Klenkes - November 2022

bühne 20 November 2022 schauspiel Der kleine Beamte Poprischtschin leidet beruflich und privat an Zurückweisung. Er verliebt sich in die Tochter seines Vorgesetzten und verliert sich in Verschwörungsmythen, Hirngespinsten und Größenwahn. Das Theater K zeigt die musikalisch-theatrale Introspektive im Atelier Pasch (Tuchwerk Aachen). \ 5., 6., 13. + 27.11. „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ 20 Uhr, Atelier Pasch schauspiel Mit Unterstützung von Fachleuten der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und anderen Akteuren aus der professionellen Pflege wirft das Mörgens-Lab einen Blick hinter die Kulissen des deutschen Pflegesystems. Basierend auf Erzählungen von Pflegekräften, Angehörigen und Pflegebedürftigen entsteht an Text für zwei Schauspielerinnen, der durch Livemusik verdichtet wird und die Erlebnisse von Menschen innerhalb eines (un)menschlichen Systems in den Fokus stellt. \ 17. + 26.11. „Die (Un)Entbehrlichen“ 20 Uhr, Mörgens schauspiel Der Maler Max Beckmann zeigt schwere Jungs und leichte Mädchen, Sinnsuchende, Melancholikerinnen, Akrobaten und Agitatoren aller Coleur. Dabei im Fokus: die pulsierende Hauptstadt Berlin in den 1920er Jahren. „Loge im Welttheater“ heißt die passende Ausstellung des Suermondt-LudwigMuseums, die jetzt zu ganz neuem Leben erweckt wird. Die Schauspielenden des Theater K schlüpfen in Beckmanns Figuren, dazu gibt es Musik und Tanz. \ 18., 19. + 25.11. „Tingeltangel“ 19.30 Uhr, Suermondt-LudwigMuseum schauspiel Phantásien schwebt in höchster Gefahr. Trolle und Irrlichter, Felsenbeißer und Nachtalben sind vom Verschwinden bedroht. Das Land droht mit seinen Bewohnenden vom unfasslichen Nichts verschluckt zu werden. Michael Endes Roman ist ein Plädoyer für die Macht der Fantasie und begeistert seit seinem Erscheinen 1979 Generationen von Menschen. \ 18. + 25.11. „Die unendliche Geschichte“ 18 Uhr, Theater Aachen BÜHNENSPLITTER aktion Wählen Sie Ihren Favoriten! Das Medienhaus Aachen ruft zum Publikumspreis auf. Welcher Schauspieler, welche Schauspielerin ist in der Theaterspielzeit 2022/2023 Ihr Favorit? Wer beeindruckt, berührt und begeistert? Das PublikumvonGrenzlandtheater und Theater Aachen kann ab sofort wählen, wen es im Schauspiel auszeichnen will. Und zwar per Online-Voting. Nach einer Coronabedingten Pause geht der Publikumspreis des Medienhauses Aachen unter demDach der KurtSieder-Stiftung bereits in die vierte Runde. Am Ende der Spielzeit werden dann die beiden Publikumslieblinge vomGrenzlandtheater und vom Theater Aachen mit je 1.000 Euro ausgezeichnet. Wer mitmacht, kann auch etwas gewinnen: Zum Abschluss der Voting-Aktion werden zwei Jahres-Abos für jeweils zwei Personen verlost – eins für das Grenzlandtheater und eins für das Theater Aachen. \ red ↗aachener-publikumspreis.de Abbildung: Medienhaus Aachen multimedial Mütter (,) ergreifend Tommy Wiesner inszeniert „Die Freiheit einer Frau“ im Mörgens. Dabei verbindet er Schauspiel mit einer begehbaren Video-Raum-Installation. In der Romanvorlage „Die Freiheit einer Frau“ erzählt der französische Autor Édouard Louis schonungslos und liebevoll von seiner Mutter, ihrem Leben und ihrer Geschichte der Befreiung.Mit ungeheuremTempo, aber nicht minder einfühlsam bringt Tommy Wiesner das Stück auf die Bühne des Theater Aachen. Als Regisseur und Schauspieler. Bereits beim Debütroman von Louis, „Das Ende von Eddy“, hatte Wiesner diese Doppelrolle übernommen und die Aachener Theater-Gänger begeistert. In „Das Ende von Eddy“, ebenfalls ein autobiografischer Roman, ging es um die Kindheit eines jungen Mannes und seiner Flucht aus einemspießigen nordfranzösischen Dorf. Jetzt geht es umdie Flucht der Mutter aus den Fängen gewalttätiger Beziehungen, dem Dasein mit fünf Kindern, und das mittellos in einem kleinen Dorf. Schauspielerische Unterstützung bekommt er von Marion Bordat. Zusammen ergänzen sich die beiden als Mutter und Sohn, mal zweifelnd, mal wütend, mal traurig, mal glücklich. Hier werden alle Facetten dieser Mutter-Sohn-Beziehung gezeigt, das Publikum spürt Trauer, Ratlosigkeit und Liebe. In einer Art Plexiglaskäfig, der auch schon bei „Das Ende von Eddy“ zum Einsatz kam, spielen sich einigeDramen des Lebens ab. Die Euphorie im80er-Jahre-Brautkleid zuMadonna-Mucke, der Zusammenbruch nach einer Gewalttat und jederMenge Erniedrigungen mit der markerschütternden Frage: „Darf ich nicht auchmal glücklich sein?“ Aber auch in die Ränge und zum Publikumzieht es dieDarsteller. Auf der Bühne stellt sich Bordat vorsMikro und fordert erst mutig, dann wütend den „Urlaubssozialzuschuss“ und versucht dann, Tommy Wiesners (wirklich guten) Gesang mit Wutgeschrei zu übertönen. Generell nimmt der Gesang und die gesamteMusikauswahl einen großen Teil der Inszenierung ein, unterstützt dabei die Stimmung, lässt die Figuren noch verletzlicher wirken. Aber das ist nur ein Teil der eigentlichen Inszenierung. Was sich demZuschauer vor Beginn des Schauspiels bietet, ist eineMischung aus Investigativjournalismus, wissenschaftlicher Studie undVergangenheitsbewältigung.Wiesner hat rund 20Mütter zwischen 20 und 99 Jahren vorab interviewt und sich ihre „Mutter-Geschichte“ erzählen lassen. Bordat hat diese gekürzt und eingesprochen und flackert so in den unterschiedlichenRollen über diverse Bildschirme imFoyer. Ausgangspunkt ist wie imRoman ein Foto aus glücklichen Tagen und die dazugehörige Geschichte. Da ist man emotional schon mittendrin, wenn dann das Stück beginnt, hat man doch vorher gehört, wie Frauen sich als Mutter selbst sehen, was es bedeutet, neben der Rolle Frau die RolleMutter einzunehmen, was es für tiefgreifendere, psychische Probleme geben kann, wennman mit dieser Rollenkombination überfordert ist. Und das Schlimmste: wie selten Frauen Hilfe oder gar Verständnis geboten wird, sondern ihnen vielmehr Missachtung und Stigmatisierung entgegenschlägt. Ein sensibles Thema, dem sich Wiesner hier annimmt. Auch aus Sicht des Sohnes, deren Rolle er einnimmt. Wie viel Schuld trägt er am Leid seiner Mutter? Woher kommt die Wut auf sie? Was hätte anders laufen können? Wiesner schafft einen kurzweiligen, brandaktuellen Theaterabend, der tief berührt und unterhält. Das Premierenpublikum ist jedenfalls begeistert, klatscht minutenlang und gibt Standing Ovations. Zu Recht. \ kw 6., 13.+25.11. „Die Freiheit einer Frau“ 20 Uhr, Mörgens, Theater Aachen ↗theateraachen.de Foto: Marie-Luise Manthei Tommy Wiesner und Marion Bordat in „Die Freiheit einer Frau“ im Mörgens

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