KLENKES - Januar 2023

film 16 Januar 2023 HEIMKINO Vier Jahre nachdem sich Michael Myers in „Halloween“ und „Halloween Kills“ erneut durch Haddon(eld gemeuchelt hat, fehlt von ihm jede Spur. Dafür hat die Kleinstadt in Außenseiter Corey eine neue Hass(gur gefunden – und plötzlich geht das Morden wieder los. Im(nalen Teil der Reboot-Trilogie wird es erst einmal küchenpsychologisch, bevor zum hoffentlich wirklich letzten Mal die Spannungsschraube angezogen wird. \ „Halloween Ends“ USA 2022 // R: David Gordon Green Universal Pictures Die Bewohner des westafrikanischen Königreichs Dahomey werden 1823 immer wieder von ihren Besatzern, den Oyo, drangsaliert und in die Sklaverei an die Weißen verkauft – bis es Generalin Nancisca (Viola Davis) zu viel wird und sie und ihre Kriegerinnen zum Befreiungsschlag ausholen. Das feministische Historien-Actiondrama basiert auf Tatsachen, die auch schon Marvels „Black Panther“ inspirierten. \ „The Woman King“ USA 2022 // R: Gina PrinceBythewood Sony Pictures Seit eine Patientin sich vor ihren Augen umgebracht hat, plagen die Psychiaterin Dr. Rose Cotter (richtig gut: Sosie Bacon) die gleichen Schreckensvisionen mit grinsenden Gestalten, an denen schon das Suizidopfer litt. Driftet auch Rose in den Wahnsinn oder steckt etwas anderes hinter alledem? Der Horror(lm setzt zwar auch auf gelegentliche Jumpscares, überzeugt aber vor allem durch seine psychologische Komponente. \ „Smile – Siehst du es auch?“ USA 2022 // R: Parker Finn Paramount Pictures Die renommierte Kopenhagener Psychologin Susanne Hartmann empfängt kurz vor Feierabend einen neuen Patienten. Der entpuppt sich schnell als der Frauenmörder, der seit einer Weile halb Skandinavien in Angst und Schrecken versetzt – und stellt Susanne ein Ultimatum, um ihn im Gespräch zu heilen. Das Beinahe-Kammerspiel ist ein düsterer, typisch nordischer Psychothriller, der mit mehreren Twists überrascht. \ „Das letzte Opfer“ DK 2022 // R: Anders Rønnow Klarlund Plaion Pictures Realer Horror „Holy Spider“ F/S/DK/D 2022 // R: Ali Abbasi Start: 12.1. | 119 Minuten | FSK 16 Nacht für Nacht tötet Saeed Azimi (Mehdi Bajestani) Prostituierte, die er von den Straßen im iranischen Maschhad mit zu sich nach Hause nimmt. Er sieht sich als Propheten Allahs, gesandt, um die heilige Stadt zu reinigen. Als die junge Kriminalreporterin Arezoo Rahimi (Zar Amir-Ebrahimi) unter Einsatz ihres eigenen Lebens Nachforschungen anstellt, stößt sie auf eineMauer des Schweigens, auf Verachtung und Missgunst. Drastisch und brutal schildert Regisseur Ali Abbasi („Border“) den auf wahren Begebenheiten basierenden Fall. Während die Taten des Serienmörders schockieren, ist dieHilflosigkeit, mit der die Journalistin den patriarchalischen Strukturen gegenübersteht, der ganz alltäglicheHorror. „Holy Spider“ geht tief unter die Haut und ist nichts für Zartbesaitete. Die Realität für viele Frauen im Iran ist aber wohl noch wesentlich grausamer. \ Lars Tunçay Thrillerdrama Foto: Alamode Film Ernüchternd „In der Nacht des 12.“ F/B 2022 // R: Dominik Moll Start: 12.1. | 114 Minuten | FSK 16 Es ist eine schöne Herbstnacht, in der Clara von einem fröhlichen Partyabend nach Hause geht und plötzlich von einem Unbekannten mit Benzin bespritzt und angezündet wird. Die Kommissare Yohan (Bastien Bouillon) undMarceau (Bouli Lanners) können tags darauf nur noch ihre verkohlte Leiche bergen und bemühen sich in den folgenden Wochen darum, den Fall aufzuklären. Doch jemehr Zeit verstreicht, desto aussichtsloser wird es, den Mörder zufinden. Regisseur Dominik Moll schildert die von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte vor allem als engagierte Ermittlungsarbeit, Kampf gegen bürokratische Windmühlen und ernüchternde Abbildung einer Welt, in der manch schreckliche Tat einfach ungesühnt bleibt. Dass Letzteres auch hier der Fall sein wird, verraten dem Publikum gleich zu Beginn einige Texteinblendungen, was Spannung und Dramatik aber keinen Abbruch tut. \ Peter Hoch Krimidrama Foto: Fanny de Gouville/Ascot Elite Entertainment Zu nah „Close“ 2019 // R: Lukas Dhont Start: 26.1. | 104 Minuten | FSK 12 Die 13-jährigen Jungen Leo (Eden Dambrine) und Remi (Gustav de Waele) sind so eng miteinander befreundet, dass dieMädchen in ihrer neuen Klasse sie irgendwann fragen, ob sie zusammen sind. Während die beiden bis zu diesem Moment fast alles gemeinsam unternommen haben, distanziert sich Léo fortan immer stärker von Remi und beginnt damit, sich betont maskulin zu geben, mit tragischen Folgen. Lukas Dhont zeichnet im Nachfolger seines starken Transgenderdramas „Girl“ mit viel Einfühlungsvermögen das Porträt einer ungewöhnlichen Beziehung, die sozialem Druck nicht gewachsen ist. Der belgische Regisseur setzt seine Mittel wohldosiert ein und zeigt Trauer, Schmerz und Einsamkeit in noch kindlich unschuldiger Form. Dabei vermeidet er grobe Gefühlsmomente, wodurch die genau beobachteten emotionalen Regungen der Protagonisten umso eindrucksvoller wirken. Günter H. Jekubzik Jugenddrama Foto: Pandora Film Dunkle Gedanken „The Son“ USA/F/GB 2022 // R: Florian Zeller Start: 26.1. | 123 Minuten | FSK noch offen Scheidungskind Nicholas will nicht mehr bei seiner Mutter wohnen und beschließt, bei seinem Vater und dessen Lebensgefährtin einzuziehen. Doch der 17-Jährige wird von immer schwerer verlaufenden Depressionen geplagt. Für die Adaption seines eigenen Demenz-Bühnenstücks „The Father“ erhielt Florian Zeller 2021 einen Drehbuch-Oscar, während Anthony Hopkins als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. Im Nachfolgewerk des Regisseurs und Dramatikers zumThema „Depressionen“ holen auch Stars wie Hugh Jackman und Laura Dern nun wieder alles aus ihren Figuren heraus. Die Handlung selbst verläuft ohne die formalenKniffe des Vorgängers jedoch zu klassisch, umaus derMasse ähnlicher Filme herauszuragen. Auf Zellers eventuell noch kommende Adaption „The Mother“, den ersten Teil seiner Quasi-Familien-Trilogie, wäre man dennoch gespannt. Peter Hoch Familiendrama Foto: Leonine

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