Klenkes - September 2022

21 Sie machen uns zum Voyeur, zum stillen Beobachter, der sich ein Gefüge von außen anschauenundprivat doch nicht entfliehen kann. Denn jeder hat sie: Eine Familie, ein Konstrukt, das mit eigenen Regeln funktioniert, in dem jeder seine Rolle hat, ob er sie nun will oder nicht. Nis-Momme Stockmann gehört inzwischen zu den bedeutendsten Theaterautoren der jüngerenGeneration. In der Kammer des Theater Aachen kommt nun sein Stück „Das Imperiumdes Schönen“ in der Inszenierung vonMoritz Peters auf die Bühne. ImMittelpunkt stehen die Brüder Falk undMatzemit ihren jeweiligen Partnerinnen, die gerade in Japan angekommen sind und die dort den Clash der Kulturen – innerhalb der eigenen Familie – erleben. Ein Kammerspiel, eine sehr deutscheGeschichte vor der Folie einer fremdenKultur, wie Dramaturg Reinar Ortmann betont. Zudem sei es ein Stück, das sehr stark über denDialog funktioniere und darüber Macht und Dominanz aufzeige. Der Regisseur Moritz Peters betont, es seien hier schon die ganz genauen Nuancen, die kleinen Halbsätze, die eine große Bedeutung entwickeln. Stockmanns Werk habe durchaus witzige Momente und sei auf Pointen geschrieben, mache aber auch nachdenklich. Dabei bleibt lange unklar, wo das eigentliche Problem liegt, wenn sich der Streit von Falk (Thomas Hamm) und Maja (Tina Schorcht) immer weiter aufbauscht und auf eine Ohrfeige hinsteuert. Beiden fehle die Fähigkeit „jemanden sein zu lassen“. Und so gibt es keinen klaren Schuldigen oder Bösen, sondern es ist das Konstrukt innerhalb einer Familie, das jeden zum Mitwirker und Mitverantwortlichen macht. Auf der Bühne des Theater Aachen steht im September ebenfalls ein Stück über eine Familie auf dem Plan. Wobei man hier eher von einem ganzen Epos mit großer Ensemblebesetzung sprechen muss. Martin Schulze (Regie) und Inge Zeppenfeld (Dramaturgie) nehmen sich dem Roman „Jenseits von Eden“ von John Steinbeck an und zeigen in einer Fassung von Ulrike Syha nicht nur den Teil der Geschichte, den man aus dem Hollywood-Blockbuster mit James Dean kennt, sondern die gesamte Familiensaga über drei Generationen. ImMittelpunkt die noch immer aktuelle Frage: Wie sehr beeinflusst die Familie die Entwicklung eines Menschen? Und in welche Richtung geht diese Beeinflussung – zum Guten oder zum Bösen? Zeppenfeld selbst kamdie Idee Steinbecks Klassiker auf die Bühne zu bringen: „Der Stoff ist ganz einfach toll, er spiegelt so viel wider. Und wenn wir schon ein Epos auf die Bühne bringen, dann richtig und vollständig.“ Die biblische Erzählung von Kain und seinem Bruder Abel stand Pate für diese dramatische Familiengeschichte. Steinbeck übertrug das alttestamentarische Gleichnis auf die Konflikte einer amerikanischen Familie über drei Generationen von derMitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Zeppenfeld und Schulze wiederummachen es zeitlos. „Es ist ein Sozialdrama, das sich in jeder Zeit und an jedem Ort abspielen kann“, so Schulze. Und genau das macht den Reiz aus. Beim Inszenieren und Zuschauen. Ein großes Stück für die große Bühnemit Video-Installation undMusik von Schauspielmusiker Malcom Kemp. Und so unterschiedlich „Jenseits von Eden“ und „Das Imperium des Schönen“ in ihrer Form, Darstellungsweise und Struktur sind, lassen sie den Zuschauer einen tiefen Blick hineinwerfen in den Mikrokosmos Familie. Ein Thema, das niemals aus derMode kommt. Und deshalb schon immer den Nerv der Zeit und das Interesse der Zuschauer getroffen hat. Ob als Kammerspiel, großes Schauspiel oder beides, ist Ihnen überlassen. \ 16., 23. +27.9. „Das Imperium des 2ch:nen“ 20 Uhr, Kammer, Theater Aachen ab 24.9. „Jenseits (on Eden“ 19.30 Uhr, Bühne, Theater Aachen ↗theateraachen.de Im September beginnt am Theater Aachen die neue Spielzeit. Das Theater Aachen er:>>net im2chauspiel au> der groJen#ühne und in der Kammer mit „Jenseits (on Eden“ und „Das Imperium des 2ch:nen“. Was >asziniert so an2tückenM die sich thematisch mit dem Konstrukt Familie beschä>tigen? Ein0orbericht. Von Kira Wirtz Foto: ???????????? Im2eptember startet die 2pielzeit 2H22I2; am Theater Aachen. 0or <edem2tückM ob 2chauspiel oder MusiktheaterM wird es wieder eine halbK stündige Ein>ührung geben. Fier die Premieren des Theater Aachen: ab 11.9. „Der Alpenk:nig und Menschen>eind“ 18 Uhr, Bühne ab 16.9. „Das Imperium des 2ch:nen“ 20 Uhr, Kammer ab 22.9. „Die Freiheit der Frau“ 20 Uhr, Mörgens ab 24.9. „Jenseits (on Eden“ 19.30 Uhr, Bühne SPIEL PLAN Der Stoff ist ganz einfach toll, er spiegelt so viel wider. Inge _eppen>eld UDramaturgieT Los bühne geht’s!

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