Klenkes - Juni 2022

YEAH„LOTHRINGAIR“! STEILERSTART ZUKUNFTSMUSIK Aachens kultigstes Straßenfest findet endlich wieder statt Das „Kimiko“ macht sich mit Musik, Slams und Wissenschaft auf dem Campus Melaten breit Mit „Ombra Felice“ kommen die Studis am Theater vom Hörsaal auf die Bühne G1657E Juni 2022 48. Jahrgang kostenlos ↗klenkes.de 06 Mehr Termine. Mehr Kultur. Sonderthema Ferien zu Hause Kurztrips, Festivals ab Seite 27 JOHN MCLAUGHLIN Eine Gitarrenlegende zu Gast auf BURG WILHELMSTEIN +++ BAP +++ BOSSE +++ DANGER DAN +++ FISCHER-Z +++ THE HOOTERS +++ TORSTEN STRÄTER +++ MAX MUTZKE +++ ANGELO KELLY +++ BÜLENT CEYLAN +++ STEFANIE HEINZMANN +++ KASALLA +++ KONSTANTIN WECKER +++ HERBERT PIXNER +++ OPEN-AIR-KINO und viele weitere

Bei der Vinotherapie badet man in den Trestern, die nach dem Keltern übrigbleiben. Sie stammen vomWeingut St. Martinus. So exklusiv wie wohltuend! Cauberg 25-27 Valkenburg aan de Geul Niederlande Bei Buchung einer Vinotherapie-Session wird man mit einem Gläschen Olivier des Weinguts St. Martinus verwöhnt. ZumGenusserlebnis gehört zudemdie herrliche Aussicht auf das Südlimburger Hügelland. Das Weinbad bei Thermae 2000 kann ab 99 Euro für zwei Personen gebucht werden, doch natürlich kann man es mit einer Übernachtung inklusive Dinner im Restaurant Pure mit passenden Weinen perfekt abrunden. Zeitige Reservierung empfohlen, unter: de.thermae.nl/weinbader Die Trester stammen von der Monarch-Traube, die Stan Beurskens vomWeingut St. Martinus – einem der bekanntesten Weingüter Limburgs mit Weinbergen im ganzen Hügelland – für den Rotwein Olivier verwendet. Sie sind herrlich farbintensiv und machen das Bad zum Fest für die Sinne. Dem in den Trauben enthaltenen Antioxidans Resveratrol wird von manchen Studien ein hautstraffender und glättender Effekt zugeschrieben. Für eine optimale Wirkung geht dem Weinbad ein Scrub voraus. Nach dem Bad fühlt man sich unendlich wohl in seiner Haut. Vinotherapie Tolle Aussicht In Wein regelrecht einzutauchen, das klingt nach wohliger Entspannung. Auf der Spitze des Valkenburger Caubergs (NL) ist es seit kurzem möglich. Mit Aussicht über das Limburger Hügelland bietet Thermae 2000 seinen Gästen ein einzigartiges Wellness-Erlebnis: die Vinotherapie. In Wein baden mit Aussicht über das Hügelland

inhalt 3 Fotos: oben links: Thomas Langens, oben rechts: DLE, unten links: Oslo Pictures, unten Mitte: Loni Liebermann, unten rechts: Kira Wirtz 4magazin 15film 10musik 27spezial 18bühne Liebe Leserinnen und Leser, die erste Jahreshälfte ist fast vorbei, der Sommer beginnt und mit ihm die Ferienzeit. Bis sich die Theater in ihre Sommerpause verabschieden, werden noch die letzten Produktionen der aktuellen Spielzeit gezeigt. Das Grenzlandtheater lässt mit „Saturday Night Fever“ das Theater zur Musicalstage werden (Seite19), das Theater Aachen schickt die Studierenden der Hochschule für Musik und Tanz auf die große Bühne (Seite 20) und das Theater K eröffnet bei der Premiere von „Dieser Eine“ gleich eine neue Spielstätte (Seite 21). Zudem wurden die Produktionen für die nächste Spielzeit im Das Da-Theater und dem Theater Aachen bekannt gegeben – alles dazu gibt es im Juli-Klenkes. Aber noch mehr findet statt, bis NRW in die Ferien startet: „Musik, Musik, Musik!“, will man da rufen. Und zwar draußen. Die Festivalsaison ist eröffnet: Gierig nach Open AirEvents an heißen Sommertagen und lauen Sommerabenden, können wir uns hier in der Redaktion gar nicht entscheiden, was wir alles erleben wollen. Aber Festivals in der Region bedeuten nicht nur Musik, sondern auch Kunst, Performance und Straßenkult. Zwei Festivals möchte ich jetzt aber noch erwähnen, weil ich mich gerade bei den beiden wirklich freue, dass sie 2022 wieder stattfinden können. Das „Lothringair“ (Seite 6), ein Straßenfest, das seinesgleichen vergebens in Aachen sucht und das dem Klenkes-Team schon wunderbare Stunden am eigenen Stand beschert hat. Und das „Kimiko“, das mit seinem Programm, der Location und Atmosphäre ebenfalls eine große Bereicherung für Aachen ist. So genug geschwärmt. Machen Sie sich ein eigenes Bild. Zuerst beim Lesen, dann beim Hingehen. Bei zwei Events sehen wir uns. Definitiv! magazin 4 Yeah, „Lothringair“! Nach zwei Jahren zurück und so kultig wie eh und je. 6 Fotos im Bunker of Arts Krisenjournalistin und Fotografin Nathalie Bertrams gastro 8 Freiluft-Restaurant Beim „Les Epicuriales“ in Lüttich gibt es Haute Cuisine rund um das Museum La Boverie. musik 10 Titel: Gitarren-Legende John McLaughlin besucht die Burg Wilhelmstein mit seiner Band The 4th Dimension. 12 Die MADI macht’s Überdreht-intelligentes Raptheater made in Aachen – „Wack to the Future“ von Dlé film 15 Neu im Kino U.a. mit „Der schlimmste Mensch der Welt“, „Schmetterlinge im Ohr“, „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“ oder „The Outfit – Verbrechen nach Maß“ bühne 18 „A Midsummer Night’s Dream“ Das Theater Aachen zeigt die Oper von Benjamin Britten 19 Burn, Baby, Burn Disco-Inferno im Grenzlandtheater mit „Saturday Night Fever“ kunst 22 Stetig erweitert Das Kunsthaus NRW ist zu einer eigenständig verwalteten Sammlung geworden literatur 25 Verlorene Jugend Nino Haratischwili: „Das mangelnde Licht“ spezial: Ferien zu Hause, Kurztripps, Festivals 27 Die besten Ideen für den Sommer zu Hause terminkalender 35 Klenkes-Highlights 38 Termine und Tipps für Juni Inhalt Klenkes – Stadtmagazin für Aachen und die Euregio 47. Jahrgang Tel. +49(0)241/5101-611 Fax +49(0)241/5101-629 (Redaktion) ↗klenkes.de E-Mail: info-klenkes@ medienhausaachen.de Verlag Medienhaus Aachen GmbH Dresdener Straße 3 52068 Aachen ↗medienhausaachen.de Geschäftsführung Andreas Müller Redaktion Thomas Thelen Chief Content Officer (verantwortlich für den Inhalt i.S.d. § 8 Abs. 2 Landespressegesetz NRW) Kira Wirtz Chefredaktion Anzeigen Jürgen Carduck Leiter Werbemarkt (verantwortlich für Anzeigen i.S.d. § 8 Abs. 2 Landespressegesetz NRW) Druck Weiss-Druck GmbH & Co. KG Hans-Georg-Weiss-Str. 7 52156 Monschau Der Klenkes wird gedruckt auf Bilderdruck-Recyclingpapier. IMPRESSUM Foto: ChristinaRinkens

magazin 4 Juni 2022 Viel Kultur, kleine Design- und Streetfoodstände, große Menschenmengen, gute Musik und die ein oder andere Überraschung. Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause geht das beliebte Straßenfest „Lothringair“ in diesem Sommer endlich in die nächste Runde. Und das bereits zum siebten Mal. 2018 stand das Event, obwohl es so beliebt war, knapp vor dem Aus, bis der Musikbunker als Verein den Ehrenamtlern unter die Arme griff. Chris Kukulis vom MuBu war bereits damals dabei und erklärt uns, was das Fest zu einembesonderen macht und Aachen diese Art von Kulturevent braucht. „Es ist echt schon ein großer Aufwand, das zu organisieren. Da gehen viele Arbeitsstunden für drauf und man darf nicht vergessen, dass die meisten das ehrenamtlich machen.“ Chris Kukulis gehört zu demTeam, das hinter denKulissen die Fäden des „Lothringairs“ zieht. Seit der zweitenAusgabe des Festes ist er fester Bestandteil dessen. Was zunächst mit musikalischen Beiträgen begann, ist mittlerweile in deutlich mehr organisatorischer Verantwortung gemündet. Die übernimmt Chris aber gerne, denn das „Lothringair“ liegt ihm sehr am Herzen: „Ich habe selbst lange Jahre in der Lothringer Straße gewohnt. Außerdembildet das „Lothringair“ genau dieses Subkulturelle ab, was mir damals in Aachen gefehlt hat.“ Zwei Jahre in Folgemusste das Fest aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Zwar gab es währenddessen digitale Streams – wirklich ersetzen konnten die das eigentliche Event aber nicht. Dass die Leute sich deswegen besonders darauf freuen, merkt man laut Kukulis an allen Ecken und Enden. „Die Leute, mit denen ich spreche, haben richtig Lust,“ erzählt er begeistert. Es habe darüber hinaus unheimlich viele Bewerbungen vonKünstlerinnen, Künstlern und anderen Interessierten gegeben. „Das „Lothringair“ hat ein besonderes Flair, etwas ganz Intimes und Heimisches.“ Es sei daher kaum einWunder, dass die Leute jedes Jahr aufs Neue gerne wiederkämen. Und genau deswegen gibt es in diesem Jahr diverse Highlights, die das „Lothringair“ zu einem ganz besonderen Erlebnis machen sollen. Auf vielen kleinen und einer großen Bühne wird ein Spektrumdiverser Genres geboten: Musik, Tanz, Theater, Poetry-Slams. Aber auch Streetart, Stände, Ausstellungen, Möglichkeiten zum Essen und zum Trinken sowie die ein oder andere Überraschung laden die Besucherinnen und Besucher ein. „Das Interdisziplinäre war von Anfang an im Fokus,“ so Kukulis. Mittlerweile sei das Fest deutlich gewachsen und auch internationale Künstlerinnen und Künstler würden die Bühnen beehren. Gerade die Mischung aus Lokalem und Internationalem mache das „Lothringair“ aus. Besonders schön sei dabei vor allem, dass jeder mitmachen kann. So haben die Organisatoren in diesem Jahr erstmalig einenAufruf an alle Bewohnerinnen und Bewohner in der Lothringerstraße gemacht, dass diese sich an der Deko und Ein Straßenfest von allen für alle! Das Warten hat ein Ende. Aachens kultigstes Straßenfest „Lothringair“ mit seinen Bühnen, Ständen, Hinterhöfen und Künstlern ist nach zweijähriger Pause zurück. Den 25. Juni sollte man sich im Kalender besser freihalten! Von Alina Hasky Fotos: Thomas Langens (3), Klenkes (2) Yeah „Lothringair“! Chris Kukulis, oder Chris Brid, ist Musiker, DJ und Produzent. Er legt gerne auf Partys auf und sammelt Platten. Er mag zudem Kunst und engagiert sich für Flüchtlinge. : AM RANDE

5 Das „Lothringair“- Festival fand 2013 zum ersten Mal statt. Initiiert wurde es von Andrea Nickisch, die sich seit vielen Jahren auch im Kulturraum Raststätte engagiert. Realisiert wird es ehrenamtlich von einem Team aus Anwohnern, Kulturliebhabern und Organisationstalenten. : ZUR INFO Es wäre cool, wenn gegenüberliegende Nachbarn Girlanden von einem Fenster zum anderen spannen können oder wenn jemand sein Sofa auf die Straße stellt. Chris Kukulis „Lothringair“ 2019 – Tanz, Design, Musik und Gastro Straßengestaltung beteiligen dürfen. „Es wäre cool, wenn gegenüberliegende Nachbarn Girlanden von einem Fenster zum anderen spannen können oder wenn jemand sein Sofa auf die Straße stellt,“ sagt Kukulis. Dass das „Lothringair“ so groß auf die Beine gestellt werden kann, war aber nicht immer selbstverständlich. 2018 stand das beliebte Straßenfest kurz vor dem Aus. Gründerin Andrea Nickisch musste schweren Herzens einsehen, dass ein Fest in dieser Größenordnungmit einer kleinenOrganisation kaumzu stemmen ist. Rettung nahte allerdings schnell durchChris Kukulis, der denMusikbunkermit ins Spiel brachte, der mittlerweile die Durchführung des Festes übernommen hat. „ Sonst hat sich nicht viel verändert. Das Team ist im Großen und Ganzen gleich geblieben,“ erklärt Kukulis. Gleichzeitig erklärt er den immensen Aufwand, der hinter so einemEvent steckt. Genehmigungen einholen und Baupläne erstellen sind dabei nur die Anfangspunkte auf einer ziemlich langen To-Do Liste. „Die ersten Vorbereitungen beginnenmeist schon imDezember des Vorjahres,“ erzählt Kukulis. Bedingt durch die unklare Pandemie-Lage habe man bei der siebten Ausgabe des Festes allerdings deutlich spätermit der Planung begonnen: „So richtig Vollgas habenwir erst abMärz gegeben. Aber unser Team ist gut eingespielt. Deswegen war das alles machbar“. ImVorfeld gibt es darüber hinaus Veranstaltungen wie die Soli-Party imMusikbunker, bei der Geld für das „Lothringair“ gesammelt wird. Und auch eine eigens dafür organisierte Crowdfunding-Kampagne wird jedes Jahr aufs Neue erfolgreich ins Leben gerufen. „Es ist viel Arbeit, das alles zu organisieren, aber in demMoment, wo es stattfindet, lohnt es sich.Wennman sieht, wie es aussieht und wennman in 5.000 glückliche Gesichter sieht.“ Ein Highlight aus seiner Sicht ist der Auftritt der Tanzproduktion „Game Theory“ von Joshua Monten. Zwar hat Kulkulis das Stück bereits zuvor schon gesehen, auf einen so internationalen Act beim Lothringair freue er sich trotzdemnoch einmal. Auchmusikalisch sei das Angebot in diesem Jahr besonders gut. Acts wie die Kölner Funk-BandKeshavara treten auf, für Musik sorgen Live-Acts wie Her Tree oder DJ´s wie Lola Villa aus Kolumbien.. Generell sind in diesem Jahr besonders viele weibliche DJs mit am Start. Nicht zu vergessen seien aber auch die vielen kleinenAuftritte in denHinterhöfen. „Das Highlight istmanchmal auch das Ganze an sich. Einfachmal durch die Straße schlendern, stehen bleiben, Streetart bewundern und beim Flohmarkt stöbern,“ findet Kukulis. Wichtig sei, laut Kukulis, dass es am Ende ein schöner Tag für alle sei: „Es soll gezeigt werden, was Aachen zu bieten hat und dabei sollenmöglichst alle abgebildet werden.“ Gerade aus dem Grund sei das Festival kostenlos: „Damit es für alle Gesellschaftsschichten zugänglich ist“. \ 25.6. „Lothringair“ Lothringer Straße ↗lothringair.de

magazin 6 Juni 2022 fotografie Auf gemeinsamem Boden ImBunker of Arts in der Scheibenstraße 34 wird sie zu sehen sein – Nathalie Bertrams erste Solo-Ausstellung mit dem Titel „Common Ground“. Unterstützt wird die Ausstellung der Neuaachenerin von Amnesty International und Save Me Aachen. Als Künstlerin und Autorin erhielt Nathalie Bertrams bereits Auszeichnungen und Förderungen vonNational Geografic, dem Pulitzer Center for Crisis Reporting und weiteren Institutionen. Die schlichten Wände des Bunkers bieten die richtige Kulisse für die ausdrucksstarken, kontrastreichen Portraits, Stillleben und Familienfotos der Künstlerin. „Common Ground“ zeigt Fotografien und Videos von sechs Forschungsreisen der Künstlerin, in denen sie ökologische und soziale Konflikte inOst-Europa, dem afrikanischen Kontinent und Asien dokumentiert. Die Protagonist:innen ihrer Werke blicken stolz, grimmig, verschmitzt und verträumt in die Kamera oder an ihr vorbei. Nie sind sie nur die Zeugen der Konflikte, die ihr Leben prägen, immer sind sie eigenwillig, schüchtern oder selbstbewusst, menschlich. „Während demStudiumhabe ichmich viel mit der abstrakten Darstellung von Natur beschäftigt, dann ist mir aber schnell klar geworden, dass meine Arbeiten am stärksten sind, wenn ich Menschen zeige und ihre Geschichten erzähle“, erklärt die Fotografin. Schnell wird klar, wie gern sie von den Menschen erzählt, die auf den Bildern ihrer Ausstellung zu sehen sind. Der gespielt strenge Blick einer jungen Mutter auf ihren Sohn – beide leben als Nachkommen palästinensischer Geflüchteter ohne Staatsangehörigkeit im Libanon. Der selbstvergessene Ausdruck einer Gruppe sehbehinderter Jugendlicher in einer äthiopischen Schule. Große Konflikte – alltägliche Situationen. Nathalie Bertrams Bilder zeigen in erster Linie individuelle Charaktere – erst dahinter kommt der Konflikt, der das Leben dieser Person prägt zumVorschein. Diesen Ansatz schildert die Fotografin so: „Ich möchte darüber, dass die Menschen Interesse an dem Bild haben, Interesse an der Personwecken und dann auch an größeren Konflikten oder Menschenrechtsverletzungen, die dahinterstehen“. Oft zeigen ihre Bilder Menschen, die so versteckt oder abseits von großen Städten leben, dass ohne Bertrams kein Bild von Ihnen die Öffentlichkeit erreichen würde. UmKontakte zu knüpfen, nutzt sie Verbindungen zu Journalist:innen oderMenschenrechtsorganisationen die vor Ort tätig sind. Angekommen, ob in einem kleinen Dorf im Regenwald vom Kongo in dem 2018 die Ebola Pandemie ausbrach oder einer Kohlearbeiterstadt in Südafrika, ist sie immer wieder mit der Aufgabe konfrontiert, Vertrauen aufzubauen und das oft ohne gemeinsame Sprache und geteilte Kultur. Das kostet viel Einfühlungsvermögen und vor allemZeit. „Gerade die Schüler inÄthiopienwaren sehr, sehr schüchtern“, erklärt die Künstlerin. „Es ist da einfach in der Kultur, gerade in der Schule, so, dassman einen extremenRespekt vor Erwachsenen hat. Ich konnte aber die Familien einiger Kinder kennenlernen und habe da sehr viel erfahren.“ Die Art der Darstellung lässt sie teilweise auch von den Personen auf den Bildern mitbestimmen. Über ihre Reise in denKongo, wo sie eine Familie traf, die den Familienvater durch Ebola verlor, berichtet sie: „Ich habe gesagt ich wolle gerne die ganze Familie aufnehmen. Und die Familie stellte sich vor das Haus um das Grab des Vaters, so dass die ganze Familie auf dem Bild zu sehen ist.“ Wer seine Perspektive erweitern und neue Eindrücke zu geteilter Menschlichkeit gewinnen möchte, kann das machen – auf dem gemeinsamen Bunker-Boden im Aachener Nordviertel. \ lk 10.-26.6. (Eröffnung 9.6., 18 Uhr) Nathalie Bertrams – „Common Ground“ Bunker of Arts ↗boa-aachen.de Nathalie Bertrams Foto: Bunker of Arts Zwei Fotografien von Nathalie Bertrams. Fotos: Nathalie Betrams Fotografin und Krisenjournalistin Nathalie Bertrams gewährt Einblicke in fremde Lebensgeschichten und die Konflikte, von denen sie geprägt sind.

magazin 7 essbar Urbane Gärten Die Sehnsucht der Städter nach Natur und Landwirtschaft. Die Vision der „Essbaren Stadt“ ist seit mehr als zehn Jahren ein Thema, in Andernach startete das Projekt der öffentlichenNutzgärtenbereits 2010, das gleichnamige Kochbuch des Guerilla-Gärtners Maurice Maggi markierte einen Trend, der während der Pandemie weiter Fahrt aufnahm. Am Stadtrand oder auf dem Dorf, umgeben von landwirtschaftlich bestellten Äckern, prägt meist sattes Grün im eigenem Garten das Umfeld, während städtische Flächen größtenteils versiegelt sind. Eine Reihe von Initiativen setzt auf die Begrünung der Innenstädte und Selbstversorger-Gärten, die begleitende Literatur füllt – neben Kochbüchern mit Rezepten für „Handverlesenes“ – die Regale der Buchhandlungen. Im April startete das Projekt „Essbare Innenstadt“ in der Annahalle. In der mit wildem Wein bewachsenen Hinterhofhalle in der Annastraße werden seit Februar Hochbeete für Gemüse und transportable kleinere Kräuterkisten kultiviert. Für die Sommermonate sind verschiedene Veranstaltungen geplant, bis dahin kann man jeden Samstag vorbeischauen, fachsimpeln, Pflanzen tauschen und ernten. Auch im Hirschgrün, den urbanen Gärten in der Martinstraße, trifft man sich samstags zur Gartenarbeit, demallgemeinenAustausch und natürlich zur Ernte. Seit einigen Jahren kann man auch eine Gartenparzellemieten: „Meine Ernte“ stellt in der Soers die Flächen zur Verfügung. Unterstützung gibt es vomProfi, so dass die zu Saisonbeginn bereits professionell durch Christoph Bonnie vorbereiteten Gärtenmit über 20 Sorten Gemüse den gärtnerischen Erfolg auch für absolute Neulinge garantieren. Selbstversorgung im eigenen Garten ist auch die aktuelle Mission der Kolleginnen und Kollegen aus der Nordkreis-Redaktion der Tageszeitung. Sie berichten in der Reihe „Beetgeschichten“ jede Woche über ihre Erfahrungen zwischen Spargel, Spaten und staubiger Erde – und kümmern sich nach Feierabend um ihre Pflänzchen von Cocktailtomaten über Stangensellerie, Wassermelonen bis zu Artischocken, mexikanischen Mini- und Landgurken, Bronzefenchel, Auberginen und Butternut-Kürbis. \ bep Essbare Innenstadt/Annahalle ↗essbare-innenstadt-aachen.de Hirschgrün ↗essbaresaachen.wordpress.com Meine Ernte ↗meine-ernte.de „Beetgeschichten“ ↗instagram.com/west_eck Das Projekt „Essbare Innenstadt“ ist an vielen Orten der Stadt sichtbar. Fotos: Belinda Petri Sichtbar und lecker Wunderbärchen: neue App und 9-Euro-Ticket! Hol' dir naveo – die App für Bus & Bahn in deiner Region. naveo-app.de ≠www.locations-aachen.de Warum mieten Sie nicht einfach einen besonderen Ort? Diese Räume können Sie mieten: und das preiswerter als Sie denken: so wie viele weitere Locations in den besten Häusern der Stadt: funktionale Räume und repräsentative Säle von 25 qm bis 500 qm. Sie bieten für jeden Anlass immer den richtigen Rahmen. +49 241 43249-20 bis -25 Kulturservice der Stadt Aachen

8 Juni 2022 Nachdempandemiebedingt zwei Jahre auf das Spektakel verzichtet und auchdie letzteAusgabe 2019wegen eines Unwetters vorzeitig abgebrochenwerden musste, sei laut Pierre Luthers, Direktor der städtischen Veranstaltungsorganisation Enjeu ASBL der Universität Lüttich die Vorfreude auf das Festival 2022 umso größer. Am Pfingstwochenende werden Spitzenköche und -köchinnen in weißen Zelten rund um das Museum La Boverie ihre kreativen Gerichte anbieten und sich im„Tente des Chefs“, demAktionszelt, aufwendigen Menüs widmen. Zum Park auf der Museumsinsel kommt man – ganz umweltfreundlich – über die Brücke „La Belle Liègeoise“ vomBahnhof Guillemins ebenso wie man per Navette, den kleinen Stadtbooten, aus der Altstadt direkt über die Maas anreisen kann. DieseMini-Flusskreuzfahrt bietet eine Stadtbesichtigung von derMaas aus inklusive. Überhaupt legt man bei Festival Wert auf Nachhaltigkeit: Die Gastronomen sind aufgerufen saisonale und regionale Bioprodukte zu verwenden und auch abwechslungsreiche vegetarisch-veganeGerichte anzubieten. Einwegverpackungen sind ebenso zu vermeiden wie Umverpackungen. Mehr als zehn Restaurants sind mit mobilen Küchen in den Zelten vertreten, für das neue Restaurant „Bovaria“ direkt an derMaas gibt es einenHeimvorteil, die Terrasse liegt direkt an der Brücke zur Insel. Neben „Terra Terrae“, dem „Bistro d’Ethan“ und „Les Doux Ragots“ werden „Glacier Giu“ die handwerkliche Eismanufaktur aus Angleur und Jean-Claude Wolf mit seiner mobilen Edel-Messerschleiferei „Le Remouleur nomade“ vertreten sein. Der Cateringservice von „Comptoir des mers“ wird für Fischgerichte undMeeresfrüchte sorgen und die Restaurants „Bruit qui court“, „Au Canotier“, „Maccheroni“, „Casa Paco“ und „Moment“ für raffinierte Häppchen, die man in der Festival-Währung „Epi“ zum kleinen Preis erwerben kann. Die Bar „Cafe Brasil“ aus Outremeuse mixt Cocktails und Apéros, die einen gechillten Abend an der Maas versprechen, denn atmosphärisch ist das Event kaum zu toppen. Zu den neuen Teilnehmern gehört das Restaurant „Canotier au Chêne Madame“, das nach dem Hochwasser 2021 in das leerstehende Gebäude des einstigen Sternelokals südlich von Lüttich nach Neupré zog. Chefköchin NathalieWieckmann bietet hier eine ambitionierte belgisch-französische Küche, beispielsweise mit „Tatare de boeuf“, einer sehr puren Zubereitung des von Hand geschnittenen rohen Fleischs oder einem Lammfilet im eigenen Jus mit Gratin dauphinois und gegrillten Salatherzen. Zu denHighlights von Les Epicuriales gehört zweifelsohne das „Tente des Chefs“, hier werden an allen vier Tagen verschiedene Chefköche jeweils mittags und abends vier- oder fünfgängige Menüs (55 bzw. 65 Euro) kreieren, für die man vorab über die Webseite reservieren muss. Zu den lokalen Stars zählt dabei unter anderem Thomas Troupin, der mit seinem Restaurant „Toma“ nicht nur in Lüttich von sich redenmacht und als heißer Kandidat für einen Michelin-Stern gilt. Als Mitglied des gastronomischen Netzwerks „Generation W“ hat er seinen Kollegen Tien Chin Chi vom Restaurant „L’Esprit Bouddha“ aus Charleroi gewinnen können, seine asiatisch inspirierte Crossover-Küche zu präsentieren. ImChef-Zelt werden unter anderem Jifi Skocek („Terra Terrae“) und Thomas Mordat („Joia“) am Herd agieren. Als weiterer renommierter Gastkoch konnte Mehdi Kebboul vom Restaurant „Savarin la Table“ im 7. Arrondissement in Paris gewonnen werden: Der algerischstämmige Spitzenkoch steht für eine moderne Crossover-Küche auf höchstem Niveau. Mit der 16. Ausgabe von Les Epicuriales kehrt ein kulinarisches Großevent mit 25.000 erwarteten Besuchern zurück in die Euregio Maas-Rhein, bei dem sich die belgisch-wallonische Gastronomie in ihrer Vielfalt und Qualität vorstellt und einen Ausflug in die Stadt an derMaas zumheißen Tipp amPfingstwochenende macht. \ 2.-6.6. „Les Epicuriales“ Parc de Boverie, 4020 Lüttich ↗epicuriales.be Fotos: Belinda Petri Öffnungszeiten Do 18-24 Uhr Fr-Mo12-24 Uhr Eintritt frei Bezahlung ausschließlich mit „Epi“ (2 Euro pro Wertmünze) Parkhaus: Mediacité (6 Euro) ↗epicuriales.be ↗http://generationw.be ↗toma-restaurant.be ↗https://espritbouddha.be ↗savarin-latable.fr ↗https://lecanotier.be AM RANDE gastro Haute cuisine – en plein air Am Pfingstwochenende wird beim Food-Festival Les Epicuriales in Lüttich der Parc de la Boverie über Pfingsten zu einem großen Freiluft-Restaurant. Von Belinda Petri Die Organisatoren des Festivals Jean-Marcel Evrard und Pierre Luthers.

gastro 9 food-festivals Geht raus und esst! Sommer – Zeit, die Food-Festivals der Region zu erkunden, so den Feierabendmarkt in Jülich: Von „beefy bis veggie“ lautet die Devise der Foodtrucks, dazu wechselnde Live-Bands und eine entspannte Atmosphäre. Anfang des Monats geben sich Foodtrucks inHeinsberg ein „Stelldichein“: Hier gibt es Spezialitäten wie Elsässer Bratwurst oder handgemachte Maultaschen sowie vegane Köstlichkeiten aus Asien. An Pfingsten lohnt sich ein Ausflug nach Belgien – zu Les Epicuriales in Lüttich oder zum Hap-Festival nachGenk. Exotischer wird es beim Japan Food Festival in Düsseldorf mit Ramen, Sushi (an der längsten Running-Sushi-Bar in Europa), Takoyaki, Okonomiyaki, Mochi sowie Karaoke und Live-Musik. Neu ist auch der Regiomarkt in Vaals, dort präsentieren sich regionale Produzenten und einige Foodtrucks – so neu, dass es noch keine Webseite gibt. \ bep „Feierabendmarkt Jülich“ 1.6 ,15.6.,29.6., 16.30-21 Uhr ↗juelich.de „Feierabendmarkt“, Heinsberg 2.6., 7.7., 15-21 Uhr ↗streetfoodevent.de „Les Epicuriales“, Lüttich 2.-6.6. ↗epicuriales.be „Hap-Festival“, Genk 3.-6.6. ↗hapfestival.be „Japan Food Festival“, Düsseldorf 4.-5.6., 13-21 Uhr ↗facebook.com/japanfooddusseldorf „Regiomarkt“, Vaals 10.6., 17-21 Uhr ↗vaals.nl grillen Grill’n’chill Wie schön, wennman einfach imheimischen Garten den Grill anwerfen kann undWürstchen, Kotelett, Fisch, Gemüse oder veganen Burger auf dem Rost bruzzeln lässt … Für alle, die lieber auf öffentlichen Plätzen und in Parks grillen, hat die Stadt Aachen eine Übersicht zusammengestellt – samt einiger Regeln, schließlich soll es für alle sauber und sicher bleiben. Die Grillseminare im Ersten Aachener Gartencenter sind für Juni leider schon ausgebucht, im Juli gibt es noch freie Termine. Thomas Minklai hat in Minki’s Kochschule eine ganze Reihe von Kursen im Angebot, beispielsweise den Basis-Grillkurs oder einen speziellen Burger-Kurs. Der Talbahnhof in Eschweiler lädt zumSommergrillfest mitMusik: Unter demMotto „All you can eat“ wird im Biergarten einGrillbüfett geboten (Reservierung erforderlich). \ bep Grillplätze in Aachen ↗aachen.de/de/kultur_freizeit/freizeit_ erholung/grillplaetze/ 26.6. „All you can eat“-Grillbüfett 17 Uhr, Talbahnhof, Eschweiler ↗talbahnhof.de Grillseminare ↗erstes-aachener-gartencenter.de 5.6. Grillseminar – Basis 17-21 Uhr, Minki’s Kochschule 12.6. Grillseminar – Burger 16-19 Uhr, Minki’s Kochschule ↗minkis-kochschule.de Zum Sommer gehört Leckeres vom Grill. AFoto: Belinda Petri Streetfoodgerichte aus aller Welt. Foto: Belinda Petri Verschiedene Food-Festivals versprechen kulinarische Highlights. Im Sommer wird gegrillt – oder gelernt, wie man grillt. VAPIANO_DEUTSCHLAND VAPIANODEUTSCHLAND WWW.VAPIANO.DE ODER KNUSPRIGE PINSA? FRISCHE, HAUSGEMACHTE PASTA! Vapiano Aachen Franzstr. 51 52064 Aachen Tel.: 0241 55 92 42 90 Öffnungszeiten: Täglich 12:00 – 22:00 Uhr www.eb-aachen.de Tel. +49 (0) 241 9431 3490 BRUNCH im Restaurant ELISENBRUNNEN NEU * Jeden ersten Sonntag im Monat * www.medienhaus-reisen.de Konzerte, Musicals, Radreisen, Busreisen, u.v.m.

10 Juni 2022 Der Typ ist höllisch gut“,meinte einst der für Lobhudeleien unverdächtigeMilesDavis. JohnMcLaughlin erinnert sich mit Dankbarkeit an diese Zeit. „Jedes Mal, wenn ich ihn sah, steckte er einen 100-Dollar-Schein in meine Hemdtasche: ,Achte darauf, dass du isst; deine Miete zahlen kannst.‘ … Er war ein echter Mentor fürmich, musikalischundmenschlich“, so McLaughlin über seine damalige Zeit mit Davis, auf dessen wegweisenden Electric Fusion Jazz-Alben „Bitches Brew“, „In A Silent Way“ oder „On The Corner“ er Gitarre spielte. 1969war der junge Brite in die USA gekommen. Begonnen hatte er im Genre Bluesrock, doch noch vorMiles Davis fand seine erste Feuertaufe in der Gruppe Lifetime des Schlagzeugers Tony Williams statt. Spätestens hier wurde die Spreu vomWeizen getrennt (zwischenzeitlich jammte er auch mal mit Jimi Hendrix in New York), und Miles Davis wurde auf ihn aufmerksam. McLaughlins erste eigene Band wurde dann für rund fünf Jahre zum Adressat unzähliger Jazz-Poll-Ehrungen. Nicht verwunderlich, spielten doch imThe Mahavishnu Orchestra weitere Koryphäen wie Billy Cobham, Jerry Goodman oder Jan Hammer. Die hochenergetische Musik des Quintetts sorgte für einen musikalischenQuantensprung im Jazz: der virtuos gespielte Jazzrock integrierte traumwandlerisch ebenso Funkelemente wie auch das melodische Konzept der Ragas aus der klassischen indischen Musik. Auch nach Auflösung des Mahavishnu Orchestras ging McLaughlin konsequent einen Schritt weiter. Mit der Band Shakti (Energie) tauchte er tiefer in die indischeMusik sein. Vorab hatte er mehrere Jahre lang klassische indische Musik studiert und auch das Lauteninstrument Vina zu spielen gelernt. Ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere waren die weltweiten Konzertreihen mit Al Di Meola und Paco De Lucia. Lucia brachte das Element Flamenco in die künstlerisch nicht gerade arme Welt des Gitarristen John McLaughlin. Letztlich ist die beeindruckende musikalische Vita des John McLaughlin viel zu lang, um sie hier angemessen abbilden zu können. Im Januar ist dieser große Musiker 80 Jahre alt geworden. Doch von Müdigkeit keine Spur! Und nicht, dass John McLaughlin seinen kreativen Output an neuen Alben während der Corona-Pandemie gar eingeschränkt hätte. Im Juni letzten Jahres veröffentlichte er mit „Liberation Time“ einLockdown-Album, andemneben allen Mitgliedern seiner Band 4thDimension auch vieleGästewie Pianist Roger Rossignol oder Schlagzeuger Vinnie Colaiuta mitwirkten. Aktuell erscheinen bei unterschiedlichen Plattenfirmen legendäre Konzertaufnahmendes britischenGitarristen: „The Montreux Years“ zum Beispiel, Konzertaufnahmen vom Schweizer Jazzfestival der Jahre 1978 bis 2016 (BMG) oder die lange verschollen geglaubte Aufnahme des zweiten Konzerts vonAl DiMeola, JohnMcLaughlinundPaco De Lucia vom Dezember 1980 in San Francisco (earMusic). Das damalige ersteKonzert erschien als Liveplatte unter dem Namen „Friday Night in San Francisco“ und gilt als das bekannteste Live-Akustikgitarren-Album überhaupt. Es verkaufte sich weltweit über 2 Millionen mal. Seit 2009 spielt McLaughlin mit seiner international besetzten Allstar-Band namens The 4th Dimension. Mit Gary Husband (Keyboards, Drums), Ranjit Barot (Drums) und ÉtienneM’Bappé (Bass) wurde The 4th Dimension schon als „Mahavishnu Orchestra des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Eine 2017 aufgenommene Liveplatte aus dem Londoner Jazzclub Ronnie Scott‘s widerlegt diese These nicht. Dieser Text begann mit einem Lob von Miles Davis, er endet mit der Aussage von Pat Metheny: „John McLaughlin ist der größteGitarrist derWelt“. \ 6.7. John McLaughlin & the 4th Dimension 20 Uhr, Burg Wilhelmstein, Würselen ↗burgwilhelmstein.com John McLaughlin & The 4th Dimension – das Mahavishnu Orchestra des 21. Jahrhunderts? Die Flamme lodert noch Die Vielfältigkeit seiner (Gitarren-)musik spricht Bände: John McLaughlin besucht die Burg Wilhelmstein mit seiner Band The 4th Dimension. Von Richard Mariaux Foto: Ina Behrend 19.8. Marialy Pacheco & Omar Sosa. Marialy Pacheco, eine ebenso faszinierende wie vielseitige Pianistin. Und der wunderbare Kosmopolit Omar Sosa, der auf den 88 Tasten ein ganzes Orchester ersetzen kann! 3.9. Tingvall Trio Martin Tingvall, Omar Rodriguez Calvo und Jürgen Spiegel. Ein Schwede, ein Kubaner und ein Deutscher. Ein Pianist, ein Bassspieler, ein Schlagzeuger – melodiöser skandinavischer Jazz mit Elementen der Rockmusik. : MEHR JAZZ musik

musik 11 musikbuch In seiner eigenen Liga Rick Rubins steile Produzentenkarriere beleuchtet eine nur bedingt lesenswerte Biografie. Gleich vorneweg gesagt: Dieses Buch ist eine Mogelpackung. Autor Jake Brown hat für seine Biografie über Rick Rubin keinen Ton mit dem Produzenten persönlich gesprochen, sammelt vielmehr seine Informationen aus Hunderten von Interviews. In der Danksagung redet er auch vom ,Projekt‘, und spricht Rubin persönlich an: „...so hoffe ich, dass Sie, Mr. Rubin, meinen bescheidenen Beitrag zur Würdigung Ihres meisterhaften Könnens genießen werden!“ Uff! Was würde Rick Rubin antworten? Trotzdem ist dieses Buch an vielen Stellen lesenswert. Rubin ist, was seine Tätigkeit als Produzent angeht, das chamäleonhafteste Wesen, das im gesamten Musikgeschäft herumläuft. Er ist einMythos, vielleicht nur den vielen Bands und Künstler*innen erklärbar, die er auf die Schiene gebracht oder deren versandete Karrieren er neues Leben eingehaucht hat. Rubin ist ein spirituell lebender Mensch, Meditation gehört seit seinem 14. Lebensjahr zu seinen regelmäßigen Gepflogenheiten. Dazu steht keineswegs imWiderspruch, dass er die Beastie Boys, LL Cool J oder Public Enemy mit entdeckt und die Rapper Run-DMC mit den Hardrockern Aerosmith für ihren Megahit „Walk This Way“ im Studio zusammengebracht hat. Rubin kam musikalisch vom Punk und stand als junger Student auf Rapmusik – er sah die verwandte Energie dieser Musikrichtungen. Nicht nur gründete er die wegweisenden Label Def Jam oder – später - Def American. Er produzierte auch Schwermetall von Metallica, Slayer oder Audioslave und ebenso das Comeback-Album der Countrystars Dixie Chicks. Rubin erstaunte dieWelt, als er demausgebrannten Johnny Cashmit intimemSongmaterial wieder zu einemriesigenComeback verhalf. Ähnliches gelang ihm mit Neil Diamond. Was ist Rick Rubins Geheimnis?Nun, er geht nicht mit den Künstlern direkt ins Studio, sondern lässt sie ein halbes, ein ganzes Jahr an ihren Songs arbeiten. Er hört sich regelmäßig - meist mit geschlossenen Augen hinter seiner Sonnenbrille auf einem Sofa liegend - die Demosongs an, kommentiert, gibt Ratschläge, schickt sie an ihre Arbeit zurück. Erst wenn diese Audition durchlaufen ist, beginnt der Feinschliff mit der Aufnahmezeit im Studio. Eine seine „Hausbands“ sind die Red Hot Chili Peppers, deren Alben seit „Blood, Sugar, Sex, Magik“ er alle produzierte. Exemplarisch für Rubins Arbeitsweise ist, was Flea dem Magazin „Bass Player“ erzählte. Flea, der normalerweise auf seinem Bass komponierte, wurde mit einem kleinen Anschubser von seinem Produzenten auf eine neue Schiene gesetzt. „Rick Rubin organisierte mir eine Martin Akustik, und ich kaufte mir einNeil Young-Songbook, umAkkorde zu lernen. Das Gitarrenspiel war mir definitiv hilfreich. Ich dachte nicht mehr in erster Linie andie Bassläufe unddieGrooves, jetzt überlege ich immer öfter, welche Akkordfolgen zueinander passen.“Nur einer der vielen Kniffs, die Rubin mit Erfolg in seiner Tätigkeit als zuhörender Produzent anwendet. \ rm Jake Brown „Rick Rubin – Genie im Studio“ Reclam 430 Seiten, 32 Euro konzert Tolle Stimmen über dem Soerstal Singer/Songwriter-Folk von Daphne’s Flight (London) und H(pital (Aachen) im Tuchwerk Hôpital sind in Aachen keine Unbekannten. Die Aachener Formation um Sängerin Mareen Wego spielt eine vokal-akustische, mit Cello, Cajon, Gitarre und Bass, von a-capella-Passagen unterbrocheneMusik, die sie schon auf einen vordersten Platz beim STAWAG Music Award brachte. Mit Daphne‘s Flight haben sie sich eine ganz besondere Formation aus England eingeladen. Die fünf stimmgewaltigen Frauen singenmitreißend und leidenschaftlich Folkmit Blues- und Soulelementen - mal fünfstimmig a capella, dann wieder mit Klavier undAkustikgitarren instrumentiert. Das Repertoire umfasst neben Eigenkompositionen auch Songs von Elvis Costello, RandyNewman u.a. Die Sängerinnen haben als Solistinnen bereitsmit Musikern von Little Feat zusammengearbeitet sowie auf Alben von Emmylou Harris und Linda Ronstadt, DonMcLean und Gerry Rafferty gesungen. Eine Spende für die Künstler und zur Deckung der Kosten ist erwünscht. Reservierung unter der EMail tuchwerk.11.6.2022@gmx.de möglich. Die Kapazität des Konzertes ist auf 250 Teilnehmer beschränkt. \ rm 11.6. Daphne’s Flight / H(pital 18 Uhr, Tuchwerk in der Soers Singen Folk-, Blues-, Country- & Soulsongs: Daphne’s Flight aus England. Foto: Bryan Ledgard

musik 12 Juni 2022 rap Die MADI macht’s, die MADI lenkt’s Zuerst ging es in die Antike: Mit „Der Fluch der Tantaliden“ schufen drei Protagonisten imgemeinsamen Projekt Dlé ihr Debütalbum auf dem Label „Kreismusik“. Die Rap-Oper aus der griechischen Mythologie wanderte mit allerbestenKritiken versehen vomAachener Mörgens weiter ins Nationaltheater Mannheim. 2022 geht‘s mit „Wack to the Future“ zurück in die Zukunft. Auch die neue Hörspielproduktion entstand zuerst in Aachen als Theaterstück unter dem Namen „Android Ergo Sum“. Aber worum geht es genau? Wir schreiben das Jahr 2075. Es ist das Zeitalter der omnipräsenten MADI (Multiple Artifizielle Dividuelle Intelligenz), die der selbstzerstörerischen Natur des Menschen Einhalt geboten und ein paradiesisches Gesellschaftssystem installiert hat. Kriege, Hungersnöte, Konsum sind überwunden. Die von der maschinellen Intelligenz gesteuerteMenschheit lässt sich vonAndroiden, Robotern und Nano-Bots bedienen. Doch dann passiert einMord. Da sämtliche Crime-Solve-Algorithmen derMADI versagen, ermitteltmit Jeanne Kran eine der wenigen menschlichen Kommissarinnen in dem Fall und sorgt am Ende für eine verblüffende Auflösung. Hinter den Pseudonymen Jaques Tabaques, Jaxxon Mehrzweck und Kemo stecken Tim Knapper vomEnsemble des Theater Aachen, FlorianHertweck, Professor an der Filmuniversität Babelsberg undMalcolmKemp, musikalischer Leiter des Schauspiels am Theater Aachen. Malcolm Kemp: „Tim ist hauptsächlich für die Texte zuständig, Florian, der studierter Schauspieler ist, aber seit vielen Jahre hauptsächlich als Regisseur arbeitet, ist zwar auch für Text zuständig, mischt aber in allen Bereichen mit. Er ist unser Dramaturg, Regisseur etc.. Ich bin für die Beats und für die Musik zuständig. Wobei man sagen muss, dass bei diesem Projekt alle ihren Input und Ideen in den einzelnen Bereichen durchaus einbringen können.“ Die knapp einstündige Story ist vollgepackt mit textlichenAnspielungen an unterschiedliche Genres: Comics, Travestie, Sci-Fi. Der Mord und seine Ermittlung erinnern an klassischenCrime Noir - und gegen diemit kreativen Ideen gefüllte Ausgelassenheit dieser „Roap“ (halb Rap, halb Soap) verblassen dann auch schnell Vergleiche wie der mit den „Die drei ???“. „Die Grundidee, eine Zukunfts-Geschichte zu erzählen, die keineDystopie ist, sondern eher eine Utopie, stammt von Tim. Die Ausarbeitung dieser Idee, und dass das Ganze als Krimi angelegt werden soll, stammt von uns allen“, so Malcolm Kemp. Als musikalischer Direktor greift er tief in „Kemo‘s Musikkiste“ (Titel seiner damaligen Musikreihe im „Mörgens“): HipHop, Electro, Funk, Klavier-Etüden, flächige Synthesizer- und artifizielleMaschinensounds bilden die Basis für die Raps, die gesprochenen Mono- und Dialoge. Am meisten Spaß macht „Wack to the Future“ mit demTextbooklet auf dem Sofa. Die sprachlichen Feinheiten, die Ironie zwischen den Zeilen und der überdrehte Witz offenbaren sich hier perfekt. „Übrigenswurde unser Stück „Android ergo sum“ vomStaatstheater Dresden gekauft und wird dort ab dem 2.7.2022 von SchauspielerInnen des dortigen Ensembles aufgeführt“, erzählt Malcolm zum Schluss. Bleibt der Wunsch, dass die Drei von Dlé möglichst bald einen Aufführungstermin in Aachenfinden. \ rm lokale helden „Ich mag alles, wo Seele drinsteckt.“ „Racines“ heisst das Debütalbum von Olivier Chavet „Racines“ ist ein soulorientiertes Jazzalbum, dessen Stücke aus der Nähe zur Natur und aus Momenten der Ruhe entsprungen sind. Musik und Natur sind zwei Elemente, die den Komponisten Olivier Chavet seit seiner Kindheit privat wie beruflich prägen. Der in Aachen geborene Belgier ist sowohl ausgebildeter Musiker als auch studierter Agrarwirt. In diesen beiden Wirkungsbereichen erlebt er tagtäglich, dass alles wie ein Wurzelgeflecht miteinander verbunden ist. Und so ist „Racines“ (franz. „Wurzeln“) die musische Bearbeitung von Themen, die Olivier Chavet als Landwirt und Naturliebhaber umtreiben. „Ich mag alles, wo Seele drinsteckt. Ungeachtet der Stilrichtung ist Musik ohne Soul für mich nur bedingt bekömmlich“, so Olivier Chavet. Die passenden Musiker fand Chavet in Deutschland und Belgien. Das instrumentale Grundgerüst bildet das Jazztrio mit dem Pianisten Sebastian Scobel, dem Bassisten Werner Lauscher und Olivier Chavet am Schlagzeug. Ergänzt wird das Trio je nach Komposition durch Heidi Bayer am Flügelhorn oder dem Gitarristen Daniel Chavet. \ red Olivier Chavet „Racines“ Mudac Productions Nein, das sind nicht Deichkind, sondern Dlé! Foto: Pressefoto Dlé Back to nature - Olivier Chavet Foto: Guido Braun „Wack to the Future“ ist überdreht-intelligentes Raptheater aus dem Maschinenraum des Theater Aachen. Dlé „Wack to the Future“ Kreismusik/Soulfood (LP & digital)

musik 13 Der finnische Musiker Jimi Tenor macht keine schlechten Alben. Mittlerweile sind es mehr als 20 und seine Produktivität bleibt auch nach 30 Jahren hoch. Sein Song „Take Me Baby“ wurde aus Versehen ein Hit, als der Track 1994 die Berliner Technoszene rockte. Tenor springt auf seinen Alben zwischen House, Electro, Afrobeat, Space-Funk, Easy Listening und Jazz. Aber immer mit einer Intuition, Ernsthaftigkeit und Spielfreude, die ihn trotz seines Künstlernamens, dem etwas trashigen Image und seiner unorthodoxen Herangehensweise stets zu großen bis guten Ergebnissen führt. Das hat er mit seinen Albenmit Fela Kuti, denNeuarrangements seiner Songs mit der Bigband Dachau, den Tenors of Kalma (mit Kalle Kalima) oder als Solist und Studiofrickler wie aktuell für sein Album „Metaversum“ stets bewiesen. In Jimi Tenors „Metaversum“ kommt alles wunderbar zusammen: Sein Faible für schräge Elektronica, einer Alan Vega-Reminiszenz namens „Baby Free Spirit“ oder eben die mit Drumcomputer und Synthesizerloops gefüllten funkigen Afrobeat-Exkursionen, denen er mit seinemSaxophon- und Querflötenspiel jazzigen Schwungmit auf den Weg gibt. \ rm „Nick Cave im Club Sound“, so beschreibt Florence Welch selbst ihr Album. Da ist was dran, mischen sich doch Horror und Erlösung, Euphorie und Verzweiflung bei ihr zu einer untrennbaren Mischung, die jedoch in den meisten Fällen den euphorischen Aufschwung als Lösung wählt. Viel geht hier Hand in Hand: Mal Folk, der auf mächtige Chöre trifft, mal Plucker-Kraut-Dance, mal purer Gospel-Country, immer wieder übernehmen gewaltige Vocal-Wände dieMacht. Die Lockdown-Sehnsucht nach Weite, Tanz, Gemeinschaft und persönlicher Nähe durchzieht das gesamte Album. Engel und Teufel umtanzen die geplagte Seele, am typischsten vielleicht in „Fever“, einem Song über Tanzsucht, das auf einem 70s-Stones-Riff sich immer weiter gewaltig hochschraubt, Gottesdienst in Bombastohausen. Nur so richtig „Club“-Sound will sich hier nichtfinden, hängt doch alles mit der schweren Bedeutung eines Historien-Öl-Schinkens im goldenen Rahmen. Hoffen wir auf leichtere Zeiten für Florence And The Machine. \ kk Gute Musik für alternde Berufsjugendliche. Wer der Kölner Band um die Wirrköpfe Markus Berges und Ekki Maas schon in der Vergangenheit aufmerksam seine Ohren zugewandt hat, weiß natürlich um die stets konstante Qualität ihres Liedguts. Entspannte, groovige Pop-Musik ohne Allüren, mit vielen cleveren Ideen, wunderschönen Hochkultur-Texten von Berges und von Ekki Maas als Produzent jedesMal zu einemkleinen, bescheidenen Meisterwerk hochgejazzt. Natürlich geht auchdemzehntenAlbum„GutenMorgen, Ragazzi!“ da nicht die Puste aus.Man fragt sich eher, warum Erdmöbel noch immer nicht offiziell zum relevanten Kulturgut unseres Landes deklariert wurden, und die Kultur-Großkopferten immer noch so viel Unsinn abfeiern. Der Sound ist kuschelig wie eh und je, Berges anschmiegsame und souverän intonierende Stimme der perfekte Geschichtenerzähler, drumherum passieren viele Sounds aus alten undmodernen Instrumenten, Popmusik, Klangkulisse, Rettungsanker für diejenigen, die von Pandemie und Krieg schon längst viel zu wirr geworden sind. \ kt Wer mit TikTok musikalisch sozialisiert wird, dem ist alles eine große Gleichzeitigkeit, Musik aus allen Zeiten hintereinander weg, was gut ist, wird gemocht, egal, von wann und wem es ist. Wenn dannBands gegründet werden, dann fahren die Stilistiken Achterbahn, dass die Genre-Schubladen nur so knallen. Nach dem Opener im Billie Eilish-Indie-PopStil kommt direkt der Hit: „Chaiselongue“, nach Sleaford Mods-Geplucker schraubt sich das Ding zu einem Punkhit hoch, toll. Die Band von der Isle Of Wight haut einen bunten Cup-Cake aus allemzusammen, was sie gutfinden. Und das können Lana Del Rey-Versatzstücke sein, die auf GaryNuman-NewWave treffen und von einer schrubbenden Krachgitarre zusammengeklebt werden, oder 90s Alternative, inden sich frech ein „The ManWho Sold The World“-Riff mit angetackertemSchnurrbart eingeschlichen hat. Dasmacht riesigen Spaß, weil es lebt, weil es aus der Fülle der Einflüsse einen neuenheißenBrei zaubert, der zwischen 12 und 60 jedemmit offenen Ohren nur zu gut schmecken wird. \ kk Kurt Vile, Jahrgang 1980, ist ein Kind der späten 90er und frühen 2000er Jahre. NEUETONTRÄGER Jimi Tenor Multiversum Bureau B/Kompakt Florence And The Machine Dance Fever Polydor/Universal Erdmöbel Guten Morgen, Ragazzi! Jippie! industrie/Rough Trade Wet Leg Wet Leg Domino Records/GoodToGo Kurt Vile (Watch My Moves) Verve/Virgin/Universal Prozent aller Haushalte in Aachen sind Single-Haushalte: Nirgendwo in NRW wohnen mehr Menschen alleine! Ein Produkt aus dem Wir recherchieren die Fakten und erklären, was dahinter steckt. Jetzt 4 Wochen testen aachener-zeitung.de/fakten Gleich bestellen unter:

musik 14 Juni 2022 Damals, als er seine ersten musikalischen Gehversuche gemacht hat, war Low Fidelity angesagt, das Gegenstück zur glattgeputzten High Fidelity. Alles wurde möglichst simpel produziert, am besten mit dem Kassettenrekorder, sollte bewusst nicht perfekt klingen. Für „(Watch My Moves)“, sein achtes Album, ist Vile im Prinzip ins Wohnzimmer zurückgekehrt, auch wenn das Heimstudio inzwischen vollgepackt ist mit teuerster Technik. Seine Kunst: Er verbindet Lo-Fi-Ästhetik mit zeitlos klassischemSongwriting im Stil von TomPetty oder Bruce Springsteen. Letzteren covert Vile nicht von ungefähr mit „Wages Of Sin“. Die 15 eher getragenen Stücke mit insgesamt knapp 70Minuten Spielzeit fügen sich zu einer Tagträumerei zusammen, in dieman sich wunderbar hineinversenken kann. \ chr Sanft beginnt dieses Album und steigert sich mit jedem Song in Intensität und Dynamik. Und so ist es auch geplant, als richtiges Album, welches der geneigte Hörer von A bis Z durchhören sollte, keine reineAnsammlung von Songs. Sharon Van Etten leidet wieder in allen Facetten, ein Album über Scheitern, Neuanfänge, Trauer und Hoffnung. Der Folk ist größtenteils einem ziemlich breitwandigen Pop gewichen, am mächtigsten vielleicht auf „Born“, der sich pathetisch die eiszerklüfteten Steilwände eines mächtigenBerges emporschwingt, durchaus als nächsten Bond-Song vorstellbar. Nur „Mistakes“ erreicht eindurchgehend treibendes Tanztempo, erinnert dabei an ModestMouse, ansonstenbleibt hier alles in getragenemBalladenundPower-Balladen-Tempo. Genug Platz, dass sich Sharon Van Ettens klarer Klagegesang eindrucksvoll entfalten kann. \ kk Die etwas andere Sommerplatte, diemehr verspricht als das diffusmediokere Bacardi-Feeling. Der inPanama geboreneDaniel Villarreal verbrachte die ersten 10 Jahre in den USA als Sozialarbeiter und zog zwei Töchter groß. AlsDJ und Schlagzeuger ist er inder Chicagoer Latin/Jazz- und - früher - der dortigen Punkszene aktiv. Die mit Latingrooves angetriebenen 12 Songs von „Panamá 77“ entstanden in vielen Sessions – zum Teil auch - malerisch auf dem Cover anzuschauen - outdoor aufgenommen. Unterstützt wird er von einer Reihe Kollaborateure aus dem Umfelddes International Anthem-Label, wie Gitarrist Jeff Parker, Aquiles Navarro von Irreversible Entanglements oderMarta SofiaHorner, die die Streicherarrangements schrieb. Sein Label nennt Daniel Villarreals lässig improvisiertes Album treffend „a vibrant suite of jazz-lacedpsychedelic instrumental folk-funk“. \ rm Endlich wieder ein musikalisches Statement von Bonnie Raitt. Und dann noch gleich eines mit ganz dickem Ausrufezeichen. Sechs Jahre nach „Dig InDeep“ zeigt die mittlerweile 72-jährige Kalifornierin mit „Just Like That“, dass sie fit wie eh und je ist. Als Sängerin, als Gitarristin und – das ist dann doch etwas Besonderes – auch als Komponistin. Normalerweise greift Raitt eher auf Ideen befreundeter Songwriter zurück, auf dem aktuellen Album steuert sie allerdings gleich vier Songs selbst bei, die sie mit ihrem langjährigen musikalischen Wegbegleiter George Marinelli gemeinsam geschrieben hat – und beweist auch dabei wahre Meisterschaft. Das ist Rhythm&Blues in seiner feinsten Ausprägung, wie immer gestochen scharf produziert, ein perfektes Klanggemälde mit wunderschönem Gesang, eindrücklichen Lyrics und bester Gitarrenarbeit der Slide-Virtuosin. Das lange Warten hat sich also gelohnt. \ alp Wie lange ist das her? DieWiener Downbeat-Szene um Kruder & Dorfmeister, Tosca et al. und ihre gefeierte Musik in den Chill Out-Lounges von Ibiza, Paris und New York? Das Wiener Plattenlabel DopeNoir Records desMusikers, ProduzentenundWeggefährtenKlausWaldeck feiert jedenfalls aktuell sein20-jähriges Jubiläum. Waldeck hat in direkt mehreren FormationenwieWaldeck, demWaldeck Sextet, Soul Goodman oder Saint Privat diesen speziellen, leicht melancholischen Wiener-Sound aus Electro, SwingJazz, Balkan und Kaffeehausmusik früh zu seinem Trademark gemacht. Das begeistert heute zwar nichtmehr unbedingt die „jungen Römer“ (Falco), aber als atmosphärische Soundtapete für gediegene Cocktailparties unddergleichenmacht dieseWienerMelange immer noch Sinn. Zum Jubiläum gibt‘s jetzt eine fünfteilige Serie auf Vinyl, eine Doppel-CD sowie eine 5fache Luxus-Vinyl-Boxmit größtenteils neuemMaterial. \ rm Endlich mal wieder eine gute und klauenswerte Pressetext-Zeile: „Hate Über Alles“ ist zu gleichen Teilen heiliges High-Energy-Geballer direkt aus dem Herzen der Bestie, wie präzise auf den Punkt getextete Zeitgeistdiagnostik.“ Die deutsche Thrash-Metal-Legende rundum Mille Petrozza wettert nicht nur seit jeher gegen religiösen Fanatismus, Homophobie oder die Macht totalitärer Ideologien (alles traurigerweise gerade noch immer sehr aktuell), sondern shoutet nun auch gegen den Hass: „Hate is the virus of this world“, heißt es im Titelsong „Hate Über Alles“ – nebenbei ein kleiner Fußnoten-Gruß an die unangepassten Rentner von Dead Kennedys. Klar, wer einfach nur gepflegt die frisch mit Conditioner polierte Haarpracht im Rhythmus schütteln möchte, kommt womöglich auch bloß mit dem Staccato-Schlagzeug, den wirbelwindartigen Gitarrensoli und Petrozzas gutturalem Gesang in zufrieden-aufgebrachte Stimmung. Schön ist aber trotzdem, dass Kreator als „Teil des Dreigestirns des deutschen TrashMetal“ (Behauptung vonWikipedia) nicht nur zuverlässig sumpfig-flinken Pommesgabel-Sound serviert, sondern auch gesellschaftskritisch am Diskurs teilnimmt. \ kt „Tears Are Our Medicine“ heißt der Song, der im Herzen des neuen, dritten Albums der afro-kubanisch französischen Zwillinge Lisa-Kaindé undNaomi Díaz steht, die unter dem Namen Ibeyi publizieren. Es geht um nicht weniger als spirituelle Heilung, Harmonie und, ja, auchMagie – alles dringend nötig in einer Welt, die völlig aus den Fugen zu sein scheint. Ibeyi setzen dabei Bezüge zur nigerianischen Yoruba-Kultur, die mit Sklaven in die Karibik kam und zu den eigenenWurzeln der Zwillinge gehört. Aber auch das antike ägyptische Totenbuchwar eine Inspiration, sowohl für denAlbumtitel als auch für den Song „Made Of Gold“. Die vielfältigen kulturellen Bezüge, die auch in vielsprachigen TextenAusdruckfinden, kleiden Ibeyi musikalisch in ein entspanntes Pop-Gewand mit abwechslungsreichen Grooves. Dazu trägt vor allem auch die Zusammenarbeit mit XL-Labelchef Richard Russell und dessen weitläufigem Netzwerk an befreundeten Musikern bei. Das Ergebnis istMusik zur Zeit im besten Sinne. \ chr Mit schönen 90s Late Nite Vibes schleicht sich dieses Album der norwegischen Soulsängerin an und sorgt vom Start für heimelige Retro-Gefühle. Als hätte PrinceDestiny‘s Child ca. 1999 produziert, so geht es auch weiter, darüber die angenehmwarme Stimme von Beady Belle, die ihr Können nicht durch übergroße Virtuosität sondern schön dezente Modulationen zur Schau stellt. So ist es für sie von Beyoncé zuAdele nur eine winzige Umdrehung. Schön dann das nordisch jazzige Ambient der wahnsinnig intimenMini-Ballade „Buoy“, geflüsterte Geständnisse unter der Bettdecke. ImgepflegtenDowntempo-Bereich hat Beady Belle ihre Stärken, einer der wenigen Ausreißer ist die überlebensgroße Geste mit Frauenchor und Elektro-Jazz-Big Band bei „Sinking Ship“, und der 80s Handclap Pop-Ausflug in „Playing With Fire“. \ kk Das Münchner Quintett ist zwar klassisch im Jazz geschult aber was Ark Noir daraus für ihren Gruppensound folgern, steht auf einem gänzlich anderen Blatt. Bereits beimDebüt schrieb die Kritik: „...sie gestalten Klanglandschaften aus ambienten Flächen, kurz aufflackernden elektronischen Motiven und befinden sich nach ein paar Minuten auf einem dystopischen Dancefloor.“ (Musikexpress). So klingt das neue Albumwie ein Soundmix aus einemComputerspiel und Space Jazz. Letzteres, dem von dem Mahavishnu Orchestra bis zu Flying Lotus direkt mehrere Generationen von visionären Freigeistern Pate standen, als wiederum eine gelungene Produktion, die alle Bandmitglieder gleichermaßen amProduktionsprozess teilhaben lässt. Turn On, Tune In, Drop Out. \ rm Zu BandleaderMoritz Sembritzkis großen Vorbildern zählen Duke Ellington undGil Evans, doch klingt sein 17köpfigesMusik-Ensemble doch deutlich anders. Ist das Orchester ein Sammelbecken für Neue Klassische Musik, für Jazz, New Orleans Swing oder ist das auch Pop (um die Ecke gedacht) bzw. erinnert an The Notwist? Zwei Sängerinnen decken stimmlich die Pole ab: Jazzsängerin Fini Bearman aus London und die Berliner Opernsängerin Aylin Winzenburg im Mezzosopran. 10 Bläser geben den bisweilen nötigen Wumms, ein Klavier (üblicherweise) wird hier durch Synthesizer/Electronics ersetzt. Demnächst in der (Elb) Philharmonie und vielleicht auch in Donaueschingen. \ rm Sharon Van Etten We‘ve Been Going About This All Wrong Jagjaguwar/Cargo Daniel Villarreal Panam6 77 International Anthem Bonnie Raitt Just Like That ADA/Warner Waldeck pres. 20<ears Dope Noir Dope Noir/Broken Silence Kreator Hate Über Alles Nuclear Blast/Rough Trade VÖ: 10.6. Ibeyi Spell 31 XL Recordings/Beggars Group Beady Belle Nothing But The Truth Jazzland Recordings Ark Noir See <ou On The Other Side enja/yellowbird/Edel Magnetic Ghost Orchestra Magnetic Ghost Orchestra Fun In The Church/H‘Art

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