Klenkes - November 2022

SEZIERENDERBLICK NACHDENKLICH STIMMUNGSKUNST „Ich, Wunderwerk und How much I love disturbing content“ in der Kammer Neues Album. Die Aachener Band Fjørt im Gespräch. Das Ludwig Forum für Internationale Kunst zeigt Kunst von Belkis Ayon G1657E November 2022 48. Jahrgang kostenlos ↗klenkes.de 11 Mehr Termine. Mehr Kultur. Sonderthema Shoppen & Schenken ab Seite 27 PHILOSOPHY IN THE STREETS 3 Veranstaltungen. 3 Orte. 3 Kultur-Performances. 6 spannende Gäste. Jede Menge gesellschaftspolitische Themen, die unter die Haut gehen. LOGOI präsentiert:

Theater Heerlen Tickets: www.daskartenhaus.de inkl. Bus-Transfer AC-Heerlen-ACbuchbar! Abfahrt amEurogress 1 Std. vor Beginn Wir schaffen Erlebnisse. Eliades Ochoa Star of Buena Vista Social Club Donnerstag, 3. November, 20:00 Uhr Dulce Pontes Sonntag, 13. November, 20:00 Uhr (OHNE Option Bustransfer aus Aachen) Verdi La Traviata Dienstag, 15. November, 20:00 Uhr NDT1 Celebrating an evening with Jiří Kylián Mittwoch, 23. November, 20:00 Uhr (OHNE Option Bustransfer aus Aachen) International Symphony Orchestra The StarWars Suite Sonntag, 4. Dezember, 15:00 Uhr Rhythmof the Dance Christmas show Dienstag, 13. Dezember, 20:00 Uhr

inhalt 3 Fotos: oben links: Andreas Schmitter, oben rechts: Sophia Roßberg, unten links: Pandora Film, unten Mitte: Marie-Luise Manthei, unten rechts: Alina Hasky 6magazin 16film 11musik 27spezial 19bühne Liebe Leserinnen und Leser, ich habe ein bisschen Geld von meiner Oma geerbt. Und ich rede da nicht von einem Sparbuch oder Immobilien, sondern von alten Geldscheinen. Reichsmark von 1922/23 um genauer zu sein. Fast hundert Jahre alt, aber sowohl heute als damals nichts wert. Der tausend Reichsmarkschein überstempelt mit 1 Millionen Reichsmark. Als meine Oma mir ihre alte Sammlung an Zeitzeugnissen das erste Mal zeigte, wahrscheinlich so 1990, dachte ich: „Boah, ist die Oma mal reich gewesen.“ Als ich die Scheine nach ihrem Tod, 2004, an mich nahm, dachte ich: „Was hat diese Frau alles erlebt? Und wie schlimmmuss es für sie gewesen sein, zwei Kriege zu ertragen, eine Inflation mitzuerleben und als Alleinerziehende ohne Ausbildung in den 50er und 60er Jahren eine fünfköpfige Familie durchzubringen?“ Wenn ich in der heutigen Zeit mal so richtig mies drauf bin und mir Gedanken mache, wie ich Energie sparen, ansteigende Mieten bewältigen kann oder mich beschwere, dass das Leben einfach zu anstrengend ist, nehme ich mir die Scheine und denke an die Frau, die sie mir gegeben hat. Denn: Von Oma habe ich viel gelernt, was mehr wert ist als Geld. Dem Gegenüber ein Lächeln zu schenken zum Beispiel, oder dass Zeit wertvoll ist, dass gemeinsame Erinnerungen nicht mit Geld zu bezahlen sind. Jammern tut manchmal gut, ist aber keine Lösung, sondern nur ein Symptom. Klingt nach Küchenpsychologie? Ja, ist es vielleicht auch, aber mir hilft es. Und wenn jetzt die Vorweihnachtszeit anbricht und wir anfangen, uns Gedanken über teure Geschenke zu machen, lohnt sich vielleicht ein Blick auf die Zeit, die wir zu verschenken haben. Zeit, um gemeinsam etwas zu erleben, Zeit, um gemeinsam etwas zu bewirken. Und das ist mehr wert als 1 Millionen Euro, Reichsmark oder was auch immer. \ magazin 4 was war – Klenkes-Rückblick 6 Titel: „Philosophy in the streets“ Neue Veranstaltungsreihe des Aachener Instituts für Philosophie und Diskurs Logoi gastro 8 Hommage ans Viertel Max Stenten eröffnet einen neuen Supermarkt im Frankenberger Viertel musik 11 Tiefgründig Fjørt hat ein neues Album – mit fetten Riffs und gedankenvollen Texten. Ein Gespräch 12 Krautrock-Legenden Guru Guru spielen ein Konzert im Musikbunker – der dritte Versuch nach Corona film 16 Ausnahmezustand Drama „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von HansChristian Schmids 17 Neuheiten „Menschliche Dinge“, „Crimes of the Future“, „Emily“ und andere bühne 19 Junges Theaterstück „Ich, Wunderwerk und How Much I love Disturbing Content“ in der Kammer kunst 21 Belkis Ayón Das Ludwig Forum präsentiert eine Werkübersicht der kubanischen Künstlerin 23 Fotografie In Monschau sind Aufnahmen von Katharina John zu sehen literatur 26 Sprach-Panoptikum Experimentelle Autobiografie: der Roman „Trottel“ von Jan Faktor spezial: shoppen & schenken 27 Bewusst fair Bei Ikigo Studios gibt es nachhaltige und fair produzierte Mode mit besonderem Konzept 29 Lokale Helden Neuer Sand für die Kita Rokoko, wertvoller Taler, Gemeinwohl und diffuse Kreativität terminkalender 36 Klenkes-Highlights 38 Termine und Tipps für November Inhalt Klenkes – Stadtmagazin für Aachen und die Euregio 47. Jahrgang Tel. +49(0)241/5101-611 Fax +49(0)241/5101-629 (Redaktion) ↗klenkes.de E-Mail: info-klenkes@ medienhausaachen.de Verlag Medienhaus Aachen GmbH Dresdener Straße 3 52068 Aachen ↗medienhausaachen.de Geschäftsführung Andreas Müller Redaktion Thomas Thelen Chief Content Officer (verantwortlich für den Inhalt i.S.d. § 8 Abs. 2 Landespressegesetz NRW) Kira Wirtz Chefredaktion Anzeigen Jürgen Carduck Leiter Werbemarkt (verantwortlich für Anzeigen i.S.d. § 8 Abs. 2 Landespressegesetz NRW) Druck Weiss-Druck GmbH & Co. KG Hans-Georg-Weiss-Str. 7 52156 Monschau Der Klenkes wird gedruckt auf Bilderdruck-Recyclingpapier. IMPRESSUM Foto: ChristinaRinkens

magazin 4 November 2022 1 Seit wann wachsen Auberginen mitten in Aachen? Die „Essbare Innenstadt“ hat’s möglich gemacht: Vom Frühjahr bis in den Herbst wuchsen Gemüsepflanzen, Kräuter und Blümchen in der Annahalle, die auch für zahlreiche Workshops und Veranstaltungen genutzt wurde. Dank fruchtbarer Kooperationen unter anderem mit ACademie für kollaborative Stadtentwicklung, archigraphus und dem Institut für die Europäische Stadt. Es soll nächstes Jahr weitergehen – anders, aber genauso engagiert und kommunikativ. See you in 2023 … \ bep 2 Kultur im Dreierpack – gleich drei tolle Ausstellungseröffnungen an einemWochenende imOktober. Die kubanische Künstglerin Belkis Ayón „Ya Estamos Aquí“ imLudwig Forum,Max Beckmann und seine „Loge im Welttheater“ im Suermondt-Ludwig-Museum, übrigens mit stilechtem 20er Jahre-Auftritt des Theater K-Ensembles und Bert Löwenherz mit „Die Augen der Frida Kahlo“ imCouven Museum, einer spannenden Symbiose aus aufwändig inszenierten Porträtfotos und Rokoko-Interieur. Und dann gab es noch „Berlin – Venedig – Monschau. Illusionen“, Bilder und Texte vonKatharina John undUlrich Tukur imFotografie-Forum in Monschau. Der „to see“-Zettel für die nächsten Museumsbesuche steht jedenfalls. \ bep 3 Daniel Pongratz alias Danger Dan, eigentlichRapper bei der AntilopenGang, stellte sein Klavieralbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ an drei aufeinanderfolgenden Abenden live in der Stadt vor: zweimal im Theater Aachen, dazwischen im Autonomen Zentrum. Aber nicht nur die Songs von der aktuellen Platte gab es zu hören, auch ältere Solonummern, Punkcover und mit „Meine Freiheit, deine Freiheit“ ein Stück von Georg Kreisler wurden gespielt. Bei letzteremüberließDanger Dan demStreichquartett um Jonathan Heck die Bühne. BeimPublikumund bei Pongratz selbst hinterließ der Konzert-Dreierpack Eindruck: „Aachen, das war wirklich ein besonderesWochenende!“, schrieb er bei Facebook. \ tim 4 Bei wirklich allerbestemHerbstwetter zog der „Altstadtflohmarkt“ am16. Oktober unglaublich viele Besucher an. An den Ständen nach Kuriosem oder Nützlichem zu suchen, war fast unmöglich, wurde man bei kurzem Stehenbleiben entweder von der Masse weitergeschoben oder von anderen Besuchern unfreundlich angeraunzt. Auch das Ausweichen in eines der Cafés in der Innenstadt gestaltete sich dann als schwierig, da die Plätze auf den Terrassen von Sonnenhungrigen belegt waren. \ kw 5 Am 15. Oktober fand in Aachen im Rahmen der weltweiten Kampagne #DefendingUkraine eineDemonstrationmit rund 300 Teilnehmern statt. AmMarkt sprach eine Kriegsgeflüchtete sowie ein ukrainischer Soldat, der sich zurzeit zur Behandlung amLuisenhospital befindet. Auf denKnienwurde an dieGefallenen gedacht und ein „Circle of Defense“ als Symbol für Freiheit und Demokratie aufgestellt. \ red 6 1991 hat die Aachener SomebodyWrong Bluesband die „Bluesnacht“ im Jakobshof – damals eher eigentlich als Experiment – aus der Taufe gehoben. Gemeinsam mit der Band The Xperience wurde am 21. Oktober im Franz die 30. Ausgabe gefeiert. \ rm 7 Bei der Nacht der offenenKirchenwurde ein vielfältiges Programmgeboten – von still bis stimmgewaltig. Auch für Agnostiker eine schöneGelegenheit, die unterschiedlichen Kirchenbauten in ihrer eigenen (Architektur-)Mystik zwischen karolingischen Mauern und Sichtbeton zu erkunden. \ bep 8 Mit der offiziellen Eröffnung des Meffé, der Raumeinheit #3 Viertelcafé, wurde das Meffi.s-Projekt in der Mefferdatisstraße 14-16 wieder ein bisschen kompletter. Damit zeigt sich das TransformationszentrumamAachener Büchel, neben seinen grünen, gelben und violetten Räumen nun auch in smartem Orange. Ganz schön bunt – und ganz schön cool für Aachen. \ bep Foto: Belinda Petri Foto: Belinda Petri Foto: Kira Wirtz Foto: Ukrainer in Aachen Foto: Belinda Petri Foto: Richard Mariaux Foto: Belinda Petri Foto: Tim Griese 5 7 7 6 1 2 3 4

WIRFÜRAACHEN.DE Wie der Morgennebel in den Schottischen Highlands steht nach einer ausgiebigen heißen Dusche der Wasserdampf zwischen Toilette und Waschbecken. Am Spiegel bilden sich kleine Wasserperlen und man kann mit dem Finger Liebesbotschaften an sich selbst hineinschreiben. Auf dieses Schauspiel wollen Sie verzichten? Wladimir P. gefällt das nicht. Wer Energie spart, betreibt Klimaschutz. Wer das Klima schützt, hilft mit, dass sich Stadt und Umwelt auch noch allen Öchern, die nach uns kommen, von ihrer schönsten Seite zeigen. Wir bekommen weniger Geld von Ihnen. Sie haben mehr Geld, das Sie für potentiell ungesunde Dinge wie Rotwein, gutes Essen oder Extremsport ausgeben können. Das Einschalten eines TV-Geräts, das nicht im Standby ist, dauert ca. 30 Sekunden länger. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie wachen mitten in der Nacht auf und merken, dass Sie ganz dringend fernsehen müssen – und dann dauert das so lange! 6 GRÜNDE, WARUM ENERGIESPAREN KEINE GUTE IDEE IST. Moment mal … Nummer 6 war doch gar kein Gegenargument? Und Nummer 1 bis 5 auch nicht so richtig? Wie Sie meinen. So oder so haben wir unter stawag.de/energiefrageninsgesamt 44 Spartipps für Haushalte zusammengestellt. Schauen Sie doch mal rein, vielleicht sind ja auch ein paar für Sie dabei! Alle reden vom Energiesparen. Wir auch. Da Sie aber bestimmt eh schon wissen, warum Sparen sinnvoll ist, möchten wir Ihnen an dieser Stelle und zur Abwechslung mal ein paar potentielle Gegenargumente nennen.

6 November 2022 Pandemie, Krieg, Inflation, Erderwärmung: Die Krisen dieser Zeit kommen geballt daher, sie sind bedrückend und sie werfen Fragen auf. Große, existenzielle Fragen, solche, die alle betreffen und nach umfassender Ausleuchtung und ausführlicher Besprechung verlangen. Gleichzeitig ist die Handlungsnot groß. Krisen benötigen schließlich Menschen, die etwas unternehmen, um sie einzudämmen. Mit der neuen Veranstaltungsreihe „Philosophy in the streets“ nimmt das Aachener Institut für Philosophie undDiskurs Logoi beides indenBlick und bringt Nachdenkende und Entscheidungstragende zusammen. „Wir möchten die Philosophie aus dem akademischen Rahmen herausholen“, sagt Institutsleiter Jürgen Kippenhan über das Projekt. Die einzelnen Veranstaltungen fänden deshalb an öffentlichenOrten statt, Eintrittskosten gebe es nicht. AuchMitarbeiterin Susanne Vaaßen betont: „Wir wollen alle ansprechen: Akademiker und Nichtakademiker.“ Gelingen soll das mit drei Veranstaltungen, die ähnlich konzipiert sind, jeweils aus drei Komponenten bestehen und vonKippenhanmoderiert werden, wie Vaaßen erläutert. Jedes Mal trifft eine philosophische auf eine politische Stimme, zusätzlich gibt es Kulturbeiträge. Das Projekt wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Den Anfang machen am 12. November um 15 Uhr in den Logoi-Räumen an der Jakobstraße in Aachen die SchriftstellerinNora Bossong und Monschaus Bürgermeisterin und promovierte Philosophin Carmen Krämer. Die beiden sprechen über den „neuen Ernst des Lebens“, wie es in der Ankündigung heißt. Wie schlagen sichMenschen, die umdie 40 Jahre alt sind, mit denHerausforderungen dieser besonderen Zeit? Welche Verantwortung trägt diese Generation? Dazu ist eine szenische Lesung der Schauspielerin Mona Creutzer aus Nora Bossongs Büchern „Auch morgen“ und „Die Geschmeidigen“ geplant. Weiter geht es am 25. November um 19 Uhr in der Mulde im Ludwig Forum an der Jülicher Straße. Dort sind Oxana Matiychuk und Patrick Föhl zu Gast. Sie ist Literaturwissenschaftlerin und Verfasserin des „Ukrainische Tagebuches“ in der Süddeutschen Zeitung. Außerdem leitet sie den ukrainisch-deutschen Kulturverein Tscherniwzi. Er ist Kulturentwicklungsplaner undGründer des Netzwerks Kulturberatung. Zur Unterstützung von ukrainischen Kunstschaffenden realisiert er in Zusammenarbeit mit demGoethe-Institut Ukraine das „Cultural Transformation Lab“.Matiychuk und Föhl sprechen über die kulturelle Identität und Zukunft Europas, mögliche Gründe und Folgen des Ost-West-Konfliktes sowie die Rolle von Kultur. Den kulturellen Beitrag liefert die Theaterschule Aachen mit einer Lesung aus dem „Ukrainischen Tagebuch“ unter der Leitung der ukrainischen Schauspielerin und Theaterdozentin Ievgeniia Ivanova. Den Schlusspunkt setzenAachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen und der Aachener Philosoph, Autor und Journalist Gert Scobel am1. Dezember imPop-up-Campus an der Theaterstraße in Aachen. Es geht um gesellschaftliche Wandlungs- und städtische Transformationsprozesse, den öffentlichen Raum als Begegnungsort für gesellschaftlichen Austausch, demokratische Partizipation und die Verantwortung der Politik. Der Verein CulturBazar inszeniert in Zusammenarbeit mit dem Chor cantoAmore die Vorstellung „Antigone“ undwill damit denZwiespalt desMenschen als Individuum und als Mitglied der Gesellschaft thematisieren. Ein Institut, einMuseumund ein Pop-up-Campus: Wörtlich lässt sich „Philosophy in the streets“ nicht nehmen. Das ist den Veranstaltenden bewusst. Es gebe jedochÜberlegungen, die kommenden Reihen tatsächlich auf die Straße zu bringen, sagt Logoi-Mitarbeiterin Ines Finkeldei. \ Logoi Institut für Philosophie und Diskurs Jakobstraße 25a ↗logoi.de Organisieren die Veranstaltungsreihe: Susanne Vaaßen (links), Jürgen Kippenhan und Ines Finkeldei. Das Logoi ist ein privates und unabhängiges Institut für Philosophie und Diskurs, das 2009 von Jürgen Kippenhan gegründet wurde. Das Ziel ist, Räume für Diskussionen über existenzielle Fragen zu öffnen. Dazu bietet das Logoi regelmäßig unter anderem Lesungen, Seminare, Gesprächsrunden und Ausstellungen an. \ AM RANDE Wir möchten die Philosophie aus dem akademischen Rahmen herausholen Jürgen Kippenhan magazin Philosophie für alle Mit einer neuen Veranstaltungsreihe möchte das „Logoi“ einen möglichst breiten öffentlichen Diskurs anregen und sich den großen und drängenden Fragen dieser Zeit widmen. Von Kian Tabatabaei Foto: Kian Tabatabaei

magazin 7 Seit 2003 findet jährlich am zweiten Freitag im November die RWTH-Wissenschaftsnacht „5 vor 12“ statt. Wissenschaft für alle Generationen auf unterhaltsame Art verständlich und greifbar zu machen, ist das Ziel. Zwischen 19 Uhr und Mitternacht gibt es daher wieder Wissenschaft zum Anfassen für alle Generationen. Bedeutet: Wissenschaft wird verständlich erklärt und dadurch für alle Interessierten greifbar gemacht. Vor allem auch durch die Auflockerung durch Musik, Kunst und Kultur. Dass das auf breites Interesse unter denAachenern stößt, beweisen die Besucherzahlen, die in den letzten fast 20 Jahren auf rund 6.000 gewachsen sind. In zahlreichen Vorträgen, an Experimentierstationen und Exponat-Ständen sammeln sich die Zuschauer und lassen sich wissenschaftliche Themen erklären. Das Spektrum reicht dabei von der Beantwortung von Alltagsfragen ebenso wie elitäre Spitzenforschung. Der Eintritt zur gesamten Veranstaltung, die im Hörsaalzentrum C.A.R.L., im Audimax, im Bergbaugebäude, im Institut der Luft- und Raumfahrt und dem Institut für Bildsame Formgebung stattfindet, ist kostenlos. Vorwissen ist natürlich nicht erforderlich. Den Wissensbooster bekommt man also gratis obendrauf. Das lohnt sich doch! \ kw 11.11. „5 vor 12“ – die RWTHWissenschaftsnacht 19-24 Uhr, diverse Orte ↗rwth-aachen.de event Uni für alle Wissenschaft in ungewöhnlicher Form zu ungewöhnlicher Zeit präsentieren – diese Idee steckt hinter „5 vor 12“ – die RWTHWissenschaftsnacht. Fotos: Andreas Schmitter ausstellung Laut und wichtig Vom Überlebensmodus in die Sichtbarkeit: Die Fotografin Rosa Engel zeigt wütende Frauen. Wut wird gemeinhin als eine heftige Emotion beziehungsweise impulsivaggressive Reaktion auf eine als unangenehm oder ungerecht empfundene Situation definiert. Die Fotografin Rosa Engel hat für ihr Ausstellungs- und Buchprojekt „Die Wut ist weiblich“ wütende Frauen porträtiert – Frauen, die schreien, sich dieHaare raufen, die Fäuste ballenund ihre Zähne zeigen. Diese Porträts sind kraftvoll, energetisch und befreiend – und absolut authentisch. Im Sommer 2020 entstand aus ihrer persönlichen Lebensgeschichte heraus die Idee, die Emotion Wut bei Frauen zu erkunden und sie sichtbar zu machen. Denn im Gegensatz zu Männern gilt Wut bei Frauen oft nicht als dynamische Energie, sondernwird vielenMädchen bereits in der Kindheit „aberzogen“. Wütende Frauen werden als in einer Welt der Äußerlichkeiten, in der weibliche Schönheit, Sanftheit undAngepasstheit als normativ gelten, als hässlich tituliert und nicht ernst genommen. DenKommentar „Bist Du jetzt wütend? Das ist ja süß.“ haben sicher schon viele Frauen gehört. Und wo ist das männliche Äquivalent zur vermeintlichen „Dramaqueen“, gibt es auch einen „Dramaking“? Für Rosa Engel bedeutet Wut zu fühlen aber nicht, die Wut durch Aggression auszuleben, sondern achtsam mit sich zu sein und für sich selbst einzustehen. DieWut solle neutral betrachtet werden, wie alle anderenGefühle auch, dennWut zeige an, dass die Situation nicht okay sei, dass hier ein Unrecht geschehe und die Situation verändert werdenmüsse. Das Thema trifft denNerv der Zeit, Feminismus ist wieder einThema und klassische Rollenbilder werden hinterfragt. „Unsere Wut ist kein Monster. Unsere Wut ist ein treuer Wachhund. Zuverlässig bellt sie, wenn jemand unsere Grenzen missachtet oder uns ein Leid zufügt. Sie will uns beschützen“, so Rosa Engel in ihremBuch. Ihre starken Fotos von ebenso starken, wütenden, mutigen und lauten Frauen werden von Texten ergänzt, in denen Frauen, die in ihrem Beruf als psychologische Beraterin, Elternberaterin mit Schwerpunkt Wut und Gründerin einer Anlaufstelle fürMenschen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen oder bedroht sind, immer wieder mit den Folgen unterdrückter weiblicher Wut zu tun haben. Für die in Würselen lebende Fotografin, die sich vor allem mit sensiblen Hochzeits- und Porträtfotos einen Namen gemacht hat, sollte weibliche Wut endlich vom Stigma der Hässlichkeit – und Scham– befreit werden. In einer alsWanderausstellung konzipierten Schau werden 28 großformatige Porträts von Frauen vorgestellt, die der weiblichen Wut ein Gesicht geben. Absolut sehenswert! \ bep 14.-25.11. Eröffnung: 14.11., 17 Uhr durch Dr. Tim Grüttemeier „Die Wut ist weiblich“ Haus der Städteregion ↗rosaengel.de ↗wutistweiblich.rosaengel.de Ausstellung im Haus der Städteregion Wissenschaft verständlich gemacht für jeden: „5 vor 12“. Foto: www.rosaengel.de

8 November 2022 Auf dem ehemaligen Vegla-Gelände entstand imNeubauprojekt „Viktoria“ neben 200 Wohnungen, Büround Praxiseinheiten und einer Kindertagesstätte auch ein Drogerie-Markt. Ende September eröffnete dannder lang ersehnte Rewe-Markt unter der Leitung von Max Stenten. „Es gab einige Bauverzögerungen in der Tiefgarage durch das Hochwasser im letzten Jahr, aber insgesamt hat alles reibungslos funktioniert, und die rund 30Gewerke haben allesamt einen guten Job gemacht“, fasst Stenten das ambitionierte Projekt zusammen. Wo Ende Juli nur in Zellophan eingepackte Lampen im leeren Raum hingen, hat sich inzwischen eine atmosphärische Einkaufslandschaft entwickelt, mit gut ausgeleuchtetenRegalen und ausreichend Platz. Alles ist durchdacht, nichts dem Zufall überlassen: An den Kopfseiten der Regale werden regionale Waren und hochwertige Bio-Produkte sowie Aktionsartikel präsentiert. Mit drei Kassen und sechs „Scan & Go“- Terminals sollten auch Einkaufs-Stoßzeiten bewältigt werden können, insgesamt 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am neuen Standort im Einsatz, darunter auch erfahrene Fachkräfte aus Burtscheid. „Unser Familienbetrieb zeichnet sich durch die verschiedenen Persönlichkeiten und Gesichter aus, das macht unseren Markt so persönlich“, sagt Stenten, der von klein auf mit den Eltern und Großeltern im Laden aktiv war. Als Juniorchef des ReweMarkts Stenten am Krugenofen verfügt er über langjährige Erfahrung, um die Eröffnung eines eigenen Ladens mit 2.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, inklusive einer Eat-Happy-Sushi-Dependance, einer Nobis-Bäckerei mit großzügigem Café, einem Blumenladen sowie einer Sparkassen-Anbindung, einem Lotto-Geschäft mit Aseag-Ticketverkauf und DHL-Paketshop, optimistisch anzugehen. „Wir freuen uns auf das Frankenberger Viertel und das Viertel freut sich hoffentlich auf uns, schließlichmöchtenwir ein neuer Anlaufpunktmit breitemAngebot, mit regionalen Spezialitäten und exklusiven Bio-Artikeln sein.“ Zu den 45 Stellplätzen für Autos in der Tiefgarage kommen auch dort spezielle Parkplätze für Fahrräder. „Für uns ist der Markt eine Hommage an das Viertel“, sagt er und verweist auf die Beschilderung der verschiedenen Abteilungen, die immer Bezug auf das Viertel nimmt.Mehr als 30 regionale Lieferanten, darunter Plum’s Kaffee, das Aachener Landei sowie die Conserverie Moutarderie Belge aus Raeren, sorgen für ein vielfältiges Angebot. „Die Frischtheke für Fleisch, Wurst und Käse wird durch ein bistromäßiges Angebot ergänzt, in dem man auch kleine Leckereienwie gebrateneHähnchenschenkel, Frikadellen oder Antipasti erhaltenwird“, erklärt er, bevor er auf den bereits aus demMarkt amKrugenofen bekanntenMonitor amEierregal verweist, der als „Tierwohl-TV“ direkt aus dem Hühner- und Schweinestall überträgt.Max Stenten sieht seinen Supermarkt als Bereicherung für das Viertel, nicht als Konkurrenz zu den angestammten Geschäften oder demWochenmarkt. DieÖffnungszeiten von 7 bis 22Uhr tragen sicher zu einer Belebung des Viertels bei, für das nächste Jahr sind bereits Veranstaltungen wie Tastings – auch in Kooperationmit der umliegenden Gastronomie und dem Einzelhandel – geplant. Dass fürMax StentenRegionalität nicht nur ein Marketing-Coup ist, zeigt sich, als er eine Flasche Charlemagne-Bier aus demRegal zieht. Bei diesem Bierprojekt haben sich die Brauer von Freigeist Bierkultur, Bahkauv Brew und Maschinenbrauer zusammengetan und gemeinsam ein Starkbier entwickelt. Für solche Projekte und Produkte kann sich Stenten begeistern, bereits im Familienunternehmen am Krugenofen hat er gerade im Getränkebereich das Angebot stetig erweitert, auchwenn die Abteilung mit belgischen Bieren kleiner ausfallen wird als in Burtscheid, wird frischer Wind ins Frankenberger Viertel einziehen. \ Rewe Stenten Bismarckstraße 137 ↗rewe-stenten.de Großes Bild: Max Stenten in seinem neuen Supermarkt im Frankenberger Viertel. Kleines Bild: Innerhalb weniger Wochen wurde der Markt eingerichtet. Hommage ans Viertel Max Stenten eröffnet einen neuen Supermarkt im Frankenberger Viertel – mit Schwerpunkt auf regionalen Spezialitäten und Bio-Artikeln. Von Belinda Petri Fotos: Belinda Petri Von Tante Emma zum Self-Check-Out 1957 – Erster Supermarkt in KölnEhrenfeld 1961 – Erste AldiDiscounter im Ruhrgebiet 1963 – Erster Hypermarkt der Welt in Frankreich – Motto: „Alles unter einem Dach“ 2005 – Erste SelfCheckout-System bei Coop in der Schweiz. \ RANDNOTIZ Wir freuen uns auf das Frankenberger Viertel und das Viertel freut sich hoffentlich auf uns. Max Stenten gastro

gastro 9 kochbuch Liebe geht durch den Magen 368 Seiten, 440 Rezepte, 2,3 Kilogramm Gewicht – nicht kleckern, sondern klotzen, denn diese Zahlen stehen für das neueste Werk von Detlef Kellermann: Ein opulentes Kochbuch, das der Aachener Künstler zusammen mit seinem „Partner in Crime“ Werner Köhler, Autor und Miterfinder der lit.COLOGNE, verfasst, illustriert und herausgebracht hat. „Satt“, so der Titel – und satt sollte man bei der fulminanten Auswahl an Rezepten wirklich werden. An den wunderschönen Bildern von Detlef Kellermann kann man sich allerdings kaum sattsehen. Die Vorlagen der fotorealistischen Werke – prallrote Tomaten, silbrig glänzender Fisch, blankgescheuerte Töpfe in der Küche oder die mehlbestäubten Hände eines Pizzabäckers – sind als Öl auf Leinwand-Unikate oder als exklusive Kunstdrucke erhältlich. Statt die Füße hochzulegen und sich bei einem Gläschen Wein am Kamin auszuruhen, organisiert Detlef Kellermann am 11. November eine weitere Ausgabe seiner kulinarischen Reihe „Kunst + Köstlich“, die bereits seit 30 Jahren ausgetragen wird. Bei einem exklusiven Menü von Sternekoch Christof Lang und feinen Weinen von Niklas Kudlek werden auch die 130 speziell für das zweite Kochbuch von Kellermann und Köhler gemalten Ölbilder sowie das Kochbuch selbst präsentiert – eine Signierstunde gibt’s inklusive. Dazu bietet sich auch bei der offiziellen Buchpräsentation, „Tauffeier“ undAusstellung am darauffolgenden Tag in der Erholungsgesellschaft Gelegenheit. Damit sollte für alle Foodies undGourmets das ersteWeihnachtsgeschenk klar sein, damit sie sagen können: „Ich bin nicht nur satt, ich habe auch „Satt“. \ bep Satt. Das zweite Kochbuch Detlef Kellermann – Galerie und Atelier Wirichsbongardstraße 24 ↗detlef-kellermann.de Detlef Kellermann mit seinem neuen Kochbuch Foto: Belinda Petri Der Künstler Detlef Kellermann bringt mit Werner Köhler das Kochbuch „Satt“ heraus. neu Von Sushi bis Senf Interessante Gastro-Neueröffnungen in Aachen und Umgebung Starten wir im Frankenberger Viertel, da tut sich gerade einiges: In der Viktoriastraße eröffnete das Mehlwölkchen. Das Backstubencafé bietet Frühstück, Gebäck und griechische Kaffeekultur. Gleich ums Eck ist seit einiger Zeit das Pläsierchen zu finden, dort gibt es – genau wie in der Eilendorfer Dependance – allerlei Leckeres, unter anderem Hochprozentiges von Feinste Brände. Dahinter stecken Johannes Mayer und Dirk Bock, die nach einemRechtsstreit ihre Obstbrändemit Früchten aus eigenen Streuobstwiesen und Single Cask-Whiskys nun unter dem LabelMYR&BCK anbieten. Ebenfalls im „Frankie“ arbeitet Fat Babyan einer Erweiterung. Der ehemalige Kopier- und Schreibwarenladen nebenan – übrigens Keimzelle des Klenkes (seufz …) – wird zum Gastraum umgebaut. Asiatische Küche steht auch in Burtscheid hoch im Kurs: Oraya Thai Cuisinehat dieNachfolge von Birk’s Restaurant angetreten und in der Kapellenstraße wird immer noch die Eröffnung von Kensho Sushi angekündigt. Die beliebten Reisröllchen im Algenblatt werden inzwischen auch unter demNamenSushi HouseimehemaligenTajMahal amBoxgraben angeboten. Nicht ganz neu, aber zumindest neuentdeckt ist dasCoco Chan, ein traditionelles Ramen-Restaurant, „formerly knows as“ Schnitzelhaus Am Kamin, S’tacos etc. Brandneu hingegen ist das Loft Café in der Stiftstraße, das sich besonders für ein feines Frühstück empfiehlt. Auch neu: Il Veganoan der Kreuzung Bismarckstraße/Adalbertsteinweg, denn Serhad Döner ist ein Haus weitergezogen und bietet nun nur noch Fleischloses an. Sollte das Ostviertel, die Hochburg der Grillgerichte, etwa zum neuen Veggie-Hotspot werden?Wir sind gespannt. Genauso wie auf das neue Restaurant in der Monschauer Senfmühle: Michael Wolf und Carsten Nölker wollen mit dem Schnabuleum 2.0 hoch hinaus. Zum Schluss noch ein Blick zu den Nachbarn: In Maastricht zeigt die neu eröffnete FoodChurch, wie’s geht – mit himmlischemBeistand und sündhaft leckerenKleinigkeiten auf demTeller und im Glas. \ bep Mehlwölkchen Bismarckstr. 43 ↗mehlwoelkchen.de Plaisierchen von Coels Str. 171 ↗plaesierchen.com Feinste Brände Franz-Pauly-Straße 21 ↗feinste-braende.de Fat Baby Oppenhoffallee 109 ↗de-de.facebook.com/FatBabyAachen Sushi House Weberstraße 2 ↗tajmahalrestaurant-aachen.de Coco Chan Harscampstraße 2 ↗coco-chan.de Das Loft Café Stiftstraße 39-43 ↗dasloftcafe.de Il Vegano Adalbertsteinweg 238 ↗serhad-doner.business.site Senfmühle Laufenstr. 118, Monschau ↗senfmuehle.de FoodChurch Boschstraat 73 ↗foodchurch.nl Foto: Belinda Petri Blick in die FoodChurch in Maastricht

gastro 10 November 2022 events Von Brot bis Wild Workshops und Tastings im November. Das AfterWork Tasting bei Jacques’ in Aachen-Brand lädt zu einer Weinprobe ein, bei der Weine aus Bordeaux vorgestellt – und natürlich verkostet –werden. ImWeinhaus Lesmeister gibt es ein Einsteigerseminar zu europäischenWeinen. Bei der VHSAachen heißt es unter anderem „Fadi kocht syrisch“. Karin Laschet bietet mit den Ländlichen Gilden einen Brotback-Kurs an, umdie alte Tradition des Hefeteigs wiederzubeleben. Beimgemütlichen Bier-Tasting in Alsdorf werden FrOnk-Biere probiert und von Biersommelier Michael Steinbusch in ihrer Komplexität erklärt. Vormerken sollte man auch Michaels „Käse & Bier-Tasting“ inklusive Käsereiführung im Januar. Apropos Bier: Hopfen und Malz bietet regelmäßig Biertastings an, zusätzlich gibt es einen Braukurs und interessante Tap Takeovers. Der Biersommelier on Tour ChristianKüppers bietet neben diversen Tastings in der Bar zuhause und der Alten Tanzschule auch Bier-Yoga an. Aus dem großen Angebot an Kochkursen empfehlen wir für November den „Wild und Wald Grillkurs“ sowie den „Wintergrillen-Basiskurs“ in Minki’s Kochschule. \ bep 3.11. AfterWork Tasting 19 Uhr, Jacques’, Aachen-Brand ↗jacques.de 4.11. Europa für Einsteiger – Weinprobe 19.30 Uhr, Weinhaus Lesmeister ↗weinhaus-lesmeister.de 5.11. Braukurs 10-16 Uhr, Hopfen + Malz ↗hopfenundmalz.de 7.11. Fadi kocht syrisch 17.45-21.30 Uhr, VHS Aachen ↗vhs-aachen.de 8.+9.11. Brotbackkurs – Hefeteig 19-22 Uhr (8.11.), 10-13 Uhr (9.11.) Naturgenuss Karin Laschet, Kelmis ↗naturgenuss.net 10.11. und 24.11. Biertasting 20-22 Uhr, Alte Tanzschule, Aachen-Eilendorf ↗biersommelier.ac 13.11. Wild und Wald Grillkurs 11-15 Uhr, Minki’s Kochschule 19.11. Wintergrillen-Basiskurs 11-15 Uhr, Minki’s Kochschule ↗minkis-kochschule.de 25.11. FrOnk-Bier Tasting 18.30 Uhr, Biermanufaktur-Langguth, Alsdorf ↗biermanufaktur-langguth.de ↗hopfenkompass.de Mehr Termine auf Ideale Herbstbeschäftigung für Foodies und Gourmets: Kochkurse und Tastings. Fotos: Carlo, Mara Zemgaliete/AdobeStock www.eb-aachen.de Tel. +49 (0) 241 9431 3490 BRUNCH10 – 15 Uhr im Restaurant ELISENBRUNNEN Jeden ersten Sonntag im Monat! Special Nikolausbrunch am 4.12. goldenes schwein Restaurant | Bar | Innenhof | Franzstraße 40, 52064 Aachen Genießen Sie schmackhafte wechselnde Gerichte in harmonischer Atmosphäre. Am Stauweiher | Diepenbenden 61 | 52076 Aachen Fon +2 41/46 82 85 69 | info@hausamsee-aachen.de www.hausamsee-aachen.com Die Region erkunden und genießen Die Ausgabe 2022 Erhältlich im Buch- und Zeitschriftenhandel, beim Medienhaus Aachen und online unter: medienhausaachen.de/ bestellformular-guides nur 6,90 € Ein Produkt aus dem 30 Routen 30 Gasthöfe

11 Warum heißt euer neues Album „nichts“ und nicht „alles“? Chris: Man könnte vielleicht meinen, dass wir ein Konzeptalbum geschrieben haben, das sich um den philosophischen Begriff des Nichts dreht. So ist es nicht. Der Titel hat sich erst herauskristallisiert, als die 13 Nummern halbwegs fertig waren. Da haben wir gemerkt, dass wir uns tiefgründiger mit Themen beschäftigt haben, als wir das in den vorherigen Alben getan haben. Wenn man sich heutzutage hinsetzt und anfängt nachzudenken, kann es sein, dass man auf existenzielle Fragen stößt und merkt, dass es viel Schwarz und wenig Licht gibt. Uns fiel auf, dass dieses Absolute, das in dem Begriff des Nichts steckt, an vielen Stellen des Albums durchschien, auch der Begriff selbst ist in vielen Texten aufgetaucht. David: Uns war wichtig, unseren Pessimismus mit nur einem Wort zu verbinden. Woher kommt dieser Pessimismus? David: Die Texte sind entstanden, bevor Wladimir Putin die Ukraine angegriffen hat. Das unterschwellige und breite Ignorieren von Tatsachen wie der Zerstörung unseres Planeten macht uns fassungslos und wütend. Wir haben glücklicherweise die Möglichkeit, unsere Wut in den Proberaum zu tragen und zu verarbeiten. Deshalb ist unsere Platte wahrscheinlich auch sehr konkret und schonungslos. Wann kam euch die Idee, eine neue Platte aufzunehmen, und wie ging es dann weiter? David: Wir haben sehr früh in der Pandemie mit dem Texten angefangen. Das Fehlen von Auftritten hat uns die Zeit gegeben, uns intensiv mit allen Ideen auseinanderzusetzen und an unserer Platte zu feilen. Ihr habt also erst die Texte, dann die Musik geschrieben. Wie hat sich euer Sound verändert? Chris: Wir finden es sehr schlimm, wenn wir das Gefühl haben, dass wir dasselbe zwei Mal machen. Das führt uns immer dahin, dass wir, je mehr Zeit wir haben, desto mehr Dinge ausprobieren. Dieses Mal haben wir zum Beispiel mehr Instrumente, andere Stimmen und andere Gesänge ins Spiel gebracht und viel wert auf Details gelegt. Das merkt man besonders in unserem Titeltrack „nichts“. Das Album erscheint am 11.11. Welcher jecke Einfall steckt dahinter? David: (lacht) Wir sind jetzt alle keine großen Karnevalsfans. Als unser Management gesagt hat, dass wir das Album am 11.11. veröffentlichen können, hatten wir zunächst nur die Schnapszahl im Sinn. Die fanden wir ziemlich cool. Ein Freund aus Köln hat uns erst auf die Karnevalsverbindung aufmerksam gemacht. Da fanden wir das Datum noch viel cooler. Anfang des kommenden Jahres geht ihr mit eurem neuen Album auf Tour. Ihr spielt unter anderem in Berlin, Hamburg, München, Köln (5.2.) und sogar in Erlangen, in Aachen tretet ihr nicht auf. Bockig gefragt: Was soll das? David: Wir lieben Aachen! Bei der ersten Tour nach der Veröffentlichung einer neuen Platte ist es allerdings immer so, dass man gerne die vier Großstädte besucht. Zwischen Köln und Aachen liegen nur 70 Kilometer. Wenn wir in beiden Städten spielen, fehlen in Köln die Menschen aus Aachen, und am Ende spielst du zwei Konzerte vor einem geteilten Publikum. Damit wäre den Veranstalter:innen, denen wir sehr dankbar sind, bei ihnen auftreten zu dürfen, nicht mit geholfen. Deswegen haben wir uns für unsere erste Tour für Köln entschieden. Wir werden mit dem neuen Album aber sicherlich noch einmal touren. Und dann freuen wir uns sehr, wenn wir im Musikbunker, unseren heiligen Hallen, spielen dürfen. \ In Aachen zu Hause: David Frings, Frank Schophaus und und Chris Hell (von links) gehen Anfang des kommenden Jahres mit ihrem neuen Album „nichts“ auf Tour. Foto: Sophia Roßberg „nichts“ ist das vierte offizielle Album der 2012 gegründeten Aachener Band Fjørt und erscheint am 11. November über das IndependentLabel Grand Hotel van Cleef und kann bereits vorbestellt werden. Das Trio aus Chris Hell (Gesang, Gitarre), David Frings (Gesang, E-Bass) und Frank Schophaus (Schlagzeug) hat insgesamt 13 Lieder eingespielt. Einen Vorgeschmack liefert die im September erschienene Doppelsingle mit den Songs „lod“ und „bonheur“. Die Band startet am 18. Januar 2023 in Rostock ihre Tour. \ AM RANDE Wir finden es sehr schlimm, wenn wir das Gefühl haben, dass wir dasselbe zwei Mal machen. Chris Hell musik Schonungslose Texte Fette Riffs, tiefgründige Poesie: Das Aachener Post-Hardcore-Trio Fjørt präsentiert sich in ihrem neuen Album „nichts“ nachdenklicher als je zuvor. Woran liegt das? Darüber sprechen Chris Hell (Gesang, Gitarre) und David Frings (Gesang, E-Bass) mit Kian Tabatabaei.

Die Alternative Rockband Liger aus Aachen kündigt ihre erste Single seit rund zwei Jahren an. „We Were Gods“ ist das erste musikalische Werk nach ihrem Namenswechsel imSommer und wird am4. November 2022 digital erscheinen. Genretechnisch hat sich die Band, wie bereits nach dem Comeback versprochen, nicht verändert. Dennoch ist „WeWere Gods“ in Sachen Songwriting anders als die bisherigen Produktionen. „An We Were Gods haben wir so lange gearbeitet wie sonst noch nie zuvor an einem Song. Die Pandemie hat uns die Möglichkeit gegeben, über unsere Musik und Prozesse nachzudenken und neue Herangehensweisen auszutesten“ sagt Sänger Maurice, der erstmalig auch das Producing im Tonstudio übernahm. \ rm musik 12 November 2022 1968. SchlagzeugerMani Neumeier und Bassist Uli Trepte kommenmusikalisch vom Free Jazz. Seit 1963 spielen sie im Irene Schweizer Trio, aber die kreativen Höhenflüge in der aktuellen Rockmusik gehen nicht spurlos an ihnen vorüber. ImGegenteil; ihre neuen Einflüsse heißen Jimi Hendrix, Frank Zappa, die frühen Pink Floyd und reichen sogar bis zu den Rockern Rolling Stones und The Who. Guru Guru ist geboren und seit 55 Jahren ist Bandchef Mani Neumeiermit wechselndenMusikern aktiv: Bis 2014 gabenGuruGuruweltweit ca. 3.300 Konzerte. In den oft wechselnden Besetzungen spieltenMusiker wie Hellmut Hattler (Kraan), Ingo Bischof (Kraan, Karthago), Dieter Bornschlegel (Atlantis) oder Butze Fischer von Embryo. Auch die weiteren Kraan-Musiker Peter Wolbrandt und Jan Friede hinterließen ihre Spuren bei GuruGuru. Seit 2020 ist der ex-BirthControl-Keyboarder Zeus B. Heldmit an Bord. Mehr als vierzig Tonträger zählt ihreDiskografie, einhundert Mal traten Guru Guru im Radio und Fernsehen auf. 1976 waren sie die erste deutsche Band, die im „Rockpalast“ zu Gast war. Als Krautrock-Band haben sich Guru Guru selbst nie bezeichnet, aber das Genre ist für ihreMusik keineswegs abwegig. 1974 hatten Guru Guru mit dem eher nonsenshaften Lied „Der Elektrolurch“ einen richtigen Szene-Hit. Zum Leidwesen des am kommenden 31. Dezember 82 Jahre jung werdenden Mani Neumeier verlangt das Publikumbis zumheutigen Tag danach und er schlüpft hinter demSchlagzeug in seine Verkleidung und Guru Guru spielen den „Elektrolurch“. Die Besetzung: Zeus B. Held; Peter Kühmstedt, Mani Neumeier, Roland Schaeffer. \ red 19.11. Guru Guru 19 Uhr (Beginn!), Musikbunker ↗mubu.ac lokale helden Lange Arbeit Neue Single von Liger Anfang der 50er Jahre. Der Frankfurter Jazz-ImpresarioHorst Lippmann fördert vielerlei Künstler. Unter ihnender Aachener Karl Otto Götz. „Vernissagen. Jazz und moderne Kunst. Lippmann spielte sorgsam ausgewählte Schallplattenmusik, Götz demonstrierte unter demMusikeinfluss, wie ein Bild entsteht“, erinnert sich Fritz Rau in seinen Memoiren. Überhaupt ist seine große Liebe zum Jazz die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die man aus dem Leben des Konzertveranstalters und der Legende Fritz Rau in seinen Memoiren „Rock’n’Rau“ mitnehmen kann. Rau, Jahrgang 1930, uneheliches Kind, wächst auf einemhessischen Dorf auf. Die Mutter verstirbt früh, der Vater folgt wenige Jahre später. Rau ist ein Waisenkind und familiäre Bindungen, Feiertagsfeste werden ihm zeitlebens schwerfallen. Ein Bruder des Vaters adoptiert ihn, holt ihn nach Berlin, entpuppt sich als getreuer Nazi, der es auch mit der ehelichen Treue nicht so genau nimmt. In den Kriegswirren geht für den Schüler Fritz die Flucht zurück in die hessische Heimat. Rau macht ein glänzendes Abitur, ist überzeugter Pazifist. Ihn packt die Swingmusik: „Swing war fürmich eineMusik, die die Blinden sehend und die Lahmen gehend macht. DurchMarschmusik waren die Lahmen noch lahmer und die Kraftprotze noch protziger geworden.“ In Heidelberg beginnt er 1951 ein Jurastudium, wird aktivesMitglied imdortigen Jazzclub Cave 54 („Club zur Pflege studentischer Geselligkeit“) und verfällt demmusikalischen Genie des Jazz-PosaunistenAlbertMangelsdorff. Sein erstes eigenveranstaltetes Hallenkonzert mit Mangelsdorff wird ein Riesenerfolg. Horst Lippmann, der gut situierte Hotelerbe aus Frankfurt, ist über diese Jahre sein Mentor. Lippmann reist durch die Welt und stellt die legendären, durch Europa tourenden „American Folk Blues Festival“, „Festival Flamenco Gitano“ und „Spiritual + Gospel Festival“ zusammen. Fritz Rau ist sein „Buchhalter der Träume“ und leitet die Agentur vor Ort, bucht Hallen, Hotels, sorgt für den reibungslosen Ticketverkauf und kümmert sich um die Promotion – vom Konzertplakat bis zum Fernsehinterview. 1964wirdRau gleichberechtigter Partner von Lippmann. Bis 1985 veranstalten Lippmann +RauHunderte von Tourneen, unter anderemmit Stars und Bands wie Paul McCartney, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Ike & Tina Turner, Santana, Liza Minnelli, Marlene Dietrich, Bruce Springsteen, Johnny Cash, Eric Clapton oder Diana Ross. Auf dem deutschen Musikmarkt hinterlässt seine Förderung und freundschaftliche Zusammenarbeit für die Karriere von Udo Lindenberg sowie Peter Maffay die größten Spuren. „Rock’n’Rau“ ist eine respektvolle Bezeichnung Raus von Mick Jagger. Die Rolling Stones holt er insgesamt dreimal auf Tournee nach Deutschland. Auch das Bob-Dylan-Konzert von 1978 auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg hinterlässt nicht nur bei Dylan selbst einen nachhaltigen Eindruck. „In der zweitenNacht ruft er mich im Hotelzimmer an und fragt: ,Fritz, what happened in Nuremberg? I did not understand.‘ Und ich erklärte ihm nochmal, dass wir seine Bühne der Hitlertribüne gegenüber aufgebaut hatten, und dass 80.000 Deutsche Hitler den Rücken zudrehten und sich Bob Dylan und seiner Musik zuwandten. Er zögerte einen Moment, als ob er nachdächte. ,Ja‘ sagte er, bevor er das Gespräch beendete, ,so könnte es gewesen sein … maybe.‘“ Fritz Rau verstarb 2013. Aus fünfzig Stunden Tonbandprotokollen von Oktober 1984 bis März 1985 aufgenommen, destillierten die JournalistenKathrin Brigl und Siegfried Schmidt-Joos die 1985 veröffentlichte Biografie, die allerdings wegen eines Verlagsverkaufs sehr schnell wieder vomMarkt verschwand. EinNachwort von Fritz Rau nach seiner Zeit bei Lippmann + Rau sowie ein Ergänzungskapitel der Autoren aus diesem Jahr ergänzen die ursprüngliche Biografie. \ rm konzert KrautrockLegenden Der dritte Versuch nach Corona – Guru Guru spielen im November im Aachener Musikbunker. Kathrin Brigl und Sieg fried Schmidt-Joos Foto: PRIVAT buch Erinnerungen eines großen Impresarios Der Jazz war seine erste große Liebe. Der Konzertveranstalter Fritz Rau erinnert sich. Guru Guru – lebende Legende Foto: Frank Schindelbeck Kathrin Brigl und Siegfried Schmidt-Joos: „Rock’n’Rau“ Reiffer Verlag, Hardcover 400 Seiten, 24 Euro

musik 13 Anfang der 70er Jahre beginnt der Siegeszug der britischen Hardrock-Bands: Mit Deep Purple, Led Zeppelin, Black Sabbath, UriahHeep u.a. etablieren sich schnell professionelle Strukturen in England – sei es in der Produktion, imManagement oder Tourneegeschäft. In Deutschland davon keine Spur: Konzertauftritte dürfen nur über das Arbeitsamt vermittelt werden, drüben in der DDR sind die Probleme – Zensur, Staatswillkür – nochmals gravierend andere. Es gibt zwar bereits eine ganz gute Clubstruktur, aber die Gagen schwanken. Die meisten der Bands, die in dieser oral history zuWort kommen, investieren ihre Gage nach Abzug der Kosten direkt in eine Gesangs- und Lichtanlage, kaufen sich LKWs für den Transport des Equipments und leben noch bei den Eltern, der Freundin/Frau, in WGs – aber auf jeden Fall von der Hand in den Mund. Autor Frank Schäfer, ein seit Jahrzehnten ausgewiesener Kenner der „harten“ Musikszene, lässt eine repräsentative Auswahl der damaligen Protagonisten und Protagonistinnen zuWort kommen – von den Scorpions (Uli Jon Roth), Accept (Udo Dirkschneider, Stefan Kaufmann) über diverse Musiker und Musikerinnen der Bands Fargo, Lucifer’s Friend, Birth Control, (Black) Mass, Bastard, Franz K. bis hin zu der Sängerin Jutta Weinhold. Ebenfalls im Kreis der Kommentatoren: Schauspieler Charly Hübner und eine Reihe von Musikjournalisten wie Ernst Hofacker, Günter Ehnert, Wolfgang Bauduin oder Klaus Walter. Wie bei allen Geburtsstunden einer neuen Szene unterstreichen die Interviewten in „Heavy Kraut“ die damalige Naivität gepaart mit bedingungslosem Enthusiasmus, die die meisten Bands der ersten Stunde auszeichnete. Eine Professionalisierung begann in den 80ern: Der schnellere und härtere Heavy Metal belebte das Genre. \ rm rock/metal Mit bedingungslosem Enthusiasmus Das Buch „Heavy Kraut“ zeichnet die Geburtswehen der deutschen Hardrockszene ab den frühen 70er Jahren nach. Autor Frank Schäfer ist ein seit Jahrzehnten ausgewiesener Kenner der „harten“ Musikszene. Foto: Moritz-Thau Frank Schäfer: „Heavy Kraut – Wie der Metal nach Deutschland kam“ Reiffer Verlag, Hardcover 300 Seiten, 22 Euro naveo-app.de Monatskarte ohne Schlange gibt's bei naveo. Hol' dir naveo – die App für Bus & Bahn in deiner Region. Jülicher Straße 97–109 52070 Aachen www.ludwigforum.de Digitaler Partner Gefördert im Programm Bildungspartner Mobilitätspartner Verbundpartner Gefördert von Kulturpartner

musik 14 November 2022 Mit Macht preschen die Chemnitzer nach vorn, getrieben vom selbstgebauten Kraftkolben aus The Hives-Gitarren und Franz Ferdinand-Grooves, dazu fußballchorstarke Refrains und natürlich die schlauen Texte vomHerrn Kummer. Alles wie immer in ziemlich gut bis besser, und wahnsinnig robust. Vor allem die Variationen überzeugen. „Angst“ behandelt die ‚Alman-Angst‘ vor allem, von FFF bis Antifa, aber „Mike und Frank verteidigen das Abendland“. „Blaues Licht“ ist fast schon ein zärtlicher Up TempoLiebessong und natürlich das herrlich melancholisch-euphorische „Ein Song Reicht“ und die fast schon geniale Kollabo mit Tokio Hotel „Fahr Mit Mir (4x4)“, bei der man Bill Kaulitz „Etwas mit Heimatministeriumkann nichtmeine Heimat sein“ singen hören kann. Das ist schon die beste, schlaueste Gitarrenmusik zu derman als jungerMensch guten Gewissens eskalieren kann. \ kk Ihren Künstlernamen hat die NeuseeländerinChelseaNikkel von ihrer alten Band „Teenwolf“ verpasst bekommen, als liebkosende Erniedrigung sozusagen. Aber das ist nun auch schon wieder 15 Jahre, fünf Princess Chelsea-Alben und elf Singles her. Längst hat die Produzentin, Sängerin undMulti-Instrumentalistin zu ihrem eigenen Sound gefunden, der sich behände zwischen Dreampop, Grunge und tief geschichteten Vocal-Arrangements hindurchschlängelt. Auch dieses „nervous breakdown album“ hat sie selbst zuhause in Aotearoa produziert, mit Gitarren, Bässen, Schlagzeug, Mellotron-Flöten, Harfen, Geigen und den bereits erwähntenDream-Pop-Gesangs-Ansammlungen, die sichmit demschrammeligenGitarrenband-Korsett ganz vorzüglich verstehen. Das sechsminütigeGrunge-Karussell „The ForestMix“ steht dabei ganz absichtlich in krassemKontext zumAnschlusshit „Love IsMore“, der sichmusikalisch lieblich-naiv gibt, textlich aber deutlich tiefer unter dieHaut geht. Und natürlich holt das auch wieder Verweise zur britischen Popkultur der 1960er auf den Plan – ohne dass man Princess Chelsea jetzt Rückwärtsgewandtheit vorwerfen könnte. \ kt Vor 20 Jahren gab’s die schön gemachte Serie „Amiga A Go Go“, die dem staunenden Wessi die Beat, Soul und Funk-Kultur der DDR nahe brachte. Lange her, und mit mehr Fokus auf den 60ern, deshalb umso schöner, diese neue Compilation mit funky Stuff von Max Herre undDexter serviert zu bekommen. Natürlich sind auch vielleicht schon bekannte Klassiker wie Manfred Krugs irrer Pro-Breakbeat-Funk „Wenn’s Draußen Grün Wird“ oder Uschi Brünings Orchester-Soul „Hochzeitsnacht“ dabei. Aber bei 18 Tracks gibt’s genug zu entdecken. Wenn es eine Gemeinsamkeit gibt bei den ganzen Acts, dann, dass man gerne versucht, so viel musikalische Ideen wie möglich unterzubringen. Was dann immer wieder imschönstenGroove für barocke Schlenker sorgt. Aber was für eine Vielfalt! EinKessel Buntesmit vielen bunten Plaste-Blumen, herrlich. \ kk Das im letzten Jahr veröffentlichte Album„In These Silent Days“ der us-amerikanischen Singer/Songwriterin Brandi Carlile gehörte imGenre (Westcoast-) Folkrock/Country sicherlich zu den herausragendsten Produktionen der letzten Jahre. Inspiriert von der berühmt-berüchtigtenMusikszene in Laurel Canyon der 60er/70er spielte sie dieses Album als Special Editionmit einer kleinen Besetzung neu ein.Mit demSchlussakkord ihren eigenen das Konzert abschließenden Version von David Bowie’s „Space Oddity“. Brandi Carlile: „Ich konnte die Protagonist:innen der California Dreamers sehen, die durch einen Polaroid-Dunst trieben. Ich konnte das Marihuana und denWeihrauch riechen. Ich konnte die Harmonien von Crosby Stills Nash hören, die vomLookoutMountain durch denCanyon zogen, und das begleitende Lachen von Mama Cass … Lieder, von denenwir alle wünschten, wir hätten sie geschrieben.Wir haben dieses Album ,In The Canyon Haze’ genannt.“ \ rm Auf „Trust“, dem dritten Album von Christopher Taylor, der unter dem Namen SOHN veröffentlicht, sind die teils wuchtigen, teils verspielten Beats und rhythmischenKonstrukte, die seine ersten beiden Veröffentlichungen noch geprägt hatten, fast verschwunden. Auch von der opulenten Live-Inszenierung mit dem niederländischen Metropole Orkest (2020) ist klanglich nichts übriggeblieben. Stattdessen sind die 13 neuen Stücke derart von Intimität durchzogen, dass sie fast zerbrechlich wirken, wozu auchTaylorsmarkante, hohe Stimme beiträgt. Mit dieser neuen Klangästhetik rückt SOHN in die Nähe von Singer-Songwritern wie Justin Vernon, alias Bon Iver, oder James Blake. Taylor singt von der Bedeutung von Gemeinschaft, von Offenheit und von Familie. Und in dem betörenden „Figure Skating, Neusiedlersee“ dichtet er die Zeile „There’s a crack in the ice where I skated your name“. Das kannman kitschig finden – oder einfach nur herzzerreißend schön. \ chr Vier Grammys haben Snarky Puppy bisher eingesammelt. Das groß angelegte Fusion-Projekt um Bassist und Bandleader Michael League tourt mittlerweile mega-erfolgreich durch die ganze Welt. Alles begann als Gruppe von College-Freunden im Jazz-Studiengang an der University of North Texas in Dallas. Zwölf Alben in 18 Jahren Bandgeschichte folgten. Den Jazz haben Snarky Puppymittlerweile etwas herunter gedimmt. Die rund 25 Mitglieder (19 sind aktuell bei „Empire Central“ dabei) spielen eineMusik, die inweitenTeilen etwas richtungslos, wie gleichzeitig akademisch erscheint: Jazz, Funk, Rock,Weltmusik; durchsetzt mit Partikeln von Blues, Soul und etwas Techno ziehen sich durch die live vor Publikum imStudio aufgenommenen, zu langen neunzig Minuten. \rm Auf seinemDebütalbum„Where is Home“ kombiniert der südafrikanische Cellist Abel Selaocoe die Cello-Suiten Johann Sebastian Bachs mit seinen Kompositionen. Dabei bedient er nicht nur sein Cello, sondern übernimmt auch Gesangsparts. Der afrikanischen Kultur fühlt er sich ebenso verbunden, wie der westlichen klassischen Musiktradition. Überbrückung dieser Pole ist dem Musiker ein Anliegen. Schon seit Langem integriert Abel Selaocoe für einen klassischenMusiker eher unkonventionelle Elemente. Mit freier Improvisation, Gesang undKörper-Percussion kombiniert er virtuos vielfältige Inspirationen. Einige seelenverwandte Kollegen sind bei seinemDebütalbummit dabei. So geben sich u.a. YoYoMa, ColinAlexander und Simran Singh die Ehre. Auf dieseWeise verschmelzen diverse Klangfarben, afrikanische Rhythmen und native Volksmelodien zu einemglobalen Potpourri. Ganz nach Abel Selaocoes façon: „ZuHause sein…“ ist nicht zwangsläufig ein geografischer Ort, sondern „ein Platz, der erdet und Kraft schenkt.“ \z’kay Der Jazzpianist Bugge Wesseltoft und der Techno-Produzent Henrik Schwarz haben bereits zwei Kooperationen auf Platte verewigt. 2011 erschien „Duo“, drei Jahre später “Trialogue” mit dem Bassisten Dan Berglund. Jetzt also wieder zu Zweit, wobei die Arbeitsteilung zwischen Klavier, Sampler und Laptop hier mit Vocals (Kid Be Kid bzw. im Trio – Jennifer Kae, Jemma Endersby und Catharina Schorling), Trompete (Sebastian Studnitzky) und dem Streichquartett Solistenensemble Kaleidoskop erweitert wird. Diese Fusionen pendeln zwischenNeo-Klassik und Electronica, die aber imseltensten Fall in den Club führen – auch wennMarimba und Bass attraktiv in einen mal lupenreinen Techno-Track münden. Eine Besonderheit: „Duo II“ wurde in der Emmaus-Kirche in Berlin-Kreuzberg in ihremnatürlichen Hallraum aufgenommen. \ rm US-Schlagzeuger Makaya McCraven wird neben Größen wie Shabaka Hutchings, KamasiWashington oder Robert Glasper zu den jüngeren Erneuerern des Jazz gezählt. Ihnen gemeinsam ist, dass sie die Auseinandersetzungen unserer Zeit (Black Lives Matter) thematisieren und sich dabei einermusikalischen Sprache bedienen, die die Grenzen zwischen Jazz, HipHop, Elektronik und Folk verwischt. McCraven hat bereits mit einer Reihe von Veröffentlichungen auf sich aufmerksamgemacht, zuvorderst „Universal Beings“ (2018) und „We’re New Again“ (2020), einer Überarbeitung von Gil Scott-Herons Album „I‘m New Here“. Parallel dazu hat er sieben Jahre an „In These Times“ gearbeitet. Mit diesem Opus magnum gelingt ihm das Kunststück, seinen Sound gleichzeitig zu verdichten und ihm Leichtigkeit zu verleihen. Komplexe rhythmische Strukturen treffen auf erzählerische Melodiebögen und fließende Harmonien. Die elf Stücke entwickeln einen kontemplativen Sog, demman sich nur schwer entziehen kann. \ chr 20 Jahre Tapete Records. Das deutsche Label, was überhaupt nicht deutsch, sondern immer schon britisch infiziert klang, kann von Hamburg-Altona aus auf eine großartige Geschichte zurückblicken. In ihren ersten zehn Jahren waren sie das Label für deutschsprachigen Pop (oder zumindest Pop aus Deutschland): Bernd Begemann, Die höchste Eisenbahn, Wolke, Timo Blunck, Erdmöbel, Family 5, Niels Frevert, Peter Licht, Fehlfarben, Tele, Superpunk, Moritz Krämer und natürlich Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – deren SänNEUETONTRÄGER Diverse Intact & Smiling – The Weid & Wonderful World of Tapete Records Vol. 1 Tapete Records ohne Wertung Makaya McCraven In These Times XL Recordings/Beggars Group/ Indigo Bugge Wesseltoft/ Henrik Schwarz Duo II Jazzland/Edel Abel Selaocoe Where is Home (Hae Ke Kae) Warner Classics Snarky Puppy Empire Central GroundUp/The Orchard/Bertus SOHN Trust 4AD/Beggars Group/Indigo Brandi Carlile In The Canyon Haze (In These Silent Days – Deluxe Editon) Low Country Sound/ElektraWarner Various hallo 22 - DDR Funk & Soul 1971-81 Amiga/Sony Music Princess Chelsea Everything Is Going To Be Alright Lil’ Chief Records/Cargo Kraftklub Kargo Vertigo Berlin/Universal

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