Klenkes - Mai 2022

16 Mai 2022 City Slang Chef Christof Ellinghaus nennt die Band von John Convertino und Joey Burns schlicht die „City Slang Säulenheiligen“. Nach 24 Jahren Zusammenarbeit, in der die beiden AmericanaWüstengötter von der amerikanisch mexikanischen Grenze auch schon mal die Kinder des Labelchefs vom Kindergarten abgeholt haben, kann man das wohl anstandslos behaupten. Und ja, auch beim mittlerweile zehntenAlbum„ElMirador“ stellt man sich auf gemütlich staubige Gitarren, rostig swingende Rhythmen, und ein bisschen was von diesem südamerikanischen Tranquilo Style ein. Klar, der ist für Calexico kaumabzuschütteln, aber beimTitelgeber undOpener glaubt man zunächst einen Hidden Track aus Ry Cooders 2003er Album „Mambo Sinuendo“ erwischt zu haben. Relativiert sich dann einwenig, trotzdemfinden sich diesesMal auch zwei Cumbia Stücke auf demAlbum, die demrythmisch quirligen Stil aus afrikanischen und spanischen Tanzeinlagen huldigen. Vielleicht liegt es an denUmzügen von Convertino (jetzt in El Paso) und Burns (seit 2020 in Boise im Bundesstaat Idaho), die neue Eindrücke erweckten, denn „El Mirador“ fühlt sich sehr frisch, motiviert und kreativ an, ohne den klassischenCalexico Pfad voller Shaker, Mexicana Trompeten und knarzenden Gitarrentönen je zu verlassen. \ kt So minimalistisch arrangiert die Musik von Aldous Harding auch sein mag, die ihren Gesang oft nur mit E Piano, Gitarre oder kleinen Geräusch und Rhythmus Ergänzungen begleitet, so exzentrisch ist die neuseeländische Singer Songwriterin in ihrer Präsentation auf der Bühne oder imVideo.Mit „Warm Chris“ legt Hannah SianTopp, wie Aldous Harding bürgerlich heißt, ihr inzwischen viertes Albumvor. Nicht einfach, denn es ist nach dem meisterlichen „Designer“, mit dem sie 2019 international für Furore sorgte, gefühlt eher ein zweites Album. Die haben es wegen der großen Fallhöhe nach einem herausragenden Vorgänger immer etwas schwer. Harding, erneut mit Produzent John Parish (u. a. PJ Harvey) an ihrer Seite, scheint das nicht zu beeindrucken. Nahtlos knüpft sie an „Designer“ an, hat Mut zu noch mehr Intimität in den Arrangements, bleibt ihrem Referenzrahmen ( JoniMitchell, Nico, frühe Cat Power) treu und liefert eine SongPerle nach der anderen ab. Ein zartes, berauschendes Album. \ chr Der Albumtitel könnte sich auf Bandleaders StuartMurdochs buddhistische Weltanschauung beziehen. Oder auf die Musik des Albums, die den Fans das liefert, wofür sie Belle And Sebastian mögen. Die haben sich in ihrem komplett eigenenGenre Scot Pop nach – Schluck – 26 Jahren Bandgeschichte perfekt eingerichtet, da greift man blind ins Regal für alle Zutaten. Interessant zumerken, dass Arcade Fire sich so einiges abgeschaut haben, etwa dieser schwebende Groove in „Prophets On Hold“, der scheinbar sanft vor sich hinschaukelnd eine Welle der Intensität aufbaut, wie ein Mini Tsunami, der sich imHafenbecken als niedliche Welle tarnt. Zum weiteren Beweis direkt danach der baldige Konzertfavorit „Unnecessary Drama“, der für B&S Verhältnisse fast schon einen Stomper darstellt, und mit sägender Mundharmonika, euphorischem Chor und gnadenlos pumpendem Riff Lust auf Haare schütteln mit einer Tasse Tee in der Hand macht. Und um dieses tolle SongTrio komplett zumachen shuffelt „Come On Home“ im Carpenters BacharachVibe dem Sonnenuntergang entgegen. Ein schönes Album, welches mit zunehmender Dauer immer besser wird. \ kk „A Bit of Previous“ erscheint am 6.5. Holly Laessig und Jess Wolfe aka Lucius kennt man als fabelhafte Songwriterinnen und Sängerinnen, die in ihren Kooperationen mit Brandi Carlile, Sheryl Crow, Harry Styles oder auf Tour mit RogerWaters, stets dieWerke ihrer Co. Partner ein bißchen besser machten. 2020 verließen sie Los Angeles und zogen nachNashville, kamen bei Sheryl Crow unter, die wie auch ihre Freundin und Co Produzentin Brandi Carlile als Gesangsstimme hier bei einigen Songs mitwirkt. Laessig und Wolfe, die sich in ihrer Optik auf der Bühne und Fotos spiegelbildlich inszenieren, verarbeiten für „Second Nature“ eine Reihe von Erfahrungen wie Mutterschaft, Scheidungen und ungeplante Karrierpausen und weisen dabei etwas überraschend mit ihrem Album direkt auf die Tanzfläche. Da gibt es neben dem bodenständigeren Country Pop eine Menge an glitzerhaftem Abba Sound und überkandideltem Disco à la Scissor Sisters zu bestaunen. Trotzdemsind die Botschaften der beiden Frauen eher nachdenklich und deutlich weniger exaltiert: „Promises, empty like the bed you sleep in / Broken like the spell you’re keepin‘“ – „Promises“). \ rm Erinnern wir uns. Die kongolesischen Bands Konono No. 1 und Kasai Allstars erreichten in den späten 2000er eine enorme Popularität – nicht zuletzt auch in Europa und den USA. Ihre rituell befeuerte, archaische Musik mittels zusammengebauter Instrumente vom Schrottplatz ließ allerorten Bewunderer aufploppen – genannt seien hier Radiohead, Herbie Hancock, Beck, Björk, Wilco und Animal Collective. Es folgte das Album „Tradi Mods vs. Rockers: Alternative Takes onCongotronics“ unterMitwirkung von JuanaMolina,Wilco Schlagzeuger Glenn Kotche uvm.. Danach initiierte das Brüsseler Label Crammed ein Zusammentreffen vonKononoNo. 1, Kasai Allstars und vielen Protagonisten aus Buenos Aires, Kinshasa, New York, StockholmundNewMexico. Zusammen kamen zehn Leadsängerinnen und sänger, fünf Gitarristinnen und Gitarristen, drei Likembe Spielerinnen und spieler, fünf Percussionisten, zwei Bassspielerinnen und spieler und drei Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger. Nach sieben Tagen gemeinsamer Proben in Brüssel gingman 2011 für 16 Konzerte auf Tournee. Eine 100minütige Filmdokumentation „Congotronics International“ wurde dabei produziert und vorliegendes Album besteht aus diesenKonzertmitschnitten sowie in den Folgejahren die im Studiokollektiv in einemhalbenDutzend Sprachen entstandenen weiteren Aufnahmen. \rm Kaja Draksler gilt mit ihren gerade mal 35 Jahren als berühmteste slowenische Pianistin, auch über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus. Im Bimhuis Amsterdamtrifft sie 2016 auf ihre Partner Christian Lillinger und Petter Eldh. Kaja Drakslers weicher Tastenanschlag trifft auf die Gabe des schwedischen Bassisten Eldh, Höhen und Tiefen in einer einzigen Tonfolge zu erfassen. Lillinger, der quecksilbrigste Trommler Deutschlands, vervollständigt das Trio Infernal. „Punkt. Vrt.Plastik“ vermitteln das Gefühl eines klassischen Jazztrios, das der Cut Up Methode vonWilliamS. Burroughs oder den Launen eines besonders aufgedrehtenRemix unterzogenwurde. „Amnion“ könnte auch eine Ballade sein, aber dann zerbrechen die ansonstenfließendenMelodien und das sanfte Plätschern der Drums ruckelt vor und zurück unter den Händen dieses Trios. Gerade diese Fragilität eröffnet Momente der Klarheit und Zugänglichkeit und trägt durch die ambitionierten Momente der Performance. „Zürich Concert“ ist kein „StandardRecital“, sondern ein immer wieder stolpernder Tanz auf dem Vulkan, kurz vor dem Absturz, meisterhaft inszeniert durch die kongenialen Musiker. \ z’kay Ah, tut das gut, dieses brachiale Böllern eines stumpfen 60s Riff, diesmal vor allem auf der farfiseligen Orgel, Stammes Schreie, Wahnsinn: Jon Spencer ist wieder da! Und wie! Mit Schmackes und Verve geht’s nach „Junk Man“ weiter, „Hitmakers, are you ready?“ Ja, sowas von! „Get It Right Now“, da kann Edgar Wright direkt die nächste Filmsequenz planen. Heiliger 60s Derwisch, have mercy! Da hat jemand noch mächtig Dampf und will kein bisschen langsamer werden. Selbst die Mini Frickeleien nehmen keinenDruckweg, das bratzende Keyboard von Sam Coomes sorgt für zusätzlichen SockIt To Me Bratz. Was soll man sagen, das ist alles, was Jon Spencer je gemacht hat nochmal durchdenTurbo gewolft, heiliger, reinigender Space Boogie, gebaut aus den Trümmern von GaragenRock, wahnsinniger Electronica, sumpfigem Soul und Industrial Ruinen. Und was aus dem Yoga Kommando „Inhale, Exhale“ bei ihmwird, dasmussman hören, um es zu glauben. 13 Kracher für ein Halleluja! \ kk Zwei Feststellungen: An diesem Album stimmt alles. Undwennmannicht wüsste, dass Subterfuge ausDüsseldorf sind,man würde sie sicher in Kalifornien verorten. Denn die Musik des Sextetts ist durchströmt von der Wärme und Lässigkeit, vonder Freiheit unddemOptimismus des SonnenscheinStaats. Der Soundweist in die 60er Jahre, zudenByrds, JeffersonAirplane oder Buffalo Springfield. Songs wie „The Snake Wife“ oder „Stephanie Said“ bietenperfektenHarmoniegesang, ausgefeilte Arrangements, Melodien, die weite Bögen spannen, und all das vorgetragen mit hörbarer Spielfreude – Subterfuge gelingt nach 16 jähriger Schaffenspausemit „Dots“, ihrem sechsten Album, wahrlich ein großes Comeback. Obwohl sie an ihre starke Phase inden späten 90ernund frühen 2000ern anknüpfen, als sie Hits hattenwie „SillyGirl“ oder „I Do Birds“, wirken sie nun gereifter. Ein Frühlingsalbum zum Tagträumen. \ chr Fast zehn Jahre lang, seit dem Album „Antiphon“ (2013), hatman nichtsmehr von Midlake gehört. Schon die EntsteNEUETONTRÄGER Midlake For The Sake Of Bethel Woods Bella Union/PIAS Subterfuge Dots Less Records/Cargo Jon Spencer & The HITmakers Spencer Gets It Lit Bronzerat/PIAS/Rough Trade Punkt.Vrt.Plastik Zürich Concert Intakt records Congotronics International Where’s The One? Crammed Discs/Indigo Lucius Second Nature Second Nature Records/Cargo Belle And Sebastian A Bit Of Previous Matador/Beggars Group/Indigo Aldous Harding Warm Chris 4AD/Beggars Group/Indigo Calexico El Mirador City Slang/Rough Trade

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