Klenkes - Juni 2022

bühne 20 Juni 2022 Improvisationstheater Neun Frauen schlüpfen in verschiedene Rollen, entführen an völlig unerwartete Orte und lassen frei erfundene Dialoge auf der Bühne stehen. An diesem Abend ist alles möglich! Ob lustig, todernst, gefühlvoll oder skurril – unter der Leitung von Kerstin Brenmöhl gibt das Improvisationstheater Ostbelgien sein neuestes Werk zum Besten. : 18.6 „Improviant mit Picknick“ 19 Uhr, Theater 99 Theaterversion Bei einer Trennung bekommt man sein Geld zurück. So lautet der Deal, den Klaus Kranitz, ehemaliger Immobilienmakler und jetzt Paartherapeut aus Leidenschaft, seinen Klientinnen und Klienten anbietet. Kein Wunder also, dass sich die Lagardes, die Kaasbohms und die Justs auf einen Trip einlassen, der sie durch die skurrilen Therapieideen von Kranitz an die Grenzen der Belastbarkeit führt. Mit dieser Version wurde aus den kultigen Hörspiele von Radio Bremen ein Theaterstück geschaffen. Unter der Leitung von Barbara Fischer-Portsteffen entdecken die Zuschauer die Höhen und Tiefen einer Therapie, komisch und ernst, abgefahren und gefühlvoll zugleich. : 16.6. „Ohne uns ist nur mit dir“ 20 Uhr, Theater 99 Montagskurs Der pensionierte Beverly Weston ist Vollzeitalkoholiker, seine Frau Violet hat Krebs und schluckt nur Tabletten. Eines Tages verschwindet Beverly urplötzlich. Die erwachsenen Töchter Barbara, Ivy und Karen versammeln sich auf dem Familiensitz in Sorge um ihre Mutter. Diese sorgt sich aber viel weniger um ihren verschwundenen Ehemann als um sich selbst. Das unerwartete Familientreffen wird dadurch zum Schlachtfeld familiärer Konflikte, auf dem sich Violet grandios und bösartig gegen den Rest der Familie in Szene setzt. Dabei werden auch gut gehütete Familiengeheimnisse ans Licht gezerrt. Tracy Letts hat ein tragikomisches Familienepos geschrieben und verbindet die Theatertradition von Eugene O’Neill und Tennessy Williams mit dem ätzenden Humor der schwarzen Komödie. Es geht um Schuld, Selbstzerstörung, Alkohol, Inzest und unerfüllte Liebe. : 24.6. „Eine Familie“ 19.30 Uhr, Theater 99 BÜHNENSPLITTER musiktheater Hier kommt die Zukunft Die Inszenierung übernimmt Clara Hinterberger, dirigieren wird Herbert Görtz. Im Vorgespräch erklären sie, warum ein solches Projekt für die Hochschule, aber auch für das Theater immenseWichtigkeit hat undwarumdie Zusammenarbeit zwischender jungenRegisseurinunddemDirigenten und langjährigen Dekan ein intensiver Austausch mit Substanz war. „Ombra Felice“, ein Pasticcio, sprich eine lose Zusammensetzung, aus Arien, Ensembles und Szenen von Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1994 bei den Salzburger Festspielen von Heinz Holliger und Karl-Ernst Herrmann aufgeführt. Diese Vorlage war die Basis für Hinterbergers Inszenierung, die wie eine Collage aufgebaut seinwird, umdie Arien Mozarts miteinander zu verbinden. Das alles umfassende Grundthema ist – wie auch bei denmeistenArien – die Liebe. Und zwar in all ihren Facetten: Abschied von und Einsamkeit durch den Verlust der Liebe und das Tabu, darüber zu sprechen. „Es wird einAbendwerden, der die Liebe im Blick hat und ein Porträt der Menschen sein, die auf der Suche nach Frieden für sich alleine und in der Gemeinschaft sind. Es ist die Suche nach jeglicher Formvon Liebe, auch und gerade der im gemeinschaftlichen Miteinander“, erläutert Hinterberger ihren Ansatz. „Es wird wie ein abendlicher Blick durch das Fenster in beleuchteteWohnungen.“ Unterstützt wird das durch das städtische Bühnenbild von Loriana Casagrande, in das jeder Darsteller mit seiner Arie und demKostümbild von Marie Harneit eingebettet wird. Die Liebesmodelle, die gezeigt werden, sind vielfältig: Da wird es eine Witwe geben, und eine Dreierbeziehungen, den Single und Verlassenen: Jede Arie steht für sich, es entstehen viele kleine Miniszenen, die mit viel filigraner Vorarbeit durch eine städtische Soundcollage verbunden werden. Die Arien rufen allerlei Emotionen hervor, der Zuschauer kann eine nach der anderen miterleben, wie ein Voyeur. Herbert Görtz, für den es seine letzte Produktion mit der Hochschule sein wird, ist begeistert, dass seine Studierenden mit dem Pasticcio aus dem Vollen schöpfen können. „Ich nenne die Stücke Bravourarien. Für Sänger und Musiker sind die Stücke wunderbare Herausforderungen. Zwar könnte es sein, dass die Musik dem Publikum zu 95 Prozent nicht bekannt ist, aber die Qualität ist nicht schlechter als bei der Zauberflöte oder dem Figaro“, erklärt er. Und er muss es wissen. Seit 1978 dirigiert er, seit 1993 begleitet er die Aachener und Kölner Absolventen der Musikhochschule bei ihrer Abschlussproduktion. Seit mehr als 20 Jahren besteht die Kooperation zwischen dem Theater Aachen und der Hochschule für Musik und Tanz Köln mit ihren Standorten Aachen, Köln und Wuppertal. Der zentrale Pfeiler dieser Kooperation ist die Opernproduktion, die jeweils amEnde der Spielzeit mit Gesangsstudenten und demOrchester der Musikhochschule am Theater Aachen erarbeitet wird. „In diesem Jahr spielen wir nicht eine Oper, wie sonst meistens, sondern so gesehen zwölf Stück, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, aber von der Regisseurin wunderbar zusammengebracht werden.“ Es sei eine substantielle Zusammenarbeit zwischen beiden gewesen, um das Maximum aus den Studierenden herauszuholen und das Musiktheater neu zu denken. „Die Stücke sind alle am oberen Level, die zehn Darsteller und knapp 25 Musiker arbeiten intensiv an ihnen. Aber durch diese Produktion auch erstmals gemeinsam.“ Der interdisziplinäre Aspekt ist auch für Hinterberger wichtig. Fast poetisch setzt sie sichmit den Formen der Liebe auseinander und verbindet das große Oberthema mit den einzelnen Stücken zu einemneuen Ganzen. Und das in einer solchen Inszenierung mit jungen Menschen in Aachen am Theater Aachen zu zeigen, sei eine unglaubliche Chance. Dass die Studierenden die Infrastruktur des Theaters nutzen können, sei ebenfalls keine Selbstverständlichkeit. „Die Kooperation innerhalb des Nachwuchsförderprogramms ist enormwichtig für die Studenten, umherauszufinden, ob es nach dem Abschluss wirklich auf die Bühne geht“, erklärt Görtz, dermit seinemAmtsantritt 1993 dieses Projekt begleitet. „Es gibt so viele Städte, wo man Theater mit Hochschule verbinden könnte, aber es klappt nicht. Ganz einfach aus demGrund, weil der eine nicht mit dem anderen redet.“ Zum Glück ist das in Aachen nicht der Fall und die Kooperation läuft beständig weiter. SechsWochenwird jetzt geprobt, dann geht es für die Vielleicht-Stars von morgen auf die Bühne und in den Orchestergraben. Umsich zu beweisen und zu zeigen, dass sichMusiktheater entwickelt. Viel Erfolg! \ kw 12. (18 Uhr), 18., 22.+ 24.6. „Ombra Felice“ 19.30 Uhr, Theater Aachen ↗theateraachen.de In Kooperation der Hochschule und dem Theater Aachen: „Ombra Felice“ Foto: Marie-Luise Manthei Bei „Ombra Felice“ heißt es für die Studierenden der Hochschule für Musik: „Von der Uni ins Theater“. Es ist eine Chance herauszufinden, ob man nach dem Studium den beruflichen Weg Richtung Platz im Orchestergraben oder Bühne einschlagen möchte. Ein Nachwuchsförderungsprojekt, das seinesgleichen sucht.

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