Klenkes - August 2022

magazin 4 August 2022 Architektur, Ernährung, Wasser und Energie, Gesundheit, Ökologie, Ökonomie, Kommunikation, Bildung, Kunst, Spiritualität, Gemeinschaft, Verantwortung: Ganz schön viele Aspekte, die die 4-Linden-Bewohner in ihremAlltag beachtenwollen. Und nicht nur das, sie legen Wert darauf, kein in sich geschlossenerMikrokosmos zu sein. Sie suchen und finden immer wieder neue Möglichkeiten, das, was sie für ein friedliches und nachhaltiges Zusammenleben erarbeitet haben, an ihre Mitmenschen weiterzugeben. Denn eins wird spürbar, sobald man durch das rote Holztor tritt: Auf diesem Hof ist Besuch absolut willkommen. Andreas Diltheywohnt seit 40 Jahren amselben Ort. Trotzdem ist er schon viele Male umgezogen. Auf seinemGrundstück stehen schließlich viele Häuschen und Wagen, die er laut eigener Aussage alle schon einmal irgendwie bewohnt hat. Als er vor ein paar Jahren dann denWunsch hatte, sich etwas aus demHoftrubel zurückzuziehen, hat er sich sein Areal hinter dem Seminarraum geschaffen, das eben zu diesem Bedürfnis passt. Hinten auf demGrundstück steht nun sein neues Lehmhaus, nebenan Lagerraum, überdachter Außenbereich und Atelier, davor eine Freifläche und Blumenbeete. Wobei „neu“ hier relativ ist, denn der Architekt hat zu großen Teilen Baustoffe verwendet, die sonst auf demMüll gelandet wären. Bänke hat er etwa aus nicht mehr verwendeten Gerüsten gebaut, den alten Dachstuhl aus demHaus seiner Eltern hat er zu Balken verarbeitet. Upcycling, Recycling, Foodsharing, ein ressourcensparsames Leben: „Andreas macht das, was heute ein Trend ist, schon seit 40 Jahren“, sagt Gina Mues und schmunzelt dabei. Die 61-Jährige lebt ebenfalls seit 2019 auf dem Hof, genannt „4 Linden“. Und so sieht’s da auch aus. Irgendwie öko, irgendwie hippiemäßig, irgendwie anders als andere Höfe – die gelebte Utopie? Nee, eben nicht. „Das ist nicht immer ein Vorteil, wenn die Leute diesen Bullerbü-Eindruck von uns haben“, sagt Andreas Dilthey. Der 65-Jährige hat als Student für kleines Geld das Grundstück gekauft. Als er damals die Tür des Landarbeiterhauses aufschloss, sei sie ihm samt Rahmen entgegengefallen. Heute, viele Lehmbauten später, kämen Besucher zu einer der Veranstaltungen auf 4 Linden, staunten, erfreuten sich an all demGrün und dem Ideenreichtumund sagten so etwas wie „das ist ja ganz toll, was ihr hier macht“. Und dann verlassen sie das Kleinod und gehen zurück in die Welt, die sie als real und vor allem als einzig funktionierende ansehen. Ausprobieren statt schwadronieren Andreas Diltheys Intention ist jedoch eine andere. „Ich habe überlegt, wie ich etwas verändern kann.Wie wir ein ökologisches, nachhaltiges und enkeltaugliches Leben führen können.“ EinDreivierteljahr war ermal in der Politik vertreten. „Da habe ich gemerkt, dass mir die Entscheidungsprozesse zu lange dauern. Ich wollte alles direkt ausprobieren.“ Das macht er zusammenmit vielen anderen Menschen auf 4 Linden. 15 von ihnen leben dauerhaft dort, eine große Anzahl weiterermietet sich in die Airbnb-Wagen ein, arbeitet einige Zeit auf dem Grundstück mit (sogenannte Wwoofer) oder kommt zu den Veranstaltungen. Wie viele Leute da im Jahr so ein und aus gehen? Andreas Dilthey kann es nicht sagen. „Tausend bestimmt.“ Gina Mues, Kim Kerkhof, Andreas Dilthey und Gesa Kiesow leben auf 4 Linden. Hinter ihnen: Ein Fachwerkhaus, das Andreas Dilthey mit Studierenden aus dem Münsterland hergebracht und hier wieder aufgebaut hat. Sechs Kilometer vom Stadtkern entfernt liegt 4 Linden. Die Hofbewohner versuchen, eine bewusste Lebensweise an den Tag zu legen. Und das in vielen Bereichen. Zwölf, um genau zu sein. Von Svenja Stühmeier Fotos: Svenja Stühmeier Bloß kein Bullerbü Am Sonntag, 7. August, macht Dilthey eine Hofführung. Im Anschluss gibt es eine Eselwanderung. Am Dienstag, 9. August, sind alle Kinder zum Waffelessen eingeladen. Der 14. August steht im Zeichen der Wolle. Mit Künstlerinnen aus Belgien, die zum Beispiel spinnen, häkeln und filzen. AUGUST TERMINE

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