Klenkes - September 2022

magazin 4 2eptember 2H22 Biergärten und Parks sind wieder voll vonMenschen, die das Ausgehen zelebrieren. Wer trifft sich wo und warum? Eswird erzählt, gewürfelt und getrunken. Die Stimmung ist gelöst. Hinter den Thekenmachen sichdieGastwirte ganz andere Gedanken. Hier ist die Zukunft präsent und die Auswirkungen von Corona noch spürbar. Heiß ist es an diesem Freitag im August. Auch noch nach 19 Uhr sind es rund 30 Grad. Doch in der ersten angelaufenen Kneipe „ZumAdalbert“ sitzt Andreas und trägt seine Arbeitshose. Der Elektriker kam gleich nach seinemDienst, so wie jeden Freitag. Gemeinsam mit seinem Kumpel Christian läutet er seit fünf Jahren – zumindest sowie es die Corona-Regeln erlaubten – mit frisch gezapften Pils das Wochenende ein. Auch Christians Freundin Paula ist diesmal dabei. Sie sitzen draußen auf leichten Korbstühlen an einem kleinen Klapptisch. Die Kneipe „Zum Adalbert“ liegt an der Kreuzung Adalbertsteinweg/Sedanstraße, ein Knotenpunkt im Ostviertel. Insgesamt 14 Ampeln lassen sich von den Außenplätzen aus überblicken. „Es ist immer was los“, sagt Christian. „Wir nennen es den Aachener Times Square. Hier ist einfach Leben.“ Zwischen den anderenGästen fällt das Trio auf. Christian ist 30 Jahre alt, Paula 24 und Andreas 33. Im „Zum Adalbert“ sind die Gäste in der Regel deutlich älter. Den dreien ist das egal. Sie habenWürfel und Becher mitgebracht und sich eine grandiose Zeit vorgenommen. Weiter geht für den Klenkes Richtung Innenstadt. Und zwar mitten durch das Frankenberger Viertel. Grandios soll auch der Abend für Emilia und ihre fünf Freundinnen und Freunde werden. „Wir wollen später feiern gehen“, sagt die 21-jährige Studentin gegen acht Uhr.Wo, da ist sich die Gruppe noch nicht sicher. Das stimmt hier aber niemanden nervös. Sie sitzen bequem auf einer Decke imFrankenberger Park und sie haben eine riesige drei Liter schwere Sektflasche mitgebracht, die noch gut gefüllt ist. Und sonst? Es riecht nach Cannabis auf der Wiese an der Burg. Die Nase führt zu einer weiteren fünfköpfigenGruppe. NebenGras gibt es auch hier Sekt, außerdemBier und kaltenMate-Tee. Kneipen seien nicht so ihr Ding, erläutert die 19-jährige Lio. „Im Park ist es entspannter und deutlich günstiger.“ Mo ergänzt: „In Kneipen nerven die Macker.“ Offensichtlich gehen hier die Meinungen stark auseinander. Die Außenbereiche und die Kassen der zahlreichen Kneipen, Bars und Kioske füllen sich. Seit April dieses Jahres, seitdem es so gut wie keine einschränkenden Corona-Maßnahmen mehr gibt, laufen die Geschäfte besser. Laut dem Statistischen Bundesamt stieg der Umsatz in der Gastronomie im Mai 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 88 Prozent. Nach Luftsprüngen ist den meisten Gastronomen dennoch nicht zumute. Auf demWeg weiter durch die Stadt treffen wir auf Gastronomen, die sich über leere Plätze zwar nicht beschweren können, selbst aber kaum mehr in Feierstimmung kommen. „Wir sind ausgelaugt“, sagt Jörg Polzin. Der 55-Jährige betreibt drei Kneipen in der Promenadenstraße: „Sturmfrei“, „Die WG“ und „Kiez Kini“. Viel Zeit zu sprechen hat er nicht, Gäste warten auf ihre Getränke, der Chef ist gefordert. Er beschäftige gegenwärtig dreiMitarbeitende – für alle drei Kneipen. Vor der Pandemie seien es noch 15 gewesen. Das „Kiez Kini“ könne er momentan nur vermieten, „Die WG“ ist unter der Woche geschlossen. Die Personalnot ist groß. Seine studentischen Aushilfskräfte hätten die zwei Pandemiejahre genutzt, um ihr Studium zu beenden, erläutert Polzin. Gleichzeitig seien wegen der Online-Vorlesungen lange Zeit keine neuen Studierenden nachgekommen. Hinzu komme, „dass die Leute zögern, einen Job in der Gastronomie anzunehmen. Sie haben Angst, in zwei Monaten wieder auf der Straße zu stehen“. Das Problem betrifft die gesamte Branche. Eine im Juni durchgeführte Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hat ergeben, dass bundesweit mehr als 60 Prozent der gastgewerblichen Betriebe Fach- und Hilfskräfte suchen. Der Personalmangel ist das eine. Noch größere Sorgen bereiten vielen Gastronomen jedoch die Inflation, besonders die hochschnellenden Energiekosten. Polzin und seine Fotos: Kian Tabatabaei Die Gäste kommen in Scharen, aber … Die Menschen strömen in diesem Sommer wieder in die Stadt. Ein sommerlicher Rundgang durch Aachen – mit Stippvisiten und Gesprächen. Von Kian Tabatabaei Oben: Blick in die Milchstraße: In der Aachener Innenstadt sind am Freitagabend jede Menge Menschen unterwegs. Wir sind ausgelaugt. Hinzu kommt, dass die Leute zögern, einen Job in der Gastronomie anzunehmen. Sie haben Angst, in zwei Monaten wieder auf der Straße zu stehen J:rg PolzinM #etreiber „2turm>rei“M „Die WG“ und „Kiez Kini“

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