Klenkes - November 2022

Die Alternative Rockband Liger aus Aachen kündigt ihre erste Single seit rund zwei Jahren an. „We Were Gods“ ist das erste musikalische Werk nach ihrem Namenswechsel imSommer und wird am4. November 2022 digital erscheinen. Genretechnisch hat sich die Band, wie bereits nach dem Comeback versprochen, nicht verändert. Dennoch ist „WeWere Gods“ in Sachen Songwriting anders als die bisherigen Produktionen. „An We Were Gods haben wir so lange gearbeitet wie sonst noch nie zuvor an einem Song. Die Pandemie hat uns die Möglichkeit gegeben, über unsere Musik und Prozesse nachzudenken und neue Herangehensweisen auszutesten“ sagt Sänger Maurice, der erstmalig auch das Producing im Tonstudio übernahm. \ rm musik 12 November 2022 1968. SchlagzeugerMani Neumeier und Bassist Uli Trepte kommenmusikalisch vom Free Jazz. Seit 1963 spielen sie im Irene Schweizer Trio, aber die kreativen Höhenflüge in der aktuellen Rockmusik gehen nicht spurlos an ihnen vorüber. ImGegenteil; ihre neuen Einflüsse heißen Jimi Hendrix, Frank Zappa, die frühen Pink Floyd und reichen sogar bis zu den Rockern Rolling Stones und The Who. Guru Guru ist geboren und seit 55 Jahren ist Bandchef Mani Neumeiermit wechselndenMusikern aktiv: Bis 2014 gabenGuruGuruweltweit ca. 3.300 Konzerte. In den oft wechselnden Besetzungen spieltenMusiker wie Hellmut Hattler (Kraan), Ingo Bischof (Kraan, Karthago), Dieter Bornschlegel (Atlantis) oder Butze Fischer von Embryo. Auch die weiteren Kraan-Musiker Peter Wolbrandt und Jan Friede hinterließen ihre Spuren bei GuruGuru. Seit 2020 ist der ex-BirthControl-Keyboarder Zeus B. Heldmit an Bord. Mehr als vierzig Tonträger zählt ihreDiskografie, einhundert Mal traten Guru Guru im Radio und Fernsehen auf. 1976 waren sie die erste deutsche Band, die im „Rockpalast“ zu Gast war. Als Krautrock-Band haben sich Guru Guru selbst nie bezeichnet, aber das Genre ist für ihreMusik keineswegs abwegig. 1974 hatten Guru Guru mit dem eher nonsenshaften Lied „Der Elektrolurch“ einen richtigen Szene-Hit. Zum Leidwesen des am kommenden 31. Dezember 82 Jahre jung werdenden Mani Neumeier verlangt das Publikumbis zumheutigen Tag danach und er schlüpft hinter demSchlagzeug in seine Verkleidung und Guru Guru spielen den „Elektrolurch“. Die Besetzung: Zeus B. Held; Peter Kühmstedt, Mani Neumeier, Roland Schaeffer. \ red 19.11. Guru Guru 19 Uhr (Beginn!), Musikbunker ↗mubu.ac lokale helden Lange Arbeit Neue Single von Liger Anfang der 50er Jahre. Der Frankfurter Jazz-ImpresarioHorst Lippmann fördert vielerlei Künstler. Unter ihnender Aachener Karl Otto Götz. „Vernissagen. Jazz und moderne Kunst. Lippmann spielte sorgsam ausgewählte Schallplattenmusik, Götz demonstrierte unter demMusikeinfluss, wie ein Bild entsteht“, erinnert sich Fritz Rau in seinen Memoiren. Überhaupt ist seine große Liebe zum Jazz die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die man aus dem Leben des Konzertveranstalters und der Legende Fritz Rau in seinen Memoiren „Rock’n’Rau“ mitnehmen kann. Rau, Jahrgang 1930, uneheliches Kind, wächst auf einemhessischen Dorf auf. Die Mutter verstirbt früh, der Vater folgt wenige Jahre später. Rau ist ein Waisenkind und familiäre Bindungen, Feiertagsfeste werden ihm zeitlebens schwerfallen. Ein Bruder des Vaters adoptiert ihn, holt ihn nach Berlin, entpuppt sich als getreuer Nazi, der es auch mit der ehelichen Treue nicht so genau nimmt. In den Kriegswirren geht für den Schüler Fritz die Flucht zurück in die hessische Heimat. Rau macht ein glänzendes Abitur, ist überzeugter Pazifist. Ihn packt die Swingmusik: „Swing war fürmich eineMusik, die die Blinden sehend und die Lahmen gehend macht. DurchMarschmusik waren die Lahmen noch lahmer und die Kraftprotze noch protziger geworden.“ In Heidelberg beginnt er 1951 ein Jurastudium, wird aktivesMitglied imdortigen Jazzclub Cave 54 („Club zur Pflege studentischer Geselligkeit“) und verfällt demmusikalischen Genie des Jazz-PosaunistenAlbertMangelsdorff. Sein erstes eigenveranstaltetes Hallenkonzert mit Mangelsdorff wird ein Riesenerfolg. Horst Lippmann, der gut situierte Hotelerbe aus Frankfurt, ist über diese Jahre sein Mentor. Lippmann reist durch die Welt und stellt die legendären, durch Europa tourenden „American Folk Blues Festival“, „Festival Flamenco Gitano“ und „Spiritual + Gospel Festival“ zusammen. Fritz Rau ist sein „Buchhalter der Träume“ und leitet die Agentur vor Ort, bucht Hallen, Hotels, sorgt für den reibungslosen Ticketverkauf und kümmert sich um die Promotion – vom Konzertplakat bis zum Fernsehinterview. 1964wirdRau gleichberechtigter Partner von Lippmann. Bis 1985 veranstalten Lippmann +RauHunderte von Tourneen, unter anderemmit Stars und Bands wie Paul McCartney, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Ike & Tina Turner, Santana, Liza Minnelli, Marlene Dietrich, Bruce Springsteen, Johnny Cash, Eric Clapton oder Diana Ross. Auf dem deutschen Musikmarkt hinterlässt seine Förderung und freundschaftliche Zusammenarbeit für die Karriere von Udo Lindenberg sowie Peter Maffay die größten Spuren. „Rock’n’Rau“ ist eine respektvolle Bezeichnung Raus von Mick Jagger. Die Rolling Stones holt er insgesamt dreimal auf Tournee nach Deutschland. Auch das Bob-Dylan-Konzert von 1978 auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg hinterlässt nicht nur bei Dylan selbst einen nachhaltigen Eindruck. „In der zweitenNacht ruft er mich im Hotelzimmer an und fragt: ,Fritz, what happened in Nuremberg? I did not understand.‘ Und ich erklärte ihm nochmal, dass wir seine Bühne der Hitlertribüne gegenüber aufgebaut hatten, und dass 80.000 Deutsche Hitler den Rücken zudrehten und sich Bob Dylan und seiner Musik zuwandten. Er zögerte einen Moment, als ob er nachdächte. ,Ja‘ sagte er, bevor er das Gespräch beendete, ,so könnte es gewesen sein … maybe.‘“ Fritz Rau verstarb 2013. Aus fünfzig Stunden Tonbandprotokollen von Oktober 1984 bis März 1985 aufgenommen, destillierten die JournalistenKathrin Brigl und Siegfried Schmidt-Joos die 1985 veröffentlichte Biografie, die allerdings wegen eines Verlagsverkaufs sehr schnell wieder vomMarkt verschwand. EinNachwort von Fritz Rau nach seiner Zeit bei Lippmann + Rau sowie ein Ergänzungskapitel der Autoren aus diesem Jahr ergänzen die ursprüngliche Biografie. \ rm konzert KrautrockLegenden Der dritte Versuch nach Corona – Guru Guru spielen im November im Aachener Musikbunker. Kathrin Brigl und Sieg fried Schmidt-Joos Foto: PRIVAT buch Erinnerungen eines großen Impresarios Der Jazz war seine erste große Liebe. Der Konzertveranstalter Fritz Rau erinnert sich. Guru Guru – lebende Legende Foto: Frank Schindelbeck Kathrin Brigl und Siegfried Schmidt-Joos: „Rock’n’Rau“ Reiffer Verlag, Hardcover 400 Seiten, 24 Euro

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