Klenkes - Mai 2022

4 Mai 2022 Wenn Janek Stahl das „Quiz mit Hut“ moderiert, treffen sich Quizbegeisterte jeder Altersund Berufsgruppe. In Teams treten sie gegeneinander an und testen sich in Allgemein- und Spezialwissen. Fragen zum aktuellen Zeitgeschehen, zumDreißigjährigen Krieg oder zum Weltkulturerbe stehen gleichberechtigt neben Fragen zum Dschungelcamp, zur ostasiatischen Küche, zu Comichelden wie Tim und Struppi oder Filmen mit Ben Stiller. Auf die Spezialkategorien können die Quizzer sich sogar vorbereiten; denn einen Tag vor dem Quiz, kann man auf der Facebookseite vom „Quiz mit Hut“ einen Hinweis in Form eines Bilderrätsels finden. Durch ExtrakategorienwieMusik, oderWortwitzrunden bleibt das Quiz abwechslungsreich. Deswegen handelt es sich bei denmeistenTeilnehmern auch umWiederholungstäter. Ganze Teams wie „die Öcher Einhörner“, „Sokratels weiß auch nicht alles“, „Quizme if you can“ oder „Hut zur Lücke“ quizzen regelmäßig. Bei den Teamnamen handelt es sich häufig umWortspiele mit den Begriffen „Quiz“, „Hut“, oder „Els“ – dem(von den einen) geliebten und (von den anderen) gefürchteten Kräuterbitter ausMonschau, der beimQuizmit Hut als Belohnungs und Strafschnaps eingesetzt wird. Die Neigung zu Wortspielen zeigt sich auch auf den schwarzen Zylindern, die das beste und das schlechteste Team während des Quiz tragen. Auf den Hüten kleben weiße Filzbuchstaben: Vorhut und Nachhut. Auf Janek Stahls Hut ist eine Steampunkbrille befestigt. Sein Hut trägt die Filzaufschrift Quizmaster. Der Weg zum Ziel Stahl ist 32 Jahre alt. Mal spricht er mit der Stimme eines patzigen Radiomoderators, mal mit der eines wohlwollenden Lehrers. Ein Aachener Eulenspiegel, vor dem man sich nicht schämen braucht, wenn man nicht weiß, wie viele Männer schon auf dem Mond waren. Er moderiert das „Quiz mit Hut“ seit April 2017. Der Weg dahin war nicht leicht: Nach seinem Studium der Soziologie und Politik in Aachen fand der Geisteswissenschaftler keinen passenden Beruf. Lehrer hätte er werden sollen, sagten Freunde und Familie, und dass er ein Typ dafür sei: einer nämlich, der gut erklären und moderieren könne. Doch damals hatte Janek keine Lust darauf. Heutefindet er, dass sie vielleicht Recht hatten. Damals war er selbst noch regelmäßig Gast bei einem Quiz im Café Einstein am Lindenplatz. Durch diese Besuche sei er überhaupt erst auf die Idee gekommen, ein eigenes Quiz zu erstellen, sagt er. Der damalige Moderator erzählte, dass das Café Einstein das Quiz von einem Gast bekäme, der diese für verschiedene Cafés und Kneipen in der Gegend schreibe und verkaufe. Das brachte Janek auf die Idee, das Schreiben und Verkaufen von gut recherchierten und liebevoll aufbereiteten Rätseln größer aufzuziehen. Die Recherche und den vorbereitenden Aufwand könne man den freiwillig Moderierenden doch abnehmen, dachte Janek, und dass dies den Kneipen doch etwas wert sein müsse. Deswegen nahm er kurz nach seinem Studium rund 1.000 Euro in die Hand, schrieb ungefähr 600 Kneipen in ganz Deutschland an, schickte ein eigens erstelltes Probequiz und machte Werbung. Trotzdem scheiterte dieses Unterfangen. Von all den angeschriebenenKneipen bekamer nur eine einzige Rückfrage. Er verkaufte kein einziges Quiz. So fand Janek heraus, dass sich bereits eineMethode etabliert hatte: Das Erstellen undModerieren der Kneipenquizze übernehmen nämlich meistens genügsame Stammgäste der jeweiligen Kneipe. Als Entlohnung für ihren Arbeitsaufwand reichen ihnen oft ein paar Gratisbier. Quizmaster Janek Stahl bei einem Quizabend im Kiez Kini in der Promenadenstraße. Fotos: Joy Beck Berufliche Perspektive: Rätselhersteller In Aachen war man ganz verrückt nach dem „Quiz mit Hut“, das – vor Corona – durch diverse Kneipen tingelte und von den Spielern einiges abverlangte. Ein Konzept, das ausbaufähig schien. Dahinter steckt einer, der ein Gespür für kniffelige Fragen, Geduld und Rückschläge hinter sich hat: Janek Stahl. Von Katrin Krause Die Dauer des „Quiz mit Hut“ beträgt zwei bis drei Stunden. Man spielt in Teams, die die Maximalgröße von sechs Personen nicht überschreiten. Das Quiz läuft über fünf Runden mit jeweils sieben Fragen. In jeder Runde gibt es eine neue Kategorie. Die Antworten, auf die sich das Team geeinigt hat, werden auf einen Zettel geschrieben, die der Quizmaster nach jeder Runde auswertet. Am Ende des Abends gewinnt das Team mit den meisten Punkten. \ DIE REGELN

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