Klenkes - Juni 2022

10 Juni 2022 Der Typ ist höllisch gut“,meinte einst der für Lobhudeleien unverdächtigeMilesDavis. JohnMcLaughlin erinnert sich mit Dankbarkeit an diese Zeit. „Jedes Mal, wenn ich ihn sah, steckte er einen 100-Dollar-Schein in meine Hemdtasche: ,Achte darauf, dass du isst; deine Miete zahlen kannst.‘ … Er war ein echter Mentor fürmich, musikalischundmenschlich“, so McLaughlin über seine damalige Zeit mit Davis, auf dessen wegweisenden Electric Fusion Jazz-Alben „Bitches Brew“, „In A Silent Way“ oder „On The Corner“ er Gitarre spielte. 1969war der junge Brite in die USA gekommen. Begonnen hatte er im Genre Bluesrock, doch noch vorMiles Davis fand seine erste Feuertaufe in der Gruppe Lifetime des Schlagzeugers Tony Williams statt. Spätestens hier wurde die Spreu vomWeizen getrennt (zwischenzeitlich jammte er auch mal mit Jimi Hendrix in New York), und Miles Davis wurde auf ihn aufmerksam. McLaughlins erste eigene Band wurde dann für rund fünf Jahre zum Adressat unzähliger Jazz-Poll-Ehrungen. Nicht verwunderlich, spielten doch imThe Mahavishnu Orchestra weitere Koryphäen wie Billy Cobham, Jerry Goodman oder Jan Hammer. Die hochenergetische Musik des Quintetts sorgte für einen musikalischenQuantensprung im Jazz: der virtuos gespielte Jazzrock integrierte traumwandlerisch ebenso Funkelemente wie auch das melodische Konzept der Ragas aus der klassischen indischen Musik. Auch nach Auflösung des Mahavishnu Orchestras ging McLaughlin konsequent einen Schritt weiter. Mit der Band Shakti (Energie) tauchte er tiefer in die indischeMusik sein. Vorab hatte er mehrere Jahre lang klassische indische Musik studiert und auch das Lauteninstrument Vina zu spielen gelernt. Ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere waren die weltweiten Konzertreihen mit Al Di Meola und Paco De Lucia. Lucia brachte das Element Flamenco in die künstlerisch nicht gerade arme Welt des Gitarristen John McLaughlin. Letztlich ist die beeindruckende musikalische Vita des John McLaughlin viel zu lang, um sie hier angemessen abbilden zu können. Im Januar ist dieser große Musiker 80 Jahre alt geworden. Doch von Müdigkeit keine Spur! Und nicht, dass John McLaughlin seinen kreativen Output an neuen Alben während der Corona-Pandemie gar eingeschränkt hätte. Im Juni letzten Jahres veröffentlichte er mit „Liberation Time“ einLockdown-Album, andemneben allen Mitgliedern seiner Band 4thDimension auch vieleGästewie Pianist Roger Rossignol oder Schlagzeuger Vinnie Colaiuta mitwirkten. Aktuell erscheinen bei unterschiedlichen Plattenfirmen legendäre Konzertaufnahmendes britischenGitarristen: „The Montreux Years“ zum Beispiel, Konzertaufnahmen vom Schweizer Jazzfestival der Jahre 1978 bis 2016 (BMG) oder die lange verschollen geglaubte Aufnahme des zweiten Konzerts vonAl DiMeola, JohnMcLaughlinundPaco De Lucia vom Dezember 1980 in San Francisco (earMusic). Das damalige ersteKonzert erschien als Liveplatte unter dem Namen „Friday Night in San Francisco“ und gilt als das bekannteste Live-Akustikgitarren-Album überhaupt. Es verkaufte sich weltweit über 2 Millionen mal. Seit 2009 spielt McLaughlin mit seiner international besetzten Allstar-Band namens The 4th Dimension. Mit Gary Husband (Keyboards, Drums), Ranjit Barot (Drums) und ÉtienneM’Bappé (Bass) wurde The 4th Dimension schon als „Mahavishnu Orchestra des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Eine 2017 aufgenommene Liveplatte aus dem Londoner Jazzclub Ronnie Scott‘s widerlegt diese These nicht. Dieser Text begann mit einem Lob von Miles Davis, er endet mit der Aussage von Pat Metheny: „John McLaughlin ist der größteGitarrist derWelt“. \ 6.7. John McLaughlin & the 4th Dimension 20 Uhr, Burg Wilhelmstein, Würselen ↗burgwilhelmstein.com John McLaughlin & The 4th Dimension – das Mahavishnu Orchestra des 21. Jahrhunderts? Die Flamme lodert noch Die Vielfältigkeit seiner (Gitarren-)musik spricht Bände: John McLaughlin besucht die Burg Wilhelmstein mit seiner Band The 4th Dimension. Von Richard Mariaux Foto: Ina Behrend 19.8. Marialy Pacheco & Omar Sosa. Marialy Pacheco, eine ebenso faszinierende wie vielseitige Pianistin. Und der wunderbare Kosmopolit Omar Sosa, der auf den 88 Tasten ein ganzes Orchester ersetzen kann! 3.9. Tingvall Trio Martin Tingvall, Omar Rodriguez Calvo und Jürgen Spiegel. Ein Schwede, ein Kubaner und ein Deutscher. Ein Pianist, ein Bassspieler, ein Schlagzeuger – melodiöser skandinavischer Jazz mit Elementen der Rockmusik. : MEHR JAZZ musik

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