Klenkes - November 2022

19 Bilder bewegen, lassen uns Dinge immer wieder sehen. Bewegte Bilder sind inYoutube-Zeiten gang und gäbe. Doch was ist es, was wir sehen? Sehen wir alle das Gleiche oder nehmen wir unterschiedlicheDingewahr?Genaudarumund umnoch einigesmehr geht es in „Ich,Wunderwerk und How Much I love Disturbing Content“. Die junge AutorinAmanda Lasker-Berlin hat einen dichten Theatertext über technisch reproduzierte Bilder der Gewalt und die Gewalt der Bilder geschrieben. Welche Eindrücke werden erzeugt und wie beeinflussen sie die Wahrnehmung auf die Welt? Das bringen Dramaturg Reinar Ortmann und Regisseurin Marlene Anna Schäfer jetzt auf die Bühne der Kammer imTheater Aachen. Die Kammer wurde als ideale Spielstätte erkoren, da das Stück mit seinem ganz eigenen Charakter einen geschlossenenRaumbenötigt. „Wie durch einen Nebel sieht der Zuschauer die Ich-Erzähler, die eigentlich reine Textflächen sind. Sie berichten, was sie in Videos sehen. Die Videos selbst sehenwir nicht“, erklärt Schäfer. Bedeutet: Eine Frau fasst Videoclips, die sie sieht, in Worte: den Fall George Floyd. Ein Video, in dem ein Schwarzer von weißen Polizisten gejagt, zu Boden gedrückt und getötet wird. Ein anderes Ich beschreibt ein privates Weihnachtsfilmchen, auf demein kleinesMädchen den Blicken erwachsener Männer ausgesetzt ist. Wieso hasst sie bis heute Weihnachten und weiße Strumpfhosen? Eines erinnert sich an die Kindheit in Gladbeck und besucht den Ort im Viertel, in dem das „Geiseldrama von Gladbeck“ seinen Anfang nahm, und seitdemdie Erinnerung des Ichs kontaminiert. Ein Ichwill dieGeschichte einer Freundin erzählen, aber darf man Bilder und Erinnerungen benutzen, die einem nicht gehören? „Automatisch wird durch die Erzählungen ein innerer Film vor den Augen der Besucher ablaufen“, soOrtmann. Und das in allenAltersstufen. „Amanda Lasker-Berlin hat einen wunderbaren Text geschrieben, voll mit lyrischen Momenten, die jeden ansprechen. Obman das Video, über das gesprochen wird, nun kennt oder nicht, ist vollkommen egal.“ Es geht darum, einen Blick unter die Lupe zu nehmen, das Geschehene zu sezieren, die Einzelteile mosaikartig zusammenzusetzen und daraus ein Bild – oder den eben genannten inneren Film – aus Eindrücken, Erinnerungen und Gedanken zu erschaffen. Auf der Bühne ergibt sich ein Panoramablick auf viele einzelne Aspekte. Es wird mal durchs Mikro gesprochen, mal ohne. Dann reden alle gleichzeitig. „Das erzeugt eine unglaubliche Brisanz und macht es so lebendig“, verspricht Schäfer. „Es gibt auch Dialoge, die sich in etwas anderes verwandeln. Aber es ist nie einfach nur eine Nacherzählung einer Geschichte.“ Unterstützt wird die Verzahnung des Stoffes mit demSpiel von Schärfe undUnschärfe. „Wir können durch das Einsetzen vonNebel auf der Bühne und auch die Nutzung von Live-Übertragung via Kamera mehrere Ebenen erschaffen und für ein Gefühl von Nähe und Distanz sorgen. Das wird also ein durch und durch erfahrbarer Abend.“ Am Ende des Abends wird man sich fragen: Was habe ich gesehen? Was ist wahr und was Einbildung? Welche Macht haben Bilder auf mich und wie kann ich ihnen widerstehen. \ 11., 19., 25.+30.11. „Ich, Wunderwerk und How Much I love Disturbing Content“ 20 Uhr, Kammer, Theater Aachen ↗theateraachen.de Spielen in „Ich, Wunderwerk und How Much I love Disturbing Content“: Emilia Haag, Tina Schorcht, Benedikt Voellmy, Elke Borkenstein (von links). Foto: Marie-Luise manthei Rollen: · Ich, die nichts anderes mag als flimmernde Bildschirme · Ich, die einsam ist in Gladbeck-Rentfort · Ich, an Weihnachten 1996 · Ich, die liebt auf einmal Es spielen: Elke Borkenstein Emilia Haag Tina Schorcht Benedikt Voellmy \ AM RANDE Das wird ein durch und durch erfahrbarer Abend. Marlene Anna Schäfer bühne Mit sezierendem Blick In der Kammer wird „Ich, Wunderwerk und How Much I love Disturbing Content“ gezeigt. Ein junges Theaterstück, das sich mit der Macht von Bewegtbildern beschäftigt Von Kira Wirtz

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