Klenkes - September 2022

musik 1; buch Fakten & Fiktionen Da(id Mitchell schreibt einen3omanKWälzer über die2winging 2iWties in London Es ist Märchenzeit, liebe Kinder. Die, die ihr die aufregenden 60er Jahre miterlebt habt, dürftet euch pudelwohl fühlen in DavidMitchells neuestem Roman „Utopia Avenue“: 750 Seiten prallvolle Geschichten aus den Swinging Sixties in London. Protagonisten zuhauf – von Jimi Hendrix über Brian Jones bis hin zu Sandi Shaw, Syd Barrett, Francis Bacon, AllenGinsberg oder Leonard Cohen. Der Plot greift den Alltag einer (fiktiven) aufstrebendenMusikband auf. In denNebenrollen: Drogen, Sex, Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg. Flower-Power als Antrieb für gesellschaftliche Umbrüche nicht nur in England – sondern überall zwischen San Francisco, Paris und Berlin. Mitchell schöpft aus dem Vollen, um die Vibes dieser Zeit zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Fiktiv ist hingegen die Geschichte einer Band namens „Utopia Avenue“. Der bisher erfolglose Manager Levon Frankland setzt fast reißbrettartig eine Band zusammen: eine aus der Folkmusik kommende Sängerin/Pianistin aus bürgerlichen Verhältnissen, ein Jazz-geschulter Schlagzeuger (Ginger Baker kommt einem in den Sinn), der selbstbewusst auftretende Bassist Dean, den sein elterliches Arbeitermilieu immer wieder einholt, sowie ein an einer schweren Psychose leidender, alles könnender Freigeist an der Gitarre. Er, ein verstoßener Sohn aus einer niederländischenDynastie, der die Ferien in seiner Jugend im (vielen Aachenern nur zu bekannten) Domburg verbringt. Fertig ist das Casting einer Band, die sich auf den ersten 400 Seiten – trotz eines Auftritts bei „Top of the Pops“ mit Album und zwei Singles mehr mit kommerziellen (und privaten) Rückschlägen befassen muss. Der englische Schriftsteller David Mitchell wurde vor allem mit seinem Roman „Der Wolkenatlas“ (Cloud Atlas), der 2012 von Tom Tykwer („Lola rennt“/„Babylon Berlin“) und den Geschwistern Wachowski („Matrix“) mit unter anderem Tom Hanks verfilmt wurde, bekannt. Mitchell flicht auch witzige fiktive Bezüge zu Tykwer und Co. in den Roman ein. So gibt es hier zum Beispiel die seltene Pressung einer Platte des „Wolkenatlas Sextetts“: „Aufgenommen in Leipzig vonR. Heil, J. Klimek & T. Tykwer, 1952“ – diese drei verantworteten den Soundtrack zu „Cloud Atlas“ und „Babylon Berlin“ – undwaren 1952 noch nicht gar auf dieser Welt. „Utopia Avenue“ bleibt eher eine Leseempfehlung fürMusik-Aficionados dieser spannenden Epoche. Literarisch bleibt Mitchell hier unter seinenMöglichkeiten: Die Sprache ist oft simpel, die Szenerienwechseln bruchstückhaft und unentschlossen zwischen Fiktion undMitchells Bestreben, hier auch ein Stück realer englischer Sozialgeschichte dieser Zeit für die Leser erfahrbar zu machen. \ rm Der englische Schriftsteller David Mitchell Foto: Eoin 6$!onaill David Mitchell „Utopia Avenue“ 3owohlt 0erlag 745 2eiten 26 Euro www.mobilitaetswoche.eu www.umweltbundesamt.de Better connections – Besser verbunden Aktionswoche zur nachhaltigen Mobilität in Aachen Mehr auf www.aachen.de/emw 2022

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