Klenkes - November 2022

25 Man sagt, es sei das Leben, das sich im Gesicht eines Menschen ablesen lässt. Jede Falte, jeder Schatten, jede Trübung und jedes Leuchten des Blickes zeugen von Freud und Leid, vonGesundheit und Krankheit, vonHoffnung undVerzweiflung. ImFall desMalersMax Beckmann ist es allerdings viel mehr als das. In seine Selbstporträts hat sich die ganze Tragik der Zeitgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts eingeschrieben, das Trauma des Ersten Weltkriegs, die Widersprüche derWeimarer Zeit, dieNazizeit und der Zweite Weltkrieg. Die Bilder, von denen hier die Rede ist, sind Teil der insgesamt 130 Radierungen, Holzschnitte und Lithografien umfassenden Ausstellung, mit der das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum unter dem Titel „Loge imWelttheater“ das herausragende druckgrafische Werk des Expressionisten Max Beckmann (1884 – 1950) würdigt. Die Ausstellung, die in dieser Form erstmals in Aachen gezeigt wird, korrespondiert mit der Schau „Aufbruch in die Moderne“, die im gleichen Haus noch bis zum 20. November 18 hochkarätige Gemälde des Expressionismus aus der Stolberger Peltzer-Sammlung präsentiert. Die 1920er Jahre haben Konjunktur. Seit einigen Jahren lassen Fernsehserien, Filme und ganze Buchreihen die Zeit wieder aufleben, und es finden sich immer wieder Gemeinsamkeitmit unserer Gegenwart es gibt. Für KuratorinWibke Birth liegt genau darin die Faszination vieler Menschen für die klassische Moderne. Und Beckmanns zeitgenössischer Blick ist unverstellt. „Es hat uns selbst überrascht, wie unerwartet aktuell die Ausstellung ist“, sagt Birth. „Die Themen, die Beckmann aufgegriffen hat, wiederholen sich mit einer Brisanz, die noch vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten hätte.“ DenKern der Ausstellung bilden die drei großen Mappenwerke der Zwischenkriegszeit, „Gesichter“, „Jahrmarkt“ und „BerlinerReise“. Beckmann kehrt bereits 1915 als psychisch gebrochenerMann aus demErstenWeltkrieg zurück, in den er mit Begeisterung gezogen war. Zunächst lässt er sich in Frankfurt am Main nieder. Dort beginnt er in einer intensiven Zeit der Neuorientierung, die Kriegserfahrung mit der Radiernadel zu bannen. Die Kupferplatte wird zum Hauptträger seiner Kunst und begleitet die Suche nach einer neuen Bildsprache, die dem erlebten Entsetzen gerecht wird. Während viele expressionistische Künstler denWeg der Abstraktionwählen, bleibt Beckmann demGegenständlichen treu. In seinen Porträts zeigt er schonungslos die innere Zerstörung. Aus ausgemergelten Gesichtern blicken leere, wirre Augen. Nach und nach ziehen andere Motive ein, wird Beckmann zum kraftvollen Interpreten des Scheinlebens in der Weimarer Republik. Er begreift die Welt als Bühne. Sein Blick richtet sich allerdings hinter die Fassaden und unter dieMasken. Dort finden die Tragödien statt, die dafür sorgen, dass über jedemGlitzer ein Schatten liegt. Das gezeigte Konvolut entstammt der Sammlung des Aachener Kunstmäzens und Ingenieurs Thomas Kempen (1958 – 2020). Nach seinem Tod haben seine Kinder die Sammlung der Stadt Aachen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt, zunächst für fünf Jahre. \ chr bis 15.1. „Max Beckmann – Loge im Welttheater“ Suermondt-Ludwig-Museum Aachen ↗suermondt-ludwig-museum.de kunst Max Beckmann in einem Selbstbildnis aus der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Foto: Andreas Herrmann expressionismus Schatten über dem Glitzer Das Suermondt-Ludwig-Museum zeigt das grafische Werk von Max Beckmann. Warenhaus Tietz Jimmy 13.11.2022 18.00 Uhr 18.11.2022 19.00 Uhr aachen.de/nadelfabrik Jazz in der Nadelfabrik: JIMMY Sonntag, 13.11.2022, ab 18.00 Uhr im Foyer der Nadelfabrik Einlass ab 17.15 Uhr ausschließlich über den Eingang am Reichsweg 30 Tickets, 12,00 bzw. 6,00 € (ermäßigt) bei Ticketree.de und in der Brander Buchhandlung am Markt, in der Triererstraße 788 52078 Aachen, ab 14 Tagen vor dem Konzert. Es gibt keine Abendkasse. Vortrag: Das Warenhaus Tietz Ein Bauwerk im Spannungsfeld von Zeitgeschichte und Architektur 1892-1965, mit musikalischer Begleitung am Flügel Freitag, 18.11.2022 ab 19.00 Uhr im Foyer der Nadelfabrik Dies ist eine Kooperation des Stadtarchivs und der Nadelfabrik. Der Eintritt ist frei. Fotos Jimmy: © Gerhard Richter © Daniel Weisser. Straßenfoto Marktr, ca. 1906, Fotograf Unbekannt Nadelfabrik November Bitte halten Sie sich zu möglichen Änderungen über unsere Website auf dem Laufenden.

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