Klenkes - September 2022

5 In den rund 22.5HHKneipen und 2chankwirtscha>ten in Deutschland arbeiten etwa 156.HHHMenschen. Der Umsatz in der Gastronomie lag im ersten 4uartal 2H22 noch um 48 Prozent unter dem Umsatz im 0orkrisen<ahr 2H18. Die er:>>neten Insol(enz(er>ahren in der Gastronomie sind während der Pandemie<ahre gesunken. \ BUNDES WEIT Es gibt immer weniger Stammgäste, viele haben begonnen zu sparen. Unter der Woche ist das gesamte Geschäft kaputt. JimmVM Inhaber des „Poststübchen“ „Hier ist das Leben“: Christian (links), Paula und Andreas genießen am „Zum Adalbert“ den Feierabend. Oben: Ausgelaugt und besorgt: Jörg Polzin, Betreiber der Kneipen „Sturmfrei“, „Die WG“ und „Kiez Kini“, blickt wenig optimistisch in die Zukunft. Mitte: Vielbeschäftigt: Jimmy steht hinter dem Tresen seiner Kneipe „Poststübchen“. Unten: Dieter Becker leitet das Restaurant „Zum goldenen Einhorn“ und das benachbarte Brauhaus „Goldener Schwan“. Kolleginnen und Kollegen haben bereits oder werden noch ihre Preise erhöhen, und das, während die Gäste selbst immer mehr auf ihr Geld achten müssen. „Ich gebe wegen der gestiegenen Preisemittlerweile weniger für Essen und Trinken aus“, sagtMarcel, dermit zwei Freunden in der Pontstraße abhängt. Sie trinken „Kioskbier“. Auf Aachens Partymeile gibt es am Freitagabend kaum ein Durchkommen. Diejenigen, die keinen Sitzplatz in einer der zahlreichen Kneipen gefunden haben, stehen so wie die drei auf der Straße. Es sind viele. Von Sparsamkeit fehlt im Poststübchen am Kapuzinergraben am einzigen besetzten Tisch imInnenraum jede Spur. Sepp, Gerhard, Meggi, Klaus-Josef undGünther teilen sich um Viertel vor zehn zwei Bierdeckel: einmal 13, einmal acht Striche für Bier. „Wir unterstützen die Brauereien“, sagt Sepp. Die Gruppe ist gut gelaunt. Auch sie sticht hervor. Meggi ist 71 Jahre alt, sie ist die jüngste. Die Gäste, die vor der geöffneten Tür stehen, sind wesentlich jünger. Die fünf kennen sich teilweise schon aus Jugendzeiten, sind gemeinsamzur Volksschule gegangen und treffen sich seit 40 Jahren jeden Freitag amStammtisch, wie Günther stolz berichtet. Sie sind laut Jimmy, wie der Inhaber der kleinen Kneipe genannt wird undwerdenwill, eine Rarität. „Es gibt immer weniger Stammgäste“, sagt er. Viele hätten begonnen zu sparen. „Unter derWoche ist das gesamteGeschäft kaputt.“ Er habe die gestiegenenKosten an seine Kunden weitergeben müssen. „Das kam nicht gut an.“ Heute ist er wie Polzin dauerbeschäftigt, für ihn ist Personal ebenfalls „ein Riesenthema“. Der Schein trügt. Volle Terrassen und Sitzplätze wie in der Pontstraße, am Elisenbrunnen und am Markt retten die Gastronomie nicht. Dieter Becker, der das Restaurant „Zum goldenen Einhorn“ und das benachbarte Brauhaus „Goldener Schwan“ betreibt und stellvertretender Dehoga-Vorsitzender in Aachen ist, fasst zusammen: „DasWasser steht uns immer noch bis zumHals. Weil wir die Schulden der letzten zwei Jahre zu verwalten haben, weil die Umsätze noch nicht dort sind, wo sie vor Corona waren. Und weil jetzt noch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges hinzukommen.“ Zudemsei die Sorge vor coronabedingten Einschränkungen im Herbst und Winter immer präsent. „Wir können auf keinen Fall neue Auflagen gebrauchen.“ Von der Kommunalpolitik fordert der 55-Jährige, „dass man den Gastronomen nicht noch Knüppel zwischen die Beine wirft“. Wo führt das alles hin? „DieMenschenwerden begreifenmüssen, dass Gastronomie nicht umsonst zu haben ist. Es wird teurer werden, aber es ist es auch wert“, sagt Becker. Polzin prognostiziert: „So wie es aussieht, werden viele inAachen aufhören. Irgendwannwerden die Leute, die rausgehen wollen, nicht mehr die Möglichkeit dazu haben, weil keine Läden mehr da sind.“ Kaum vorstellbar an diesem proppenvollen Freitagabend in Aachen. Endlich ist wieder Bewegung in der Stadt. Es wäre schön, wenn das so bliebe. ImSommer wie imWinter, in denKneipen, den Bars, den Parks und der Innenstadt. Wir sind uns sicher, wäre das anders, wäre das nicht nur für Andreas, Christian und Paula dramatisch. \

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