Klenkes - November 2022

17 HEIMKINO Der 17-jährige Sam (George Ferrier) lebt mit seinem Vater in Neuseeland allein in einem Haus, die Mutter ist vor kurzem gestorben. Die Ankunft seiner an den Rollstuhl gefesselten Oma Ruth (Charlotte Rampling) macht sein Leben nicht leichter, zumal die ein waschechtes Biest mit Alkoholproblem ist. Das Drama verläuft auf vorhersehbaren Pfaden und sticht vor allem durch die Präsenz Charlotte Ramplings aus der Masse heraus. \ „Juniper“ NZL/USA 2021 // R: Matthew Saville Leonine 1979 mietet eine Filmcrew ein Farmhaus in Texas an, um dort ungestört einen Pornofilm zu drehen, doch aus ländlicher Ruhe wird bald blanker Horror. Ti West jüngstes Werk in körniger 1970er-Optik wird nach der gemächlichen, viel Atmosphäre aufbauenden ersten Hälfte zum derben Retro-Splatter mit so mancher Anspielung auf Klassiker des Genres. Ein Prequel ist bereits abgedreht, ein dritter Teil in der Mache. \ „X“ USA/CDN 2022 // R: Ti West Capelight Pictures Im Zweiten Weltkrieg überlebt der polnische Jude Harry Haft das KZ in Auschwitz nur, weil er zur Unterhaltung der Aufseher gegen Mithäftlinge kämpft und nur der Sieger überleben darf. Nach dem Krieg beginnt er in den USA ein neues Leben, doch die Vergangenheit lastet schwer auf ihm. Das klassische Biopic von „Rain Man“-Regisseur Barry Levinson punktet vor allem durch Ben Fosters Leistung in der Hauptrolle. \ „The Survivor“ USA/CDN/H 2022 // R: Barry Levinson Leonine Flug-Ass Pete „Maverick“ Mitchell soll nach einer verpatzten Mission die US Navy eigentlich verlassen. Stattdessen wird er einem Spezialauftrag zugeteilt, an dem auch der Sohn seines verstorbenen Freundes Nick „Goose“ Bradshaw beteiligt ist. Die Flugaction mit Tom Cruise zündet vor allem in der spannenden zweiten Hälfte und macht glücklicherweise einiges besser als vor 36 Jahren der erste Teil. \ „Top Gun: Maverick“ USA 2022 // R: Joseph Kosinski Paramount Pictures Organ-Entwicklung „Crimes of the Future“ CDN/GR/F/GB 2022 // R: David Cronenberg Start: 10.11. | 107 Minuten | FSK noch offen In naher Zukunft entwickelnmancheMenschen durchWillenskraft zusätzliche Organe und haben zudemkein Schmerzempfindenmehr, woraus Saul Tenser (ViggoMortensen) und seine AssistentinCaprice (Léa Seydoux) eine eigene Kunstformentwickelt haben. Der Staat will gegensteuern und neuartige Organe registrieren lassen. Gleichzeitig kämpft eine Untergrundgruppe dafür, dass die Evolution ihren Lauf nehmen darf. BodyhorrorAltmeister David Cronenberg („Die Fliege“) meldet sich nach langer Pause in dunklen Dramen wie „A History of Violence“ wieder in seinem buchstäblichen Leib- und Magengenre zurück. Seine Ideen sind nach wie vor einzigartig und spitzen gesellschaftliche Entwicklungen und Trends verstörend und atmosphärisch zu. Leider entgleiten ihm jedoch einige Handlungsfäden komplett, sodass amEnde ein kammerspielartiges Spätwerk ohne stringente Geschichte steht. \ Peter Hoch Science-Fiction-Drama Foto: Nikos Nikolopoulos Aussage gegen Aussage „Menschliche Dinge“ F 2021 // R: Yvan Attal Start: 3.11. | 139 Minuten | FSK 12 Der IntellektuellensohnAlexandre (BenAttal) hatte während einer Party offenbar mit Mila (Suzanne Jouannet) Sex – und wird von ihr am nächsten Tag wegen Vergewaltigung angezeigt. Alexandres Eltern, eine Essayistin und ein Fernsehmoderator, können die Anschuldigungen nicht glauben. DochMilas Aussagen scheinen hieb- und stichfest. Wer sagt hier die Wahrheit? Yvan Attals („Die brillante Mademoiselle Neïla“) Adaption des gleichnamigen Romans von Karine Tuil greift ein brandaktuelles Thema auf und erweitert es umneue, hochinteressante Aspekte. Da der Film geschickt beim Publikum für beide Hauptfiguren Sympathien weckt, ist man im weiteren Verlauf hin- und hergerissen, wem man hier glauben soll. Die Geschichte nimmt alle Beteiligten ernst und fesselt nicht zuletzt mit brillanten Wortgefechten vor Gericht, die zum Nachdenken anregen. \ Frank Brenner Gerichtsdrama Foto: Curiosa Films Ruhestand „Die goldenen Jahre“ CH/D 2022 // R: Barbara Kulcsar Start: 17.11. | 92 Minuten | FSK noch offen Alice (Esther Gemsch) freut sich sehr über den Ruhestand ihresMannes Peter (StefanKurt), hofft sie doch, dass nun durch mehr gemeinsame Zeit wieder frischer Wind in die eingerostete Ehe geblasen wird. Eine Kreuzfahrt soll dies anschieben. Doch nicht genug, dass Peter seinen besten Freund, den trauerndenWitwer Heinz (Ueli Jäggi), mit eingeladen hat, der Gatte zeigt auch weiter wenig Ambitionen gegenüber Alice. Also fasst die gefrustete, im Grunde lebenslustige Frau einen Entschluss. Mit diesem gewinnt auch der bis dato eher gemächliche Filman Tempo und Faszination. Dennwie die Ehepartner nun jeweils versuchen, einen neuenWeg imRentnerdasein anzupeilen, das hat Charme und besticht durch sensible Figurenzeichnung. Eine erfrischende und mitunter auch nachdenkliche Komödie über das Leben im Alter, den Plan, Versäumtes nachzuholen und neue Lebensentwürfe. \ Martin Schwarz Tragikomödie Foto: Alamode Film Unvorstellbar „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ F/B/D 2022 // R: Kilian Riedhof Start: 10.11. | 102 Minuten | FSK 12 Am Abend des 13. November 2015 erschütterten die Berichte über die verheerenden Terroranschläge von Paris dieWelt. Die 130 Todesopfer wurden betrauert, die überlebenden Täter und ihre Komplizen weitestgehend gefasst, doch das endlose Leid der Angehörigen lässt sich nur schwer erfahrbarmachen. Regisseur Kilian Riedhof versucht dies nunmit seinem Film. Er erzählt die wahreGeschichte vonAntoine Leiris (Pierre Deladonchamps) und seines kleinen SohnsMelvil (Zoé Iorio), den er gemeinsammit seiner geliebten Hélène (Camélia Jordana) hat – welche den Rockkonzertbesuch im Bataclan nicht überlebt. Basierend auf dem gleichnamigen Buch des echten Antoine Leiris lotet Riedhoff die Emotionen aller Beteiligten bewegend aus, ohne auf die Tränendrüse zu drücken, und gewährt behutsam und nie reißerisch Einblicke in den Umgang mit dem Unfassbaren. \ Peter Hoch Tatsachendrama Foto: Komplizenfilm/Tobis film

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