Klenkes - Juni 2022

22 Juni 2022 Da ist einiges passiert und auf dem Weg imKunsthaus NRW. Das Haus ist inzwischen eigenständig und nicht mehr dem Ministerium unterstellt. Es konnte sein Team aufstocken und die Kunstvermittlung räumlich stärken. Die Schäden des Hochwassers sind noch sichtbar, da zur Schimmelvermeidung Putz abgeschlagen werden musste, um aufsteigende Feuchtigkeit des Mauerwerks zu stoppen. DasKlosterküchengewölbe stand komplett unterWasser, der untere Vorhof über einen Meter. Die Sammlung ist nicht betroffen, aber Außenskulpturen. Der noch zu entfeuchtende Klosterküchenkeller beherbergt zunächst zwei Installationen. Der bewohnte älteste Teil des Klostergebäudes, die ehemalige Brauerei, ist während der Entfeuchtung Studienstätte der Bauforschung. Später soll hier eine Gastronomie Einzug halten. Das Skulpturenlager gegenüber wird bespielt mit einer Installation, die fragmentierte und auf Bauhöfen zwischengelagerte Kunst am Bau in einem künftigen Braunkohletagebausee als Tauchattraktion abzulegen vorschlägt. Das Landesbüro für Bildende Kunst (labk.nrw) berät bildende Künstler in Nordrhein-Westfalen. Die Informationsplattform wird vomMinisterium für Kultur undWissenschaft des Landes getragen und an das Kunsthaus NRWangegliedert. Dank seiner digitalen undmobilen Struktur bleibt es jedoch von überall zugänglich und will „Produzieren“, sprich kommentierte Inhalte sammeln und „Diskutieren“, sprich diskursfördernd im ganzen Land Veranstaltungen zu aktuellen, kulturpolitischen Themen durchführen. Mit der Eigenständigkeit des Kunsthauses NRW ist auch die Möglichkeit gegeben, neben den durch eine Jury bestimmte Förderkäufe aktueller Kunst aus NRW, einzelne Werke zu erwerben, die von früher übersehenen Künstlern stammen, etwa ein rundes Prismenrelief vonMary Bauermeister. In der Ausstellung, die für die Sammlung in die Anfänge der Moderne imRheinland und inWestfalen zurückgreift, sind Leihgaben von August Macke integriert, um unter dem Thema aufbrechen, die Anfänge, aber auch die Krisen, Kriegswirkungen und Umbrüche der Kunst im Land seither zu dokumentieren. Wie bisher auch, bieten in diesen Auswahlprozessen provisorische Einbauten das Gerüst für eine Erzählung über die Kunst aus NRWund den Sammlungsbestand unter einem bestimmten Aspekt. Die Reihe heißt „Sammlung mit losen Enden“, denn die Dokumentation der Sammlung, die imGange ist, hat nicht nur 4.000 in Landesgebäuden verteilte Förderkäufe im Blick zu behalten, sondern umfasst auch Bestände aus Stiftungen, Casinobesitz und teils ungeklärte Schenkungen. Solche anzunehmen, besteht jetzt auch die Möglichkeit, sofern das zumSammlungsziel passt. 1948/49 wurden 191 Kunstwerke von 125 KünstlerInnen erworben und seitdem weitere auf Landesbüros verteilt. Seit 1976 ist die Sammlung in der ehemaligen Reichsabtei untergebracht. Maria Engels, die Tochter des Begründers des Förderkonzeptes Dr.Matthias Engels, betreute die Sammlung bis 2014. Die Kunst wurde empfindlicher und sicherungsbedürftiger. Ankäufe junger Künstler wurden immer kostbarer, sodass Dokumentation und Sicherung wichtiger wurden. Ein unschätzbarer Überblick über 70 Jahre Kunstschaffen des Landes wurde angelegt, der so nirgendwo sonst zu zeigen ist. In Portionen, wie das seit 2015 der neue Leiter Dr. Marcel Schumacher mit kleinem, aber nun wachsendem Team macht. Zu den vielen Einzelausstellungen gefördertert vonMaria Engels sind Garten, Baukultur, Medienkunst und weitere Räume hinzugekommen. Am Anfang des Eifelstiegs undmit der fortschreitendenRestaurierung der Abteigebäude lassen sich wohl auchweitereMenschen gewinnen, die einenZugang zu denNeuerungen der Kunst bekommen können. So treffen knarzende Parkettböden auf hochtechnisierte aktuelle Kunst, barocke Pracht auf minimalistische Kunst. \ bis 28.8. „Gemeinschaft und Gemeinschaften“ Kunst in NRW im 21. Jahrhundert bis 13.11. „Garten der Fragmente“ – Skulpturengarten 2022 bis 5.3.2023 „Sammlung mit losen Enden 05“: „aufbrechen“ Kunst in Rheinland und Westfalen von 1912 bis heute Kunsthaus NRW, Kornelimünster ↗kunsthaus.nrw Zu den vielen Einzelausstellungen sind Garten, Baukultur, Medienkunst und weitere Räume hinzugekommen Stetig erweitert Fotos: Dirk Tölke Als Ergänzung befasst sich das Kunsthaus NRW inzwischen auch mit Kunst am Bau, einem Förderprogramm von 1919, das 1950 erneuert wurde. Abriss und Umbau betrifft auch hier wenig wahrgenommen das Verschwinden und nicht Wertschätzen künstlerischer Beiträge. Das Kunsthaus bewahrt einige Werke von Victor Bonato, Adolf Luther und Georg Meistermann. Interventionen von jungen KünstlerInnen wie Frauke Dannert reagieren darauf, Andere befragen mit integrierten Fragmenten die Relevanz früherer Utopien einer besseren Gesellschaft im „garten der fragmente“ im Skulpturengarten. : KUNST AM BAU Das Kunsthaus NRW ist aus der Fördersammlung des Ministeriums zu einer eigenständig verwalteten Sammlung geworden und füllt Abtei und Garten mit Gegenwart und Vergangenheit der Kunst in NRW. Nun auch der Kunst am Bau. Von Dirk Tölke kunst

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