und dem Real-Life so geschickt und unterhaltsam verbinden. Dann – auch noch imMörgens – muss man einfach „Die Freiheit einer Frau“ von und mit Tommy Wiesner erwähnen, weil das ein Stück war, dasmich inhaltlich, als auch von der Inszenierung und Vorbereitung wirklich bewegt hat. Das Das Da-Theater hat sich im Ensemble einwenig verändert, setzt auf ein gesangsstarkes Team und hat vor allem mit den Sommerproduktionen auf der Burg Wilhelmstein gezeigt, dass man hier aufs richtige Pferd setzt. Mir persönlich hat auch die Inszenierung des Kinderstücks „Emil und die Detektive“ mal wieder vor Augen geführt, was für einen pädagogischen Auftrag das Haus hat undmit wie viel Herzblut genau das umgesetzt wird. Das Theater K (und es wird hier nicht als letztes genannt, weil es das kleinste ist, sondern weil es einen Schlusstusch verdient hat) hat sichmal wieder neu erfunden und ist sich dennoch treu geblieben. Jedes Mal, wenn ich das Tuchwerk in der Soers besuche, schafft es allein der Ort und die Aussicht hier ein Stück zu sehen, mir Erholung und Entspannung zu bescheren. Hier ist es unkonventionell, aber freundlich und man weiß selten, was einen genau erwartet. Wird es musisch, beschwingt, absurd oder ernst? Mit der neuen Halle hat das Theater K eine imposante Spielstätte dazubekommen, genauso sehenswert ist ein Stück aber auch, wenn sie bei ihren Nachbarn im Atelier Pasch spielen, den Innenhof benutzen oder zu Gast im Suermondt-Ludwig-Museum sind. \ Die Häuser in Aachen (oben: Theater Aachen) konnten endlich wieder ihre Türen öffnen. Doch nach Corona ist nicht vor Corona. Jetzt heißt es: Leute, kommt wieder in die Theater, es lohnt sich! Foto: Kira Wirtz

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