Klenkes - Mai 2022

So erfuhr Janek, dass die Arbeit als Rätselhersteller für ihn eben nicht als rein schriftstellerische Tätigkeit funktionieren würde. Diese Arbeit brauchteModeration. Diese Arbeit forderte Persönlichkeit. Die Berufsbezeichnung: Rätselhersteller. Erste Erfolge Bald bot Jörg Polzin, unter anderemder Besitzer des Kiez Kinis, Janek an, seinQuiz in der Kneipe auf der Promenadenstraße zu testen. Dort sah Janek sich zum ersten Mal mit dem Teil der Tätigkeit konfrontiert, den er zu Beginn eigentlich vermeiden wollte, der ihm sogar Angst machte: vor einer größeren Gruppe Menschen zu sprechen. Dass das Publikum aber zunächst hauptsächlich aus seinen Freunden bestand, erleichterte ihmdas freie Sprechen und half ihmdabei, er selbst zu bleiben. Die Freunde, so dachte Janek, kämen nur aus Gründen der Solidarität zu seinemQuiz und vielleicht war das zu Beginn auch so. Doch sie kamen immer wieder und brachten ihrerseits Freunde mit, die auch immer wieder kamen. So wuchs das Quiz schleichend und wurde zum Geheimtipp. Die Quizbegeisterten warteten bald schon eine halbe Stunde vor Beginn vor der verschlossenen Tür des Kiez Kinis, um einen der beliebten, aber limitierten Plätze zu ergattern. Das Quiz wurde größer und bekannter. Die „Liga mit Hut“ fand bald auch in anderen Cafés und Kneipen statt: im Sturmfrei, imZuhause, in der Bar Cantona. Auf natürliche Weise breitete sich das „Quiz mit Hut“ über die ganze Stadt aus. Janek bot seinQuiz auch privat an: für Hochzeiten oder Firmenfeiern. Im Laufe dieser Entwicklungen wurde das Sprechen vor fremdenMenschen zu Janeks Stärke. Er interpretierte den Beruf nichtmehr als Schreibtischtätigkeit, sondern als kommunikativen Akt. Der Beruf des Rätselherstellers wurde für ihn zu einem sehr Lebendigen. Als Teilnehmer spürtman dies in allen Komponenten. Das „Quiz mit Hut“ lebt von kauzigen Eigenheiten, liebevollen Details, Fehlern, belebendem Wettkampf und schrulligen Scherzen. „Und wer weiß, wo das Quiz noch hingewachsen wäre“, träumt Janek, während er davon erzählt, wie das Quiz mit der Zeit immer größer wurde. Doch dann kam Corona. Weil einKneipenquiz von der Anwesenheit der Teilnehmer lebt, traf die Pandemie das „Quiz mit Hut“ hart. Das Quiz konnte auf unbestimmte Zeit nicht mehr stattfinden. Janek verdiente nichts mehr. Auch die Privatauftritte fielen durch die Krise aus. Bisher hatte der Quizmaster und gebürtige Aachener immer nach dem Motto gelebt „et hätt noch immer jot jejange“, wenn der Verdienst auch inmanchenMonaten knapper war, als in anderen. Dochwährend der Pandemie sah er seine Rücklagen schrumpfen, musste Selbstständigenhilfen und Hartz 4 beantragen. Er sah sich von ernsten Existenzängsten bedroht. Neue Wege Als die Pandemie kein absehbares Ende fand, orientierte Janek sich um. ImSeptember letzten Jahres ließ er sich zum SCRUMMaster, zumProjekt und Social MediaManager fortbilden undmachte ein Praktikumbei einem lokal ansässigen ITDienstleister. Seit Februar diesen Jahres arbeitet er dort auch als fester Mitarbeiter. Auch in diesem Beruf geht es um den Informationsfluss, auch in diesem Beruf hat Janek Stahl eine moderierende Position inne und er ist froh über die festen Strukturen und das feste Gehalt, die dieser Job ihm bietet. Aber vor allem ist er froh über die Sicherheit, die die neue Stelle mit sich brachte und die er nach zwei Jahren pandemisch bedingter Unberechenbarkeit dringend brauchte. Ein Zurückkommen zu seinem Freiberufler Status als Rätselhersteller sieht Janek nicht. Mit zu vielen Unsicherheiten sei dies belegt. „Aber es hat Spaß gemacht“, sagt Janek. „Richtig viel Spaß gemacht“, ergänzt er und guckt kurz weit weg, wie einer, denman in einemgefühlvollenMoment erwischt hat. Janek Stahl wird das „Quizmit Hut“ weitermoderieren, jetzt aber als Hobby, nicht mehr als Beruf. Einmal imMonatfindet das „Quizmit Hut“ noch im Zuhause statt. So lange, bis Janek „zu alt dafür“ ist. „Zu alt dafür“ sei man aber erst, wenn man überhaupt nicht mehr mitkommt mit den neuen Trends und das sei noch lange nicht der Fall. Bis dahin freut Janek Stahl sich jeden Monat auf neue Gesichter, kreative Teamnamen, Wortspiele und spannende Kopf an Kopf Rennen beim„Quizmit Hut“. \ magazin 5 Das Kneipenquiz stammt ursprünglich aus England. Deswegen fand das Kneipenquiz auch in Deutschland zunächst vermehrt in Pubs statt. Seit längerem greifen aber auch Kneipen und Cafés den geselligen Trend auf. Das „Quiz mit Hut“ /ndet in Aachen einmal im Monat im Zuhause statt. Eine Anmeldung auf der Website des Zuhauses ist zur Zeit noch erforderlich. \ ↗zuhause-aachen.de/ quiz-mit-hut GESTERN HEUTE Das „Quiz mit Hut“ lebt von kauzigen Eigenheiten, liebevollen Details, Fehlern, belebendem Wettkampf und schrulligen Scherzen. Beim „Quiz mit Hut“ wird in Teams leidenschaftlich über die Fragen diskutiert, aber auch viel gelacht.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTk4MTUx