Klenkes - Juni 2022

musik 13 Der finnische Musiker Jimi Tenor macht keine schlechten Alben. Mittlerweile sind es mehr als 20 und seine Produktivität bleibt auch nach 30 Jahren hoch. Sein Song „Take Me Baby“ wurde aus Versehen ein Hit, als der Track 1994 die Berliner Technoszene rockte. Tenor springt auf seinen Alben zwischen House, Electro, Afrobeat, Space-Funk, Easy Listening und Jazz. Aber immer mit einer Intuition, Ernsthaftigkeit und Spielfreude, die ihn trotz seines Künstlernamens, dem etwas trashigen Image und seiner unorthodoxen Herangehensweise stets zu großen bis guten Ergebnissen führt. Das hat er mit seinen Albenmit Fela Kuti, denNeuarrangements seiner Songs mit der Bigband Dachau, den Tenors of Kalma (mit Kalle Kalima) oder als Solist und Studiofrickler wie aktuell für sein Album „Metaversum“ stets bewiesen. In Jimi Tenors „Metaversum“ kommt alles wunderbar zusammen: Sein Faible für schräge Elektronica, einer Alan Vega-Reminiszenz namens „Baby Free Spirit“ oder eben die mit Drumcomputer und Synthesizerloops gefüllten funkigen Afrobeat-Exkursionen, denen er mit seinemSaxophon- und Querflötenspiel jazzigen Schwungmit auf den Weg gibt. \ rm „Nick Cave im Club Sound“, so beschreibt Florence Welch selbst ihr Album. Da ist was dran, mischen sich doch Horror und Erlösung, Euphorie und Verzweiflung bei ihr zu einer untrennbaren Mischung, die jedoch in den meisten Fällen den euphorischen Aufschwung als Lösung wählt. Viel geht hier Hand in Hand: Mal Folk, der auf mächtige Chöre trifft, mal Plucker-Kraut-Dance, mal purer Gospel-Country, immer wieder übernehmen gewaltige Vocal-Wände dieMacht. Die Lockdown-Sehnsucht nach Weite, Tanz, Gemeinschaft und persönlicher Nähe durchzieht das gesamte Album. Engel und Teufel umtanzen die geplagte Seele, am typischsten vielleicht in „Fever“, einem Song über Tanzsucht, das auf einem 70s-Stones-Riff sich immer weiter gewaltig hochschraubt, Gottesdienst in Bombastohausen. Nur so richtig „Club“-Sound will sich hier nichtfinden, hängt doch alles mit der schweren Bedeutung eines Historien-Öl-Schinkens im goldenen Rahmen. Hoffen wir auf leichtere Zeiten für Florence And The Machine. \ kk Gute Musik für alternde Berufsjugendliche. Wer der Kölner Band um die Wirrköpfe Markus Berges und Ekki Maas schon in der Vergangenheit aufmerksam seine Ohren zugewandt hat, weiß natürlich um die stets konstante Qualität ihres Liedguts. Entspannte, groovige Pop-Musik ohne Allüren, mit vielen cleveren Ideen, wunderschönen Hochkultur-Texten von Berges und von Ekki Maas als Produzent jedesMal zu einemkleinen, bescheidenen Meisterwerk hochgejazzt. Natürlich geht auchdemzehntenAlbum„GutenMorgen, Ragazzi!“ da nicht die Puste aus.Man fragt sich eher, warum Erdmöbel noch immer nicht offiziell zum relevanten Kulturgut unseres Landes deklariert wurden, und die Kultur-Großkopferten immer noch so viel Unsinn abfeiern. Der Sound ist kuschelig wie eh und je, Berges anschmiegsame und souverän intonierende Stimme der perfekte Geschichtenerzähler, drumherum passieren viele Sounds aus alten undmodernen Instrumenten, Popmusik, Klangkulisse, Rettungsanker für diejenigen, die von Pandemie und Krieg schon längst viel zu wirr geworden sind. \ kt Wer mit TikTok musikalisch sozialisiert wird, dem ist alles eine große Gleichzeitigkeit, Musik aus allen Zeiten hintereinander weg, was gut ist, wird gemocht, egal, von wann und wem es ist. Wenn dannBands gegründet werden, dann fahren die Stilistiken Achterbahn, dass die Genre-Schubladen nur so knallen. Nach dem Opener im Billie Eilish-Indie-PopStil kommt direkt der Hit: „Chaiselongue“, nach Sleaford Mods-Geplucker schraubt sich das Ding zu einem Punkhit hoch, toll. Die Band von der Isle Of Wight haut einen bunten Cup-Cake aus allemzusammen, was sie gutfinden. Und das können Lana Del Rey-Versatzstücke sein, die auf GaryNuman-NewWave treffen und von einer schrubbenden Krachgitarre zusammengeklebt werden, oder 90s Alternative, inden sich frech ein „The ManWho Sold The World“-Riff mit angetackertemSchnurrbart eingeschlichen hat. Dasmacht riesigen Spaß, weil es lebt, weil es aus der Fülle der Einflüsse einen neuenheißenBrei zaubert, der zwischen 12 und 60 jedemmit offenen Ohren nur zu gut schmecken wird. \ kk Kurt Vile, Jahrgang 1980, ist ein Kind der späten 90er und frühen 2000er Jahre. NEUETONTRÄGER Jimi Tenor Multiversum Bureau B/Kompakt Florence And The Machine Dance Fever Polydor/Universal Erdmöbel Guten Morgen, Ragazzi! Jippie! industrie/Rough Trade Wet Leg Wet Leg Domino Records/GoodToGo Kurt Vile (Watch My Moves) Verve/Virgin/Universal Prozent aller Haushalte in Aachen sind Single-Haushalte: Nirgendwo in NRW wohnen mehr Menschen alleine! Ein Produkt aus dem Wir recherchieren die Fakten und erklären, was dahinter steckt. Jetzt 4 Wochen testen aachener-zeitung.de/fakten Gleich bestellen unter:

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