Klenkes - November 2022

11 Warum heißt euer neues Album „nichts“ und nicht „alles“? Chris: Man könnte vielleicht meinen, dass wir ein Konzeptalbum geschrieben haben, das sich um den philosophischen Begriff des Nichts dreht. So ist es nicht. Der Titel hat sich erst herauskristallisiert, als die 13 Nummern halbwegs fertig waren. Da haben wir gemerkt, dass wir uns tiefgründiger mit Themen beschäftigt haben, als wir das in den vorherigen Alben getan haben. Wenn man sich heutzutage hinsetzt und anfängt nachzudenken, kann es sein, dass man auf existenzielle Fragen stößt und merkt, dass es viel Schwarz und wenig Licht gibt. Uns fiel auf, dass dieses Absolute, das in dem Begriff des Nichts steckt, an vielen Stellen des Albums durchschien, auch der Begriff selbst ist in vielen Texten aufgetaucht. David: Uns war wichtig, unseren Pessimismus mit nur einem Wort zu verbinden. Woher kommt dieser Pessimismus? David: Die Texte sind entstanden, bevor Wladimir Putin die Ukraine angegriffen hat. Das unterschwellige und breite Ignorieren von Tatsachen wie der Zerstörung unseres Planeten macht uns fassungslos und wütend. Wir haben glücklicherweise die Möglichkeit, unsere Wut in den Proberaum zu tragen und zu verarbeiten. Deshalb ist unsere Platte wahrscheinlich auch sehr konkret und schonungslos. Wann kam euch die Idee, eine neue Platte aufzunehmen, und wie ging es dann weiter? David: Wir haben sehr früh in der Pandemie mit dem Texten angefangen. Das Fehlen von Auftritten hat uns die Zeit gegeben, uns intensiv mit allen Ideen auseinanderzusetzen und an unserer Platte zu feilen. Ihr habt also erst die Texte, dann die Musik geschrieben. Wie hat sich euer Sound verändert? Chris: Wir finden es sehr schlimm, wenn wir das Gefühl haben, dass wir dasselbe zwei Mal machen. Das führt uns immer dahin, dass wir, je mehr Zeit wir haben, desto mehr Dinge ausprobieren. Dieses Mal haben wir zum Beispiel mehr Instrumente, andere Stimmen und andere Gesänge ins Spiel gebracht und viel wert auf Details gelegt. Das merkt man besonders in unserem Titeltrack „nichts“. Das Album erscheint am 11.11. Welcher jecke Einfall steckt dahinter? David: (lacht) Wir sind jetzt alle keine großen Karnevalsfans. Als unser Management gesagt hat, dass wir das Album am 11.11. veröffentlichen können, hatten wir zunächst nur die Schnapszahl im Sinn. Die fanden wir ziemlich cool. Ein Freund aus Köln hat uns erst auf die Karnevalsverbindung aufmerksam gemacht. Da fanden wir das Datum noch viel cooler. Anfang des kommenden Jahres geht ihr mit eurem neuen Album auf Tour. Ihr spielt unter anderem in Berlin, Hamburg, München, Köln (5.2.) und sogar in Erlangen, in Aachen tretet ihr nicht auf. Bockig gefragt: Was soll das? David: Wir lieben Aachen! Bei der ersten Tour nach der Veröffentlichung einer neuen Platte ist es allerdings immer so, dass man gerne die vier Großstädte besucht. Zwischen Köln und Aachen liegen nur 70 Kilometer. Wenn wir in beiden Städten spielen, fehlen in Köln die Menschen aus Aachen, und am Ende spielst du zwei Konzerte vor einem geteilten Publikum. Damit wäre den Veranstalter:innen, denen wir sehr dankbar sind, bei ihnen auftreten zu dürfen, nicht mit geholfen. Deswegen haben wir uns für unsere erste Tour für Köln entschieden. Wir werden mit dem neuen Album aber sicherlich noch einmal touren. Und dann freuen wir uns sehr, wenn wir im Musikbunker, unseren heiligen Hallen, spielen dürfen. \ In Aachen zu Hause: David Frings, Frank Schophaus und und Chris Hell (von links) gehen Anfang des kommenden Jahres mit ihrem neuen Album „nichts“ auf Tour. Foto: Sophia Roßberg „nichts“ ist das vierte offizielle Album der 2012 gegründeten Aachener Band Fjørt und erscheint am 11. November über das IndependentLabel Grand Hotel van Cleef und kann bereits vorbestellt werden. Das Trio aus Chris Hell (Gesang, Gitarre), David Frings (Gesang, E-Bass) und Frank Schophaus (Schlagzeug) hat insgesamt 13 Lieder eingespielt. Einen Vorgeschmack liefert die im September erschienene Doppelsingle mit den Songs „lod“ und „bonheur“. Die Band startet am 18. Januar 2023 in Rostock ihre Tour. \ AM RANDE Wir finden es sehr schlimm, wenn wir das Gefühl haben, dass wir dasselbe zwei Mal machen. Chris Hell musik Schonungslose Texte Fette Riffs, tiefgründige Poesie: Das Aachener Post-Hardcore-Trio Fjørt präsentiert sich in ihrem neuen Album „nichts“ nachdenklicher als je zuvor. Woran liegt das? Darüber sprechen Chris Hell (Gesang, Gitarre) und David Frings (Gesang, E-Bass) mit Kian Tabatabaei.

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