Klenkes - Mai 2022

7 suermondt-ludwig-museum Neuer Direktor, neuer Blickwinkel Till-Holger Borchert startet als neuer Leiter in Aachens Schmuckkästchen – und distanziert sich von seinem Vorgänger. Es ist nicht so, dass Till Holger Borchert schon ein konkretes Projekt hätte, das er bei seiner Vorstellung als neuer Direktor des Suermondt Ludwig Museums aus dem Köcher hätte ziehen können. Und doch macht der 55 jährige gebürtige Hamburger bei seinem Amtsantritt an der neuen Wirkungsstätte in Aachen recht unmissverständlich klar, wo seine Ambitionen liegen: Er sei weniger interessiert an großen monografischen Ausstellungen und wolle seinen Schwerpunkt auf thematische Schauen legen – mit der hauseigenen Sammlung als Ausgangspunkt. Wermöchte, kanndarin einen Seitenhieb auf Borcherts Vorgänger Peter van den Brink erkennen, der sich mit eben genau dem, einer großen monografischen Ausstellung zu Albrecht Dürer, in den Ruhestand verabschiedet hatte. Die Schau war im vergangenen Jahr das kulturelleHighlight des Sommers inder Regionmit herausragendenKritiken inder überregionalen, ja sogar der internationalenPresse undbeimFachpublikumsowie einem außerordentlich großen Zuschauerzuspruch – eine Ausstellungmit Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus, und das in Pandemie Zeiten. Jüngere Zielgruppen anlocken Das alles bestreitet Borchert auch gar nicht, der als Spezialist für die niederländische Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts auch an der Realisierung der Dürer Schau beteiligt war. Dennoch stellt er fest: „Peter van den Brink hat Ausstellungen konzipiert, die amRande der räumlichen und personellen Kapazitäten des Hauses stattgefunden haben.“ Undmöglicherweise auch amRande derfinanziellen Kapazitäten: „Manmuss sehen, was nach demKassensturz übrigbleibt“, sagt der neue Direktor. Alles zu groß, alles zu viel? International sei das Haus zwar gut positioniert, sagt Borchert. Ihm gehe es aber darum, das Suermondt Ludwig Museum in der Stadt und in der Region wieder sichtbarer zu machen, das hiesige Publikum auch öfters ins Haus zu locken. Und das Museum auch für jüngere Zielgruppen bis hin zuKindern und Jugendlichen interessant zu machen. Vor diesem Hintergrund sei die Neuaufstellung der ständigen Sammlung von zentraler Bedeutung. „Die Arbeit vonMichael Rief und dem gesamten Team hat mich sehr, sehr beeindruckt“, lobte Borchert seine neuen Kollegen. Rief, Kustos der städtischen Kunstsammlungen und als stellvertretender Direktor zuletzt auch kommissarischer Leiter des Museums, hat die Präsentation der Sammlung federführend überarbeitet. Das Ergebnis sei innovativ, meint Borchert. Damitmüsse sich das Haus nicht hinter internationalen Spitzenmuseen verstecken. Borchert war ab 2014 als Generaldirektor der Städtischen Museen in Brügge tätig, zuvor war er von 2002 bis 2013 Kurator und schließlich Direktor des Groenigemuseums in Brügge. Zwischen 2000 und 2002 lehrte Borchert Kunstgeschichte an der RWTH Aachen unter demdamaligen Lehrstuhlinhaber Andreas Beyer. Der heutige Lehrstuhlinhaber AlexanderMarkschies gehörte zu seinen Kommilitonen an der Universität Bonn. Es gibt also durchaus Beziehungen nach Aachen, übrigens auch zu seinemStellvertreter Rief, den Borchert bereits seit 20 Jahren kennt. Den Teamgedanken stellt der neue Direktor mehrfach in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er wolle hören, was seine Kolleginnen und Kollegen für Vorstellungen haben, gemeinsam Ideen entwickeln. Gleiches gelte im Übrigen für die Zusammenarbeit mit den anderen großenHäusern der Stadt, demCentre Charlemagne und demLudwig Forum. Der nächsteHöhepunkt imHaus dürfte der letzte noch fehlende Abschnitt der Neupräsentation zum Mittelalter werden. Die Eröffnung soll im Oktober stattfinden. Mit dem neuen Programm werden Borchert und sein Teamdann im neuen Jahr starten. \ chr ↗suermondt-ludwig-museum.de Seit April an der neuen Wirkungsstätte tätig: Till-Holger Borchert, Direktor des Suermondt-Ludwig-Museums. Foto: Heike Lachmann www.centre-charlemagne.eu EINE? A L L E FÜR 30. APRIL – 14. AUGUST 2022 CENTRE CHARLEMAGNE 50 JAHRE KOMMUNALE NEUORDNUNG IN AACHEN

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