KLENKES - Januar 2023

18 Januar 2023 Nein, ein Kinderstück wird das hier nicht werden. Eher einemoritatenhafte Musicalwelt, angesiedelt irgendwo zwischen Zirkus und Gothic-Horror. „EineRevue oder einLiederabend trifft es eher als einMusical. Dafür ist das Stück viel zu akustisch“, räumt von Treskow ein. Und es sei poetisch. Eine Gossenpoesie gepaart mit Punk ohne elektrische Gitarre. Die fünfköpfige Band unter Leitung von Malcolm Kemp, die man schon aus der „Lazarus“-Inszenierung kennt, spielt alle Stücke live, die Schauspieler singen. In Englisch, mit deutschemUntertitel. Die Geschichte bezieht sich nur am Rande auf die Kinderbuchvorlage des Psychiaters Dr. Heinrich Hoffmann. Dennoch geht es umKinder, die allesamt rebelliert, gezündelt und gezankt haben.Motive aus dem„Struwwelpeter“ verarbeiteten Julian Crouch und Phelim McDermott in den 90ern zur sogenannten JunkOper. DieMusik komponierteMartyn Jacques, Gründer der Londoner Kultband „The Tiger Lillies“. Und den Stoff schnappte sich jetzt von Treskow, um seine Version der kleinen Systemsprenger, die fröhlich ihre Suppe nicht essen, amDaumen lutschen und auf Stühlen zappeln dürfen, zu inszenieren. Denn: „Alle Kinder sind schon tot und kehren auf die Bühne zurück, um uns von ihrem Tod zu berichten. Es ist so grotesk was da passiert, dass man lachen muss“, erklärt der Regisseur. Man könne auch nicht wegschauen, wie bei einem Unfall. Und schwarzer Humor sei noch Mal ein besonderer. „Man lacht, wenn man etwas nicht erwartet. Und genau das wird in „Shockheaded Peter“ geschehen“, prophezeit von Treskow. Und endet bei Hoffmann somanche brutale Geschichte nicht tödlich, überlebt in der Junk-Oper niemand. Hier trifft 150 Jahre alte und veraltete Pädagogik auf britischen Humor. „Das Stück macht Lust auf ein bisschenGruseln. Aber auch das Verständnis am Freigeist der Kinder. Das Makabre daran ist die Faszination am Untergang genau derer.“ Die Inszenierungwird passend zuMusik und Inhalt ein Mix aus poppig-bunt und schwarzweiß, aus Ballade undRock Song. TommyWiesner führt in seiner Rolle als „Shockheaded Peter“ wie ein Conférencier durch den Abend, macht das Stück dadurch noch mehr zu einer Revue. Die anderenDarsteller schlüpfen in unterschiedliche Rollen, sindmalMini-Anarchos, dann Skelette, Fische, Hunde oder Katzen. „Es wird krude. Aber nie ernst gemeint!“ Christian von Treskow ist als Regisseur seit vielen Jahren dem Theater Aachen verbunden, inszenierte dort unter anderem „Der Prozess“, „Warten auf Godot“, „Die Physiker“ oder „Lazarus“. Immer wieder verlangte er seinen Schauspielern einiges ab, erntet dafür aber auch jede Menge Applaus. Mit der Junk-Oper verabschiedet er sich beim Intendanten Michael Schmitz-Aufterbeck undChefdramaturgin Inge Zeppenfeld, die ihn in den letzten Jahren immer wieder ans Haus holten. Und dafür wird jetzt nochmal alles gegeben: bunt, schrill, poetisch, grotesk. „Würden wir „Shockheaded Peter“ nicht am Theater Aachen machen, würde ich sagen, ist das Stoff für eine Tim Burton Verfilmung.“ Tja, TimBurton, Pech gehabt. Da war das Theater Aachen schneller. Aber wenn Sie Tipps brauchen, können Sie sicherlich bei Christian von Treskow anrufen. \ 14.+20.1. „Shockheaded Peter“ 19.30 Uhr, Bühne, Theater Aachen ↗theateraachen.de Tommy Wiesner (oben) als moderne Version des Struwwelpeters inszeniert von Christian von Treskow (rechts) am Theater Aachen. Tot, aber komisch „Der Struwwelpeter“ ist eines der erfolgreichsten Kinderbücher. Es wurde nicht nur in zahlreiche Sprachen übesetzt, sondern auch zigfach interpretiert. Besonders unterhaltsam ist die britische Bühnenadaption „Shockheaded Peter“. Christian von Treskow inszeniert diese am Theater Aachen und setzt auf grotesken Humor. Von Kira Wirtz Motiv: Marie-Luise Manthei/ddt2w Inszenierung Christian von Treskow Musikalische Leitung Malcolm Kemp Dramaturgie Reinar Ortmann Shockheaded Peter/ Conferencier Tommy Wiesner Conrad u.a. Bettina Scheuritzel Frederick u.a. Benedikt Voellmy Harriet/Robert u.a. Tina Schorcht Alexander Wanat Jäger/ Johnny u.a. Alexander Wanat Bully Boys/Fidgety Phil u.a. Philipp Manuel Rothkopf Augustus u.a. Elke Borkenstein \ AM RANDE Würden wir „Shockheaded Peter“ nicht am Theater Aachen machen, würde ich sagen, ist das Stoff für eine Tim Burton Verfilmung. Christian von Treskow bühne Foto: Dorien Thomsen

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