Klenkes - September 2022

17 Polizeieinsatz im Freibad: Was in den Nachrichten längst traurige Sommer-Realität geworden ist, präsentiert sich im Kino als flotter Auftakt des neuen Films von Regisseurin Doris Dörrie („Männer“, „Kirschblüten – Hanami“, „Nackt“). Doch Fehlalarm – schließlich gibt es in diesem Freibad überhaupt keine Männer, nur Frauen haben Zutritt. Probleme und Problemchen gibt es gleichwohl auch hier, wo Besucherinnen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und gesellschaftlichenKlassen aufeinander treffen. Eva (Andrea Sawatzki) und Gabi (Maria Happels) gehören zu den Stammgästen des einzigen Frauenfreibads Deutschlands. Die eine ein feministischer Freigeist, die andere eine vermögende Modeliebhaberin. Der Wellness-Faktor wird getrübt, als eine türkischstämmige Großfamilie auftaucht. Nicht nur der Qualm ihres Grills sorgt für Ärger, die traditionsbewusste Tochter Yasemin (Nilam Farooq) zieht auch komplett bekleidet imBurkini ihre Bahnen. Als Protestaktion hüpft Eva spontan oben ohne ins Wasser, woraufhin die schwarze Bademeisterin siemit schweizerischemDialekt sofort zur Ordnung ruft. Auffallend unangestrengt spielt die Handlung an ein paar heißen Sommertagen ausschließlich im Bad. Mit erfrischender Leichtigkeit werden dort die ausgetretenen Pfade der gängigen Culture-Clash-Komödie verlassen. In diesem Freibad sonnen sich Slapstick undKlamauk gleichermaßen, wobei der nachdenklicheWitz nie fehlt. Burka-Verbot? BodyBashing? Altersängste? Selbstbestimmtheit? Vorurteile? Rassismus? Toleranz? Politische Korrektheit? Woke-Gebaren? Doris Dörries Themen könnten ganze Kirchentage füllen. Glücklicherweise gelingt es der Filmemacherin, die schwere Kost mit leichter Hand zu präsentieren. Serviert wird ihr ComedyMenü von einemumwerfend ulkigen Ensemble, demdie Sache sichtlich Spaßmacht und das sich die Pointen-Bälle ganz uneigennützig zuspielt. Wenn des Nachts immer wieder die aufblasbaren Plastiktiere über dasWasser gleiten, werden daraus wunderbare Pausenbilder zum Nachdenken. Etwa über jenes bewegende „Du-Sein“-Plädoyer der Transfrau Kim, das beinahe Klassiker-Potenzial besitzt. In dieser Gesellschaftskomödie geht’s ziemlich ans Eingemachte – aber mit bebendem Zwerchfell stattmit erhobenemZeigefinger. Ein Glücksfall fürs Publikum und einer der besten Filme der erfolgreichsten Regisseurin der Republik. Als Sahnehäubchen gibt es eine tolle Graphic Novel von Paulina Stulin zum Film – damit kannman „Freibad“ kurz vor Saisonende sogar mit ins Freibad nehmen. \ „Freibad“ D 2H22II 3: Doris D:rrie 2tart: 1.8. S 1H2 Minuten S F2K 12 5schlugen (or einiK gen Jahren 2treiteK reien im Lorettobad in Freiburg. Wiederholt waren in DeutschK lands einzigem FrauK en>reibad #esucheK rinnen aneinander geraten. In ErmanK gelung (on genüK gend weiblichem PerK sonal wurden 2H17 auJerdem Männer als 2chwimmmeister einK gesetztM was manche Gäste als _umutung emp>anden. Die EreigK nisse lie>erten Doris D:rrie die Grundidee zu „Freibad“M die sie zusammen mit Karin Kaai und Madeleine Fricke in ein Drehbuch (erwandelte. \ HOHE WELLEN Die Regeln für unser Zusammenleben müssen von allen zusammen neu verhandelt werden, und das wollten wir in unserem kleinen Mikrokosmos, dem Freibad, möglichst komisch erzählen. 3egisseurin Doris D:rrie Im sommerlichen Frauenfreibad ist die Welt nur vermeintlich noch in Ordnung. film Bitterböses Schwimmvergnügen Doris D:rrie lädt tragikomisch ins „Freibad“ – Männer müssen drauJen bleiben. Von Dieter Oßwald Foto: !onstantin Film

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