Klenkes - August 2022

magazin 6 August 2022 10.000 Stunden auf dem Bau Geschafft: Die Meffis haben ihr Kreativzentrum endlich eröffnet. Das hat ganz schön Strahlkraft, in mehrfacher Hinsicht. Kräftiges Grün, Gelb, Orange und Violett leuchtet aus den Lokalen an derMefferdatisstraße 14-18, die in den vergangenen zwei Jahren von einigen Fachleuten und einer Menge Ehrenamtlichen zu Co-Working-Space, Kreativ-Atelier mit Werkstatt, einem Café und einer Kulturbühne hergerichtet worden sind. Die Schaufenster rundherum hingegen sind dreckig und leer, der Blick aus den erhaltenen Buntglasfenstern fällt auf eine graue Wand. Um die Ecke: Aachens Rotlichtviertel und der Büchel. So richtig passen die Räume der sogenanntenMeffis nicht an diesen eher trist wirkenden Ort. Oder? RowanHinkle-Johnson sieht das anders. Sie ist Bauleiterin auf der Baustelle der Meffis. „Wir wollen hier positive Energie verbreiten. Unser Gedanke ist es ja gerade, sich zu vernetzen.“ Und damit meint sie eben nicht nur verschiedene Initiativen. Bald soll das Lokal als Refill-Station für Wasser gekennzeichnet werden, Toiletten dürfen von allen genutzt werden. „Öffentliche Toiletten fehlen hier in der Ecke schließlich, das riecht man.“ ArchitektMarkus Ulrich aus demPlanungsbüro Archigraphus ergänzt: „Die vier Schaufenstermit toller Auslage werden das Straßenbild komplett verändern.“ Neben dem Verein „Hi, wir sind die Meffis e. V.“, der auch denMietvertragmit der Städtischen Entwicklungsgesellschaft (Sega) abgeschlossen hat, gibt es bereits über 60 Initiativen, die in irgendeiner Form angedockt sind. Sie haben den Raummitentwickelt und wollen ihn für ihre Zwecke nutzen. Etwa 200Mitglieder habe der virtuelle Arbeitsplatz derMeffis, zu den Bautagen sind auch immer einige helfendeHände vor Ort. Der letzte findet im Juli statt, eineWoche vor der offiziellen Eröffnung. Aufregung liegt in der Luft. Wird die Abnahme des Bauamts reibungslos verlaufen?Werden die Leute das Angebot amEröffnungswochenende annehmen? Im Café steht Erwin Saumweber und erklärt Helfer Martin, was noch an der Deckenbeleuchtung aus LED-Leisten zu tun ist. „Ich habe das schon ein paarmal gemacht und gebe das Wissen nun weiter“, sagt das Vorstandsmitglied. So funktioniert vieles auf der Baustelle: Ehrenamtliche werden etwa von Elektroniker Georg Wüller angeleitet und erledigen Arbeiten, die sie auch als Laien übernehmen können. „Wir haben so in der Bauphase 800 bezahlte Arbeitsstunden, also etwa 15.000 Euro, gespart“, sagt Patricia Yasmine Graf. Die Künstlerin bezeichnet sich selbst als „Mitvisionärin des Projekts seit der ersten Begehung“ und hat denUmbau der vier Läden mit Unterstützung der Stadt an den Start gebracht. Insgesamt seien rund 10.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit in das Projekt geflossen. Dass das so gut funktioniert, hätteMarkus Ulrich vorher nicht gedacht. Und noch etwas Ungewöhnliches bemerkt der Architekt: Die Arbeiten haben das eher schmale Budget nicht überschritten. „Stadt von morgen“ bedeutet auch, nachhaltig und sozial an Planungen heranzugehen. Viele Möbel kommen vom Sperrmüll oder wurden den Meffis geschenkt. In den Räumlichkeiten wird an einigen Stellen sichtbar, dass die Gebäude aus den 1960er-Jahren stammen. So wurden bei den Arbeiten an die Wände geschriebene Rechnungen freigelegt, die auch weiterhin sichtbar bleiben. Bei all den Planungen hatte das Teamdie 17Nachhaltigkeitsziele der UN imBlick. Und falls die Nutzung einmal nicht mehr durch die Meffis geschehen sollte, seien die Räume so renoviert, dass sie jederzeit auch für andere Zwecke infrage kämen. Das ist aber Zukunftsmusik. Mitte Juli feiern viele Unterstützer:innen die Eröffnung des Zentrums. Zum Tag der offenen Baustellentür – wie viele Materialien hat die Eingangstür Lieferverzögerungen – ist das Café eröffnet, Besucher:innen bedrucken sich Beutel und Shirts mit der Siebdruckmaschine und draußen legt ein DJ auf. „Es entsteht eine Fläche für die Menschen rund um den Büchel“, sagt Patricia Yasmine Graf. Sie wirkt glücklich – und auch ein bisschen stolz.\ svs ↗meffis.org Joachim Schmidt, Patricia Yasmine Graf, Rowan Hinkle-Johnson und Markus Ulrich gehören zu denjenigen, bei denen die Fäden zusammenlaufen. Schmidt und Ulrich betreiben das Architekturbüro Archigraphus und begleiten gerne Projekte, die eine Stadt der Zukunft vorantreiben. Fotos: Svenja Stühmeier

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