150 Jahre Dürener Zeitung

Sonderverbeilage Jahre 150 1872 - 2022

Seite 2 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 „Wie lange wird es die gedruckte Tageszeitung noch geben?“ Diese Fragewirdmir oft gestellt, meistens vonMenschen, die sich umdie Zukunft der Zeitung Sorgenmachen. Menschen, für die zum Start in den Tag die Zeitung dazugehört wie der erste Kaffee oder Tee, Menschen, die sich den Alltag ohne die morgendliche Zeitungslektüre nicht vorstellen können. Oder wie es der Philosoph FriedrichHegel einmal formuliert hat: „Das Zeitungslesen desMorgens ist eine Art von realistischemMorgensegen.“ Wie lange noch? Die Antwort auf die Frage fällt nicht leicht, eigentlich ist sie gar nicht zu beantworten. Unübersehbar ist: Die Zeitung in gedruckter Form verliert vor allem bei jungenMenschen immermehr anAttraktivität.Was das für die Zukunft der Zeitung bedeutet, kannman sich leicht ausmalen. Entscheidend aber ist, was in der Zeitung steht, entscheidend sind die Inhalte. Ob gedruckt oder online: Guter Lokaljournalismus, der denMenschenOrientierung bietet und die Dinge, die vor ihrer Haustür passieren, kritisch beleuchtet und einordnet, ist gerade in herausfordernden Zeiten, wie wir sie momentan erleben, unerlässlich. Die Marke Dürener Zeitung, deren 150. Geburtstag wir in diesen Tagen feiern, steht für guten und verlässlichen Lokaljournalismus, er ist ihr oberstes Prinzip. Die Dürener Zeitung mag zumindest dem Lebensalter nach ein wenig in die Jahre gekommen sein, die Idee von gutem Lokaljournalismus ist es nicht. Diese Idee ist jung wie eh und je. Und sie wird es auch in Zukunft bleiben. Unsere Kolleginnen undKollegen in der Dürener Redaktion fühlen sich dieser Idee verpflichtet, so wie Generationen von Journalistinnen und Journalisten, die in 150 Jahren für die DZ geschrieben haben. Was im Jahr 1872 in der „Hamel’schenBuchhandlung“ unter Federführung vonGründer Robert Hamel dem Älteren (1839-1896) als „Dürener Sonntagsblatt“ begann, ist 150 Jahre danach für uns immer nochmaßgeblich und bindend.Wir sind uns derTradition bewusst. Sie ist das Fundament, aus demwir unsere Stärke ziehen und die Dürener Zeitung auch im Jahr 2022 zu einer wichtigen lokalen Stimme machen, an der keinWeg vorbeiführt. Oder wie es Jörg Hamel, der Ur-Ur-Enkel des Gründers, sagt: „EinName, der bis heute dank engagierter Redakteure für gut recherchierten Journalismus steht. Die Dürener Zeitung ist jedem Dürener ein Begriff.“ „Wie lange wird es die gedruckte Tageszeitung noch geben?“Meine Antwort: Noch lange! Lassen Sie uns gemeinsamZukunft gestalten, lassen Sie uns gemeinsameintreten für dieWerte, auf die unsere Demokratie gebaut ist. Gerne nutze ich die Gelegenheit, mich bei Ihnen für Ihre Treue und Verbundenheit zu bedanken. Lesen Sie uns weiter. Begleiten Sie das, was wir tun, kritisch. Und freuen Sie sich mit uns über 150 Jahre DZ. Wir klopfen uns nicht gerne selbst auf die Schulter, in diesemFall tunwir es aber ausnahmsweise doch einmal, weil wir Grund haben zu feiern.Wir sind stolz! 150 Jahre„Dürener Zeitung“. 150 Jahre publizistischeMeinungsfreiheit in Düren! Herzlichen Glückwunsch! Uns allen. Liebe Leserinnen und Leser, Chefredakteur Editorial VomSonntagsblatt zur Dürener Zeitung Die Gründerfamilie Hamel und die Zeitung Die Stadt in den Zeitungs-Gründungsjahren Paul Larues Erfahrungenmit der Zeitung Die Zeitung als Gedächtnis der Stadt Gratulationen aus Stadt und Land DieWirtschaftsregion Düren Gratulationen aus Stadt und Land Medienstunde: Junge Leute und die Zeitung Die Sportregion Düren Die Tourismusregion Düren Die Kulturregion Düren Die tragende Säule Ehrenamt Gratulationen aus Stadt und Land Das Redaktionsteam imKreis Düren Beilage 150 Jahre Dürener Zeitung Verlag: Medienhaus Aachen GmbH Dresdener Str. 3 52068 Aachen Geschäftsführer: Andreas Müller Redaktion: Thomas Thelen Chief Content Officer Verantwortlich für den Inhalt i.S.d. § 8 Abs. 2 Landespressegesetz NRW Anzeigen: Jürgen Carduck Leiter Werbemarkt Verantwortlich für Anzeigen i.S.d. § 8 Abs. 2 Landespressegesetz NRW Druck: Euregio Druck GmbH Dresdener Str. 3, 52068 Aachen Ein Produkt aus dem IMPRESSUM INHALT 10 20 8/9 19 7 18 6 17 4/5 16 3 15 2 14 12/13 22/23 Jahre 150 iPUNKT 02421 25 25 25 SA 08.10. FREE VIVALDI! 4 SEASONS MEET STREETDANCE MI 19.10. KAUZ & CHAOTIN MIT MARTIN SEMMELROGGE FR 18.11. DER KLEINE HORRORLADEN FR 02.12. WEIHNACHTSLESUNG MIT MARIE-LUISE MARJAN SA 03.12. SWINGENDES WEIHNACHTSKONZERT MIT DER JAZZRAUSCH BIG BAND SO 01.01. NEUJAHRSMATINEE – KING OF SWING ORCHESTRA TICKETS.DUEREN.DE THEATER.DUEREN-KULTUR.DE SPIELZEIT 2022/23 HIGHLIGHTS Foto: MAK Company

Seite 4 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 „Die DZ ist jedemDürener ein Begriff“ VON JÖRG ABELS DÜREN Die alte Linotype-Setzmaschine in der früherenDruckerei des Hauses Hamel wirkt wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Die Patina, die auf den Schiebern, Reglern und derTastatur liegt, mit deren Hilfe in der guten altenBleizeit noch für jeden Buchstaben einzeln eine metallene Gussform aus dem Magazin fiel und dann zu einer Druckzeile aneinandergereiht wurde, ist unübersehbar. Die alte Setzmaschine ist das letzteÜberbleibsel einer Zeit, in der die Dürener Zeitung noch in Düren gedruckt wurde, als „man das Stampfen der Rotation noch jede Nacht hörte“, erinnert sich Jörg Hamel, Ur-Ur-Enkel des Zeitungsgründers Robert Hamel, der am 29. September 1872 in der familieneigenen Buchhandlung die Probenummer eines neuen publizistischenOrgans präsentiert hatte. Das geschah anfangs noch als Dürener Sonntagsblatt für Stadt undUmgebung, ab 1874 aber schon mit demTitel Dürener Zeitung, von vielen Lesern seitdem nur DZ genannt. „Ein Name, der bis heute Dank engagierter Redakteure für gut recherchierten Journalismus steht. DieDürener Zeitung ist jedem Dürener ein Begriff“, steht für Jörg Hamel fest. Nicht zuletzt aus diesem Grund sei vor kurzem ja auch die kostenlose Zeitung„Super Sonntag“ in „Dürener Zeitung am Sonntag“ umbenannt worden. Renommeewichtiger denn je Und dieses Renommee sei heute, im schnelllebigen Social-Media-Zeitalter, mit oftmals rasant verbreiteten Falschmeldungen imInternet, wichtiger denn je, betont der 60-Jährige. Seit Jahren geht Hamel zwar als Geschäftsführer des Handelsverbands NRWAachen-Düren-Köln beruflich andereWege, die Entwicklung „seiner“ Zeitung aber verfolgt er immer noch intensiv. Auch wenn die Dürener Zeitung seit 1947 als Lokalausgabe der Aachener Volkszeitung, heute Aachener Zeitung, erscheint, gab es enge Verbindungen zwischen der Familie Hamel und dem Zeitungsverlag, dem heutigen Medienhaus Aachen, insbesondere zu Alt-Verleger Karl Heinz Schmitz, „zu dem wir ein ganz besonderes, fast schon familiäres Verhältnis hatten“, erinnert sich Jörg Hamel. „Schmitz hat mein Verhältnis zur Tageszeitung maßgeblich mitgeprägt.“ Das heißt aber nicht, dass sich Aachener und Dürener nicht auch mal gerieben hätten. Mitte der 80er Jahre, erinnert sich JörgHamel, habe er für einenMoment ernsthaft überlegt, sichmit der DZwieder vomZeitungsverlag Aachen zu lösen. Daraufhin habe Karl Heinz Schmitz zu ihm gesagt. „Stell Dir das nicht so einfach vor.“ Damit sei das Thema für ihn abgehakt gewesen. Er sollte bekanntlich recht behalten. Fortsetzung der Geschichte auf Seite 5 Jörg Hamel ist Ur-Ur-Enkel des Gründers der Dürener Zeitung. Seit 150 Jahren starke Marke und „gallisches Dorf “ im Medienhaus. Jörg Hamel, Ur-Ur-Enkel des Gründers Robert Hamel, an einer alten Linotype-Setzmaschine im alten Druckereigebäude in der Innenstadt, mit der in der guten alten Bleizeit auch nach 1947 noch in Düren die tägliche Zeitung produziert wurde. FOTO: JÖRG ABELS kreis-dueren.de Herzlichen Glückwunsch zum 150. Geburtstag! Der Kreis Düren wünscht alles Gute für die Zukunft! DAS INNERE ZÄHLT® Schlafkomfort seit 1937 svane.de KÜCHEN + MÖBEL + TISCHLEREI Innovation IntelliGel® einzigartige Druckentlastung optimale Körperunterstützung beste Belüftung Wasserbett-Feeling ohne Wasser! Hauptstrasse 273 | 52379 Langerwehe Tel.: 0 24 23/94 00-0 www.moebel-herten.de

Seite 5 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 „Die DZ ist jedem...“ Fortsetzung von Seite 4 Viele Jahre lang wurde die Dürener Zeitung nicht nur in Düren gedruckt, auch ihrVertriebwurde nach 1947 noch viele Jahre lang vor Ort vomHauseHamel koordiniert. Und als Handelsvertretung kümmerte sich die Familie auch noch bis vor wenigen Jahren um das lokale Anzeigengeschäft der Tageszeitung, bis 2013 die Anzeigen-Abteilungen von Tages- und Sonntagszeitung aus Synergiegründen in der Agentur Schiffer zusammengelegt wurden. „Es machte zu dieser Zeit einfach keinen Sinn mehr, sich in Düren an zwei Stellen um Kunden zu bemühen“, erinnert sich Jörg Hamel, der selbst viele Jahre mit Kollegen für die Anzeigenakquise verantwortlich zeichnete, nachdem er in jungen Jahren als freier Mitarbeiter unter dem damaligen Lokalchef Balthasar Schmitz auch schon die andere Seite, die der Redaktion, kennengelernt hatte. Bis heute liegendieNamensrechte Dürener Zeitung bei der Gründerfamilie. Undwie seinenVorfahrenwar und ist es auch JörgHamel in fünfter Generation weiterhin wichtig, dass das stilisierte Stadtwappen, dessen Nutzung sich die Familie einst von Dürens Stadtvätern genehmigen ließ, als Zeichen derVerbundenheit der DZ zur Heimatstadt Düren Bestandteil des Titels ist, auch wenn der altdeutsche Schriftzug vor vielen Jahren einer modernerenType weichenmusste. „Wir sind bis heute die einzige Ausgabe der Aachener Zeitung, die ein Stadtwappen im Titel trägt“, spricht Hamel deshalb auch schonmal vonDürenals„gallischem Dorf“ im Verbreitungsgebiet des heutigen Medienhauses, das gerne mal einen Sonderweg beschritten, über denTellerrand hinaus geblickt habe, weil es die Dürener in der Regel mehrheitlich eher Richtung Köln als nach Aachen zieht. So erinnert sich der 60-Jährige zumBeispiel noch gut an eine Beilagen-Sonderveröffentlichung in den 80er Jahren, die auf sein Bestreben hin in der DZ und im Kölner Stadtanzeiger erschien. Weil der logistische Aufwand aber zu hoch war, blieb das dann doch ein Einzelfall. Undwas wünscht sich JörgHamel für die Zukunft? Dass die Qualität der Marke Dürener Zeitung erhalten bleibt, egal in welcher Form sie erscheint, gedruckt oder digital. Dass mit dem Vertrauen, das 150 Jahre lang bei Lesern und Anzeigenkunden aufgebaut wurde, nicht leichtfertig umgegangen wird. „Die Tageszeitungwurde gerade vor dem Hintergrund zunehmender Digitalisierung schon oft tot geredet. Ich bin aber überzeugt, dass der Markt für eine lokale Zeitung auch in Zukunft vorhanden sein wird“, sagt Hamel. „Die Zeitung bietet dem Leser feste Orientierung und Informationen, die er sich nicht mehr mühsam an vielen Stellen zusammensuchen muss.“ Dass die Redaktion, die über Düren berichtet, auch weiterhin ihren Sitz inDüren hat, ist dabei aus seiner Sicht extrem wichtig. „Nur wer vor Ort ist, kann spüren, was die Menschen bewegt.“ So wie in den vergangenen 150 Jahren. Aus der Zeit zwischen den Weltkriegen: Die Dürener Straßenbahn fährt amMarkt und der Geschäftsstelle der Dürener Zeitung vorbei (Bild oben). Sonntagsblatt-Gründer: Robert Hamel der Ältere (unten links). Die der DZ-Geschäftsstelle schräg gegenüberliegende Seite des Dürener Marktplatzes mit dem Alten Rathaus (unten rechts). FOTOS: ARCHIV DZ/HAMEL Flugblatt nach dem Zweiten Weltkrieg. FOTO: ARCHIV DZ/HAMEL www.ewv.de Du liebst deine Region Mittendrin sind wir die Energie für alles, was uns verbindet. Noch schnell eine Überweisung von unterwegs tätigen, Bankberater:in sprechen oder von der Couch aus mit uns Ihre finanzielle Zukunft planen – die Sparkasse Düren macht’s möglich! Wir sind so flexibel wie Ihr Leben und bringen unsere Beratung und Service ganz einfach dorthin, wo Sie sind. Zusammen regeln wir Ihre Finanzangelegenheiten so einfach wie noch nie: über Online-Banking, App, Telefon oder Chat. Zusammen kriegen wir das hin. Über mein Digitales BeratungsCenter der Sparkasse Düren. BERATUNG DIREKT INS WOHNZIMMER? ZUSAMMEN KRIEGEN WIR DAS HIN. 02421 / 127-0 info@skdn.de sparkasse-dueren.de

Seite 6 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 Wer waren unsere ersten Leser? VON VERENA MÜLLER DÜRENMit „die goldenen Jahre“ ist die Zeit nach demDeutsch-Französischen Krieg bis zum Ersten Weltkrieg überschrieben. In dieser Phase des wirtschaftlichen und kulturellen Aufblühens wurde unsere erste Ausgabe gedruckt. Preußen hatte über Frankreich gesiegt, und das Deutsche Kaiserreich mit Kaiser Wilhelm I war ein Jahr zuvor frisch gegründet worden. Otto von Bismarck war Reichskanzler, zwar mit gesundheitlichen Problemen, aber noch bis 1890 im Amt. Die Wirtschaft florierte, die Hochindustrialisierung setzte ein. Auch in Düren war das Wachstum beeindruckend. Die Stadt an der Rurmauserte sich, gemessen an der Bevölkerungszahl, in dieser Zeit zu einer der reichsten deutschen Städte. ImJahr 1913 lebten hier 22Multimillionäre sowie 30 „einfache“ Millionäre, und auf Postkarten wurde scherzhaft aus der„Millionenstadt“ gegrüßt. Gemeint war freilich nicht die Bevölkerungszahl, sondern das Vermögen der Dürener. Rückgrat des Unternehmertums waren hauptsächlich die drei Erzeugnisse Papier, Textilien und Eisen. Engagement imSozialen Das Großbürgertumwurdemit steigendemWohlstand selbstbewusster, einflussreicher und engagierte sich im Sozialen. Wie die Lektüre von „Dürens goldene Jahre“, Begleitbuch der gleichnamigen Ausstellung des Stadtmuseums aus dem Jahr 2014 aufzeigt, haben sich viele Industrielle damals als Stifter hervorgetan. Das Stadttheater und das Leopold-Hoesch-Museum sind jedem ein Begriff, aber auch soziale Einrichtungen wie das Rheinische Blindenasyl Annaheim und die Säuglings- und Kleinkinderpflegeanstalt gehen auf Mäzenatentum zurück. In der ersten Riege, den Papierfabrikanten, wären zu nennen: Hoesch, Schoeller, Schüll, Schleicher, Peltzer und Prym. Zur zweiten Riege zählten die Familien Bückler, Heimbach, Krafft, Peill und Renker. Die meisten führten Zulieferbetriebe für die Papierindustrie. Geburtsstunde der Stadtbücherei Mit einer privaten Spende konnte imMai 1872 auch die bisherige Lehrerbibliothek zu einer „Städtischen Bibliothek“ ausgebaut werden. Die Geburtsstunde der Stadtbücherei also, beliebter Ort des Bildungsbürgertums. 4000 Bände zählte die öffentliche Bibliothek bereits ein Jahr nach ihrer Gründung. In den vergangenen drei Jahrzehnten veränderte sich das Stadtbild massiv. Zwischen 1867 und 1890wurden 892 neueWohnhäuser errichtet. Das Leben in den Straßen pulsierte. Daneben entstanden viele prachtvolle Stadtvillenmit üppigen Gärten. Fast schon Palais. Breite Auffahrten, große Treppenhäuser und imposante Salons waren an der Tagesordnung. Burkhard Nadolny schreibt 1957 in seiner Monographie über Felix Heinrich Schoeller: „Diese Villen waren Denkmäler der Eroberung: Herr Biedermeier hatte nach einemLeben voll zähemFleiß und Risiko den Fuß auf die Gestade der Privilegierten gesetzt und sich dort eine machtvolle Position geschaffen. Gemessen an dem Neid derer, die als zweite Welle hinaufdrängten und ihre Machtposition erst eine Generation später als Funktionäre und Manager erreichen sollten, wirkten diese Villen anmaßend.“ Vermutlich auch die ausschweifenden Feste, die dort gefeiert wurden – in erster Linie in den protestantischen Haushalten. Felix Heinrich Schoeller jedenfalls hatte in seinemPatrizierhaus den nötigen Raum, um 120 Gäste bewirten lassen zu können. Vergnügen fand das Großbürgertumauch imSport. Geschwommen wurde damals in diesen Kreisen noch nicht, weil es als nicht schicklich galt. Schwimm- oder Freibäder hatteDüren imJahr 1872 außerdem noch keine. Reiten stand dagegen ganz oben auf der Liste, ebenso Tennis. Abends besuchte man das Theater oder ein Konzert. Im Allgemeinen blieb man bei solchen Freizeitaktivitäten am liebsten unter sich. Das gilt gleichermaßen für die Heiratspolitik.Wer nun denVersuch unternimmt, sich in den Dürener Verwandtschaftsbeziehungen einen Überblick zu verschaffen, dem schwirrt schnell der Kopf. Leopold Hoesch, 53 Jahre alt und Filmproduzent, hat es im Jahr 2012 einmal so auf den Punkt gebracht: „In der Familie hat man vorzugsweise sich selbst geheiratet. Wenn das nicht ging, einen Schoeller oder zur Not sogar einen Peill.“ Und diese Tradition hat sich über Generationen in den Patrizierfamilien gehalten. So war die bekannteste Dürener Unternehmerfrau Stifterin des Annaheims, Anna Schoeller, mit Philipp Schoeller verheiratet. Beide entstammten der Linie Johann Paul Schoeller. Arthur Hoesch hatte seine Cousine geheiratet, Oskar Schüll ebenso. Und wie erging es derweil dem gemeinen Volk? Die Bevölkerung wuchs am Ende des 19. Jahrhunderts rasant, nicht zuletzt, weil die Kindersterblichkeit auf Basis der besseren Hygienekenntnisse deutlich zurückging. Banale Vorgänge wie das Abkochen von Wasser vor dessenGenuss verhinderten schwere Erkrankungen mit oft tödlichem Ausgang für kleine Kinder. Lebten 1871 noch etwa 13.000 Menschen in Düren, waren es im Jahr 1905 schon rund 30.000. Durchschnittlich wuchs die Stadt jährlich um circa 500 Menschen, davon knapp 300 Geburten und 200 Zuwanderer. Der Wohnraum für Arbeiter war aber knapp, viel zu teuer und die Verhältnisse darin nicht nur beengt, sondern aus gesundheitlicher Hinsicht auch oft katastrophal. Die Stadtverwaltung konnte sich der Not nicht länger verschließen und regte deshalb die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft an. Im Sommer des Jahres 1872 entstand so die Gemeinnützige Dürener Wohnungsbaugesellschaft, in deren Aufsichtsrat übrigens ausschließlich Industrielle vertreten waren. Bis zum Ersten Weltkrieg ließ die Gesellschaft 120 Häuser errichten. Unabhängig von ihr ließen viele Unternehmer auch auf ihrenWerksgeländen oder in deren NäheWohnungen und Siedlungen bauen. Beispiele sind die Agnessiedlung und die Kolonie der Flachsspinnerei Schoeller, Mevissen und Bücklers. Dabei darf man nicht vergessen, dass diese Bauten nicht nur aus reiner Nächstenliebe entstanden sind, auchwenn sich die damaligen Unternehmer noch als Patriarchen verstanden. Die Siedlungen waren auch eineMöglichkeit, gutes Personal zu binden. Was die Ernährung der Arbeiterklasse anbelangt, setzte mit technischen Innovationen in der Landwirtschaft und sichereren Erträgen eine Verbesserung ein. Viele Menschen bewirtschafteten zudem eigene Gärten, waren also Selbstversorger. Kartoffeln, Kohl, Bohnen und ähnliches standen häufig auf der Speisekarte, daneben Brot sowie ab und an Fleisch oder Käse. Am Ende der Verwertung landete alles imoffen fließenden Stadtbach, denn eine Kanalisation sollte erst später angelegt werden. Gut ausgebaut war dagegen das Eisenbahnnetz. Am 1. September 1841 war Düren ans Netz angeschlossenworden und lag damit auf der Strecke zwischenKöln undHerbesthal (Belgien). Zugverbindungen nachNeuss und Euskirchen folgten, ab 1873 über Jülich bis nach Mönchengladbach. Ein Jahr später wurde das neue Bahnhofsgebäude der Rheinischen und Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft eröffnet. Es ist das älteste noch erhaltene öffentliche Gebäude Dürens. Die Vielzahl und Vielfalt an Geschäften, Lokalen und Hotels setztemanchenBesucher in Erstaunen. Und wenn man sich das Ausmaß des Erblühens von Musik- und Gesangsvereinen in den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts vor Augen führt – unter den Franzosen war dieser Kulturzweig zum Erliegen gekommen – dann scheint es fast so, als hätten die Menschen allenorts musiziert und gesungen. Im Jahr 1872 wurde der MännergesangvereinDurania gegründet, viele weitere sollten folgen. Annakirmes als Höhepunkt Höhepunkte im Jahreskalender des einfachen Volkes waren damals Schützenfeste und natürlich: die Annakirmes! Letztere rangierte auf dem ersten Platz der großen Volksfeste in Düren. Da reiste die Verwandtschaft an, die Wohnung wurde geputzt und Essen vorbereitet. Manch einer würde an der Stelle behaupten, selbst Weihnachten oder Ostern seien von der Anna in den Schatten gestellt worden. Apropos kirchlich: Umdas Seelenheil der Dürener kümmerten sich fünf katholische und zwei protestantische Kirchen sowie eine Synagoge. Die Synagoge an der Schützenstraße 20 war erst Ende Mai 1872 eingeweiht worden. 200.000 Mark hatte der Bau gekostet. Der dafür aufgenommene Kredit wäre imJahr 1942 getilgt gewesen – am 10. November 1938 bereits wurde die Synagoge aber während der Novemberpogrome zerstört. Erster Bürger war bei der Gründung unserer Zeitung Hubert JakobWerners. Als erster Berufsbürgermeister der Stadt hatte er 1868 seinAmt angetreten. Ob er sich wohl damals ebensowie seine Amtsnachfolger das eine oder andereMal über unser Blatt geärgert hat? Das ist nicht überliefert. Düren war die „Stadt der Millionäre“. Das Großbürgertum wurde selbstbewusster und eine Siedlung nach der anderen entstand. Eine Postkarte mit demMotiv eines Abendkonzerts im Stadtpark: Das wirtschaftliche und kulturelle Leben blühte kurz nach der Reichsgründung auf. QUELLE: STADTMUSEUM DÜREN Scherzhaft wurde auf dieser Postkarte aus der „Millionenstadt“ Düren gegrüßt. Gemeint war das Vermögen der Dürener. QUELLE: STADTMUSEUM DÜREN Tel. 02421 8008-0 mail@ehser-office.de www.ehser-office-group.de 150 Jahre Dürener Zeitung: Wir gratulieren herzlich! Darumwir Wir schaffen Wohlfühlatmosphären kreieren Arbeitswelten von heute und morgen entwickeln innovative Einrichtungskonzepte schneidern Drucklösungen nach Maß verschlanken Büroversorgungsprozesse verwöhnen mit perfektem Kaffee- und Wasserservice beraten, informieren, hören zu, finden Lösungen … Darum wir! Rouette Eßer Düren Prickartz Aachen Dyckers & Friends Düsseldorf Büroeinrichtungen Innendesign Drucklösungen Büroversorgung Consulting

Seite 7 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 Nur einmal „eine rote Linie überschritten“ VON VOLKER UERLINGS DÜREN Gesucht war: ein Politiker und langjähriger Wegbegleiter, der nicht so sehr durch die Parteibrille schaut und die nächsten Wahlen imBlick hat. Einer, der mutmaßlich nicht selten beimLesen der Schlagzeilenwenigstens innerlich geflucht hat, gleichzeitig aber um die Rolle einer Tageszeitung weiß und sie respektiert. Dieses Anforderungsprofil erfüllt der frisch gebackeneDürener Ehrenbürger und langjährige Bürgermeister Paul Larue (CDU) ganz gewiss. Aber mit einem vom früheren ersten Bürger über Jahrzehnte eigenhändig gepflegten Zeitungsarchiv im Keller des Larueschen Hauses in Niederau war nicht zu rechnen. Akkurat beschriftet Nicht weniger als sage und schreibe 50 Aktenordner mit Zeitungsausschnitten, akkurat beschriftet und zeitlich sortiert, sind da bislang zusammengekommen. „Das Stadt- und Kreisarchiv hat großes Interesse an dieser Sammlung“, erklärt der 66-Jährige und kann sich das Lachen kaum verkneifen. Wenn Paul Larue einGrußwort als Bürgermeister schreiben oder eine Rede halten sollte, dann fand er viele relevante Daten und Fakten in der eigenen Sammlung. „Und ich habe alle Grußworte selbst geschrieben!“ Auch Festschriften undVereinsbroschüren sind in seiner Sammlung zu finden – inmehr als 30 Schubladen. Sie sind heute noch nützlich, denn der Ehrenbürger ist nachwie vor ein gefragter Redner und Autor. „Ich bin ein Spätleser“ In erster Linie war und ist er aber Leser – beziehungsweise nur ein Teil des zeitungsaffinen Lesehaushaltes. „Den Lokalteil musste ichmir morgens immer rausfischen, damit ich vor der Arbeit wusste, was Sache ist und worüber berichtet wird. Ansonsten bin ich ein Spätleser und schaue mir alles wirklich abends sehr genau an“, erzählt der langjährige Bürgermeister der Stadt Düren. Morgens gehört(e) die Zeitung seiner Frau Marion. „Wenn ichmich über einige Kommentare nicht geärgert hätte, wäre das für die Zeitung ein verheerendes Zeugnis. Sie sind ja keine Hofberichterstatter“, erklärt der 66-Jährige, der „21 Jahre und einen Monat“ Bürgermeister seiner Heimatstadt war. Das gab es also. Paul Larue will da nicht zu sehr ins Detail gehen – mit einer Ausnahme, im April 2010. Der Aktenordner wird geöffnet, zum Vorschein kommt ein markierter Kommentar. „Damals wurde für mich eine rote Linie überschritten“, sagt der Christdemokrat, der sich „eher dem linken Spektrum“ seiner Partei zurechnet, also dem Arbeitnehmerflügel. Kündigungsverzicht war richtig Beim Bemühen um die Sanierung der Stadtfinanzen dürfe der Erste Bürger nicht jede betriebsbedingte Kündigung ausschließen und wie ein Mantra diesen Anspruch wiederholen, meinte der Kommentator. „Doch, das kann man wohl. Es war die richtige Entscheidung, niemanden auf die Straße zu setzen. Und ich will nicht wissen, was die Zeitung geschrieben hätte, wenn das doch passiert wäre“, sagt Larue mit ernster Miene. In dieser Zeit hatte es schon einige schmerzhafte Entscheidungen gegeben, das Schließen der Realschule Nord zum Beispiel. „Wir waren schon weit gekommen mit der Sanierung der Stadtfinanzen. Aber für michwar es eben immer besonders wichtig, diese Konsolidierung ohne betriebsbedingte Kündigungen und bei weitgehender Wahrung der sozialen und kulturellen Infrastruktur hinzubekommen“, sagt Larue. Im Rückblick hat er damit Recht behalten, denn die – wohlgemerkt zwischenzeitliche ! – Gesundung der Stadtfinanzen ist gelungen. Sie hat die Stadt Düren über etliche Jahre in eine günstige Lage versetzt, sich auch den Eigenanteil bei den Masterplanprozessen und vieles mehr – wie die beitragsfreie Kinderbetreuung – erlauben zu können. „Unter dem Strich möchte ich aber sagen, dass ich mich über die Jahre wirklich fair begleitet fand von der Zeitung. Dazu gehört immer mal ein kritischesWort, das ist klar. Eher haben mich die Indiskretionen gestört, mit denen Inhalte aus nichtöffentlichen Sitzungen an die Presse durchgestochen worden sind“, erklärt der frühere Bürgermeister. Aber auch das gehört zum „Geschäft“, dass eben manchmal auch wichtige Inhalte der Öffentlichkeit nicht ohne Not und Grund vorenthalten werden. Josef Vosenwar anders Es ist nicht davon auszugehen, dass Paul Larues unmittelbarer Vorgänger, der Sozialdemokrat JosefVosen, zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen wäre. Obwohl auch Vosen, der vor zehn Jahren gestorben ist, eine durchaus lange Amtszeit (15 Jahre) absolviert hat und auch zum Ehrenbürger Dürens ernannt wurde, war nicht nur die politische Grundhaltung eine andere, auch der Typunterschied konnte größer kaumsein. Der eine durchaus extrovertiert, der andere eher ruhig und besonnen, aber beide über viele Jahre von durchaus stattlichen Mehrheiten geschätzt und auf ihreWeisen volksnah. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass der Sozialdemokrat nach dem Lesen von Beiträgen, die ihm nicht gefallen haben, gern zumTelefon griff und seineMeinung gegenüber der Redaktion lautstark kundtat. Gelegentlich wurde da auch der Hörer wütend aufgeknallt, aber schon noch kurzer Zeit war der Ärger verraucht und dasVerständnis für die unterschiedlichenRollen von (Kommunal-)Politik und Redaktionen wiederhergestellt. „Viele kritische Geister“ Die vermeintlich „glasklare“ politische Positionierung der Zeitungen war auch schon inVosens Zeit nicht immer eindeutig, auch wenn das in der ferneren Vergangenheit durchaus anders war. „Ich kann mich an viele kritische Geister erinnern, die ich nicht eindeutig einer Partei zuordnenwürde“, schildert Paul Larue seinen Eindruck aus mehr als zwei Jahrzehnten. Die jüngste Vergangenheit beschreibt der 66-Jährige aus Niederau so: „Ich erfahre jetzt aus einem Blatt mehr aus dem Gesamtkreis. Das ist ein gewisser Mehrwert. Aber dafür lese ich auch weniger aus der eigenen Kommune.“ Paul Larue bleibt ein Fan der gedruckten Zeitung, „ich brauche da haptisch einfach was“. Er hofft, dass die kommunalpolitische Berichterstattung in der Dürener Zeitung nicht geringer ausfällt als bisher. Das kann man versprechen. Der frühere Bürgermeister Paul Larue über seine Erfahrungen mit der Dürener Zeitung in 21 Jahren. Ein eigenes Artikel-Archiv. Der frühere Dürener Bürgermeister Paul Larue befüllt seit Jahrzehnten ein eigenes Zeitungsarchiv. In seiner Amtszeit fühlte er sich „fair begleitet“, wenn auch einmal eine seiner „roten Linien“ überschritten worden sei. FOTO: VOLKER UERLINGS Paul Larue (CDU), Bürgermeister der Stadt Düren, in den ersten Amtsjahren. FOTO: JÖRG ABELS „Ich erfahre jetzt aus einemBlatt mehr aus demGesamtkreis. Das ist ein gewisser Mehrwert. Aber dafür lese ich auchweniger aus der eigenen Kommune.“ Paul Larue, ehemaliger Bürgermeister EinfachQR-Code scannenoder unter moebel-schaefer.de/kuechenaktion oder per Telefon unter 02421 95848-80 und unverbindlichen BERATUNGSTERMIN VEREINBAREN! 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Seite 8 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 Das „unersetzbare Gedächtnis“ der Stadt VON VOLKER UERLINGS DÜREN Die Arbeit ist enorm – zumindest mit Blick auf die Zeiten vor der Digitalisierung. Aber ansonsten sind die Quellen eben rar oder überhaupt nicht vorhanden. Wer die Dürener Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert erforschen und näher beleuchten möchte, kommt um das Archiv der Dürener Zeitung nicht herum. Ein Beispiel aus jüngerer Zeit sind die drei Bände über die Jahre 1914 bis 1918 in der Region Düren, also des Ersten Weltkriegs. Das Stadtmuseum Düren hat einer umfassenden und vielfältigen Darstellung über diese einschneidende und schreckliche Phase die Publikation „In Großer Zeit“ gewidmet, die in drei Büchern vorliegt. Enormer Arbeitsaufwand „Bernd Hahne hat Seite für Seite der Dürener Zeitung abgetippt und dann alle Beiträge digital gespeichert, so dass allen Mitwirkenden diese Daten und Quellen zur Verfügung stehen“, schildert Anne Krings, die Leiterin des Stadtmuseums, den enormen Arbeitsaufwand, den der Vorsitzende des Stadtmuseum-Vereins auf sich genommen hat, damit das ehrenamtliche Team arbeiten konnte. „All unsere Ausstellungen und Publikationen fußen auf Recherchen in den Zeitungen. Sie wären deutlich weniger umfangreich, wenn wir diese Quellen nicht hätten“, erklärt Anne Krings. Das nächste Projekt steht schon in den Startlöchern, wenn sich das Teamumdie Zeit ab 1925 kümmert. „Wieder ist die Basis, die Zeitungen auszuwerten und nutzbar zu machen. Das ist Grundlagenarbeit, darüber können allein ein bis zwei Jahre vergehen“, sagt die Leiterin der Einrichtung an der Arnoldsweilerstraße. Die Zeitungen seien das Gedächtnis der Stadt, „das unersetzbare Gedächtnis“. Laut Anne Krings geht es natürlich vordergründig um Fakten, „aber gleichermaßen auch umStimmungsbilder“. Das habe man feststellen können, als die Ausstellung „In Düren zu Hause“ über die Migrationsgeschichte der Stadt recherchiert wurde. „Die Zeitungen aus 40 Jahren wurden händisch durchgeblättert, um alles an Artikeln über den Zuzug aus anderen Ländern und die Gastarbeiterzeit zu finden. Für uns war auch wichtig, welche Sorgen und Ängste die Menschen ab 1955 begleitet haben“, erinnert sich Anne Krings. Das hilfereiche E-Paper Selbstredend ist es für alle Menschen, die recherchieren, letztlich einfacher und schneller, wenn die Suche auf digitalem Wege möglich ist. Das E-Paper der Dürener Tageszeitungen – das digitale Abbild des Blattes – zum Beispiel erlaubt die komfortable Stichwortsuche ab dem Jahr 2004 vom Rechner oder Endgerät aus. „Wenn wir in Zeiträumen nach 2004 suchen, sind erst mal immer alle froh“, weiß die Leiterin desMuseums, weil esmitunter sekundenschnell geht. Aber dann endet die Suche eben meist auch schnell, weil das Ziel erreicht worden ist, währendman beimBlättern in den „richtigen Zeitungen“ nicht selten überraschende Berichte oder Meldungen drumherum findet, die ebenfalls weiterhelfen. „Diese Zufallsfunde sind die kleinen Glücksmomente am Rande.“ Im Stadt- und Kreisarchiv Düren sind die dicken Zeitungsbände auch ein wichtiger Fundus, aber eben von der Menge her nur ein Teil des Ganzen. „Zeitungenwerden bei uns sehr oft genutzt. Von Schülern und Studenten mit bestimmten Aufgaben, aber auch bei der Familienforschung oder hier zuletzt sehr gezielt von Fußballern, die sich für bestimmte Zeiträume interessierten“, erklärt Daniel Schulte, der seit 2020 Leiter des Archivs ist. Natürlich kann sich diese„Bildungseinrichtung“, so das Selbstverständnis von Schulte, auch nicht vor den neuen Medien verschließen. „Wenn sichMenschen mit Instagram-Nachrichten regelrecht bombardieren, kannman das oft nicht richtig verinnerlichen, in der Zeitung aber kann man nachlesen“, sagt der Diplom-Archivar. Fortsetzung der Geschichte auf Seite 9 Ohne die Zeitungsveröffentlichungen wären vergangene Zeiten nur weiße Flecken. Im Stadtmuseum Basis für viele Publikationen. „Zeitungenwerden bei uns sehr oft genutzt. Von Schülern und Studentenmit bestimmten Aufgaben, aber auch bei der Familienforschung oder hier zuletzt sehr gezielt von Fußballern, die sich für bestimmte Zeiträume interessierten.“ Daniel Schulte, Leiter des Stadtarchivs Der Erste Weltkrieg in Düren: Diese Zeit beleuchtet ein dreibändiges Werk des Stadtmuseums Düren. Vorsitzender Bernd Hahne war einer von rund 15 Autoren. FOTO: VOLKER UERLINGS WIR SUCHEN DICH ALS Leitende:n medizinisch-technische:n Radiologieassistent:in (MTRA) Medizinisch-Technische:n Radiologieassistent:in Arzthelfer:in mit Röntgenschein Praxisanleiter:in (m/w/d) in Voll- oder Teilzeit für das St. Josef-Krankenhaus Linnich oder für das St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich Bewerbungen gerne als PDF an: bewerbung.linnich@ct-west.de bewerbung.juelich@ct-west.de Weitere Infos unter: www.krankenhaus-linnich.de/stellenmarkt www.krankenhaus-juelich.de/stellenmarkt JETZT BEWERBEN! VIELFÄLTIG STARK. MIT DIR NOCH STÄRKER. WIR SUCHEN SIE ALS Physiotherapeut:in (m/w/d) in Voll- oder Teilzeit für das St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich oder für das St. Josef-Krankenhaus Linnich zur Behandlung von stationären sowie ambulanten Bewegungstherapien. Bewerbungen gerne als PDF an: bewerbung.linnich@ct-west.de bewerbung.juelich@ct-west.de Weitere Infos unter: www.krankenhaus-linnich.de www.krankenhaus-juelich.de JETZT BEWERBEN! VIELFÄLTIG STARK. 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Seite 9 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 Das „unersetzbare Gedächtnis“... Fortsetzung von Seite 8 Und die Fachleute werten die gedruckten Quellen auch noch in anderer Hinsicht aus. Schulte: „Uns geht es bei der Einordnung auch um die Art der Berichterstattung.“ Soll heißen: Politische Färbungen und andere auch individuelle Tendenzen vonAutoren oder Zeitungen werden gezielt kritisch betrachtet. Die Sammler der Dürener Vergangenheit bewahren natürlich auch Ratsprotokolle auf und können dann diese Aufzeichnungenmit den Zeitungsberichten abgleichen. Das Stadt- und Kreisarchiv verfügt als ältestes gedrucktes Medium in Düren über ein„Landräthliches Korrespondenz-Blatt“ aus dem Jahr 1818, aber das war eher ein amtliches Mitteilungsblatt als journalistische Plattform. Zeitungstechnisch verfüge die Einrichtung imHaus der Stadt laut Daniel Schulte über eine „geschlossene Überlieferung von 1818 bis heute“. Die Suche wird vereinfacht, weil der frühere Mitarbeiter Friedel Gaspers die archivierten Zeitungsausschnitte von 1818 bis 1963 nach Stichwörtern sortiert hat – von A wie Abwasserbeseitigung über C wie Chöre oder die CWS-Lackfabrik bis Z wie Zuckerfabrik. Bis 1975 tut sich (in der Ausschnittsammlung) eine Lücke von zwölf Jahren auf, dann geht es bis heute ohne Unterbrechung weiter. Die Bestände des Archivs liegen nach Aussage des Leiters „zu 70 Prozent in analoger Form vor“. Die digitale Quote nun zu erhöhen, ist natürlich erklärtes Ziel, bedarf aber des Personals und der Technik. Verbesserte Grundausstattung „Das Archivgesetz von 1989 verpflichtet Städte undGemeinden zur Aufbewahrung und Archivierung, ist also eine Pflichtaufgabe“, sagt Schulte und wünscht sich zur langfristigen Sicherstellung der Daten aus Düren eine verbesserte technische Grundausstattung. Denn sowohl das Archiv als auch die gebundenen Zeitungsbände der Vergangenheit sind eben das Gedächtnis einer Stadt und mithin von großerWichtigkeit. Stadt- und Kreisarchiv Düren: Die Bände der Dürener Zeitung als Nachschlagewerk und Dokumentation, die auch über ein Ausschnittarchiv aufbewahrt werden. Archiv-Leiter Daniel Schulte mit der ältesten gedruckten Zeitung aus Düren von 1818, einem Korrespondenz-Blatt des Landrats. FOTOS: VOLKER UERLINGS Der Erste Weltkrieg in Düren: Diese Zeit beleuchtet ein dreibändiges Werk des Stadtmuseums Düren. Sarah Höner (l.) und Dr. Anne Krings aus dem Autorenteam recherchierten vorwiegend in alten Zeitungsbänden. Die Bände der Dürener Zeitung im Stadt- und Kreisarchiv bieten viele spannende Informationen. „Das Archivgesetz von 1989 verpflichtet Städte und Gemeinden zur Aufbewahrung und Archivierung, ist also eine Pflichtaufgabe.“ Daniel Schulte, Archivleiter Herbstaktion Angst vor Corona? Nicht bei uns! Wir arbeiten nach strengen Hygienevorschriften. Die Abwicklung erfolgt komplett kontaktlos. Jetzt ist die beste Zeit Unkraut zu bekämpfen! Steinreinigung Dachziegelreinigung Nie mehr Unkraut zwischen den Fugen! Professionelle Reinigung ohne Hochdruck! Industriemaschine (80% Luft/20%Wasser, mit 5.000 Umdrehungen pro Min. ab 19,90 €/m2 ab9,90€/m2 – Reinigen der Dachziegel – Dachrinnen säubern ab 19,90 €/m2 ab 9,90€/m2 Kostenlose Beratung und kostenloser Dach-Check vor Ort ohne lange Wartezeiten Sichern Sie sich jetzt Ihren unverbindlichen Termin! 02421/2639072 Fachbetrieb Steinsanierung aller Art Fassadenreinigung · Dachreinigung · Dachimprägnierung · Dachbeschichtung Steinreinigung · Kunstharzverfugung · Keller-Trockenlegung WMS Dach und Stein · Peterstr. 132 · 52353 Düren-Merken Tel. 02421/2639072 www.wms-dach-stein.de Mo.–Sa. 08.00–20.00 Uhr Helmut Sturm Tischlermeister Veldener Straße 1 Fax ( +49 ) 2421 / 42190 D-52349 Düren Fon ( +49 ) 2421 / 41744 info@tischlerei-sturm.com www.tischlerei-sturm.com Tischlerarbeit zahlt sich aus Möbel nach Maß Kunststoff-Fenster Holz-Aluminium-Fenster Ladeneinrichtungen Raumplus-Gleittüren CNC-Fertigung Corian®-Verarbeiter Cabrillant-Trennwandanlagen Holzfenster

Seite 10 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 ... ich immer schon am Geschehen hier vor Ort sehr interessiert gewesen bin. Heute hat sich die Medienlandschaft enorm gewandelt. Was aus meiner Sicht weiter wichtig ist und bleibt, sind gut recherchierte und aufbereitete Stücke, die einen echten Mehrwert und Orientierung in der Flut der Nachrichten bieten. ICH LESE DIE DZ GERNE, WEIL ... Wolfgang Spelthahn (CDU), Landrat des Kreises Düren ... in Zeiten von Fake News gut recherchierte Nachrichten aus der Heimatregion wichtiger sind denn je. ICH LESE DIE DZ GERNE, WEIL ... Dietmar Nietan, MdB und SPD-Bundesschatzmeister ICH LESE DIE DZ GERNE, WEIL ... ... sie mich beständig und unverblümt am Morgen begrüßt und so – mal gedankenvoll, mal mit einem Zwinkern, Stichwort: Thelens Tagebuch, – meinen Tag einläutet. Foto: Christiane Winkler ICH LESE DIE DZ GERNE, WEIL ... Marion Ahaus, Leiterin der Sekundarschule Kreuzau/Nideggen Orientierung in der Flut der Nachrichten Für viele Menschen gehören die Lektüre der Lokalzeitung oder der Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage auf www.az-web.de/dueren fest zum Tagesablauf. Wir haben treue Leserinnen und Leser gefragt, warum ihnen die Dürener Zeitung wichtig ist. ICH LESE DIE DZ GERNE, WEIL ... ... die Tageszeitung in der heutigen schnelllebigen Zeit mit korrekt recherchierter, verlässlicher und unabhängiger Berichterstattung einen besonderen Stellenwert hat. Zwar bietet das Internet neue Möglichkeiten, jedoch sind regionale Zeitungen weiterhin wichtiger Bestandteil der Medienlandschaft und werden es hoffentlich bleiben. Thomas Rachel, CDU-Bundestagsabgeordneter ... aktuelle Themen aus Kirche und Welt sehr konkret runtergebrochen werden auf die Bedeutung für die Menschen hier vor Ort. ICH LESE DIE DZ GERNE, WEIL ... ... ich darin alles objektiv und Schwarz auf Weiß zu lesen bekomme. Hans-Otto von Danwitz, Pfarrer der Pfarre St. Lukas Düren Heribert Kaptain, Präsident des Regionalverbands Düren Herzlichste Glückwünsche. In der Vergangenheit wurde viel geschafft, mit Stolz kann man auf das Erreichte zurückblicken. Wir gratulieren von ganzem Herzen zum Jubiläum, wünschen alles Gute sowie eine Zukunft voller Energie. Voller Leidenschaft arbeiten wir schon heute an einer Energiewelt von morgen. Mit einem klaren Ziel: klimaneutral bis 2040.

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Seite 13 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 Mit einem industriellen... Fortsetzung von Seite 12 Die Papierindustrie hat weitere industrielle Ansiedlungen hervorgebracht: in der Textil-, Maschinen- und Metallindustrie. Die Filze und Textilprodukte der Heimbach GmbH inMariaweiler oder dieWalzen von Krafft Walzen Düren sind nur zwei prominente Beispiele. Großer Energiebedarf Diese Fabrikationen sind energieintensiv und daher von der aktuellen Lage mit galoppierenden Preisen für Strom, Kohle, Gas und Öl in besonderer Weise betroffen. „Die Energiepreise in Deutschland sind ohnehin höher als imAusland“, sagt Stefan Cuypers. Und wenn sich das auf erheblich höherem Niveau verstetigen sollte, sei das ein Risiko für den Standort Deutschland, aber auch die Region Düren. Cuypers: „Wenn einmal Kapazitäten verlagert werden, ist es relativ unwahrscheinlich, dass sie einmal wieder zurückverlagert werden.“ Nicht nur die Stadt Düren, sondern alle Kommunen im Kreis Düren haben ein Eigeninteresse, dass es nicht zu Verlagerungen kommt. Die Industrie sollte sich am Standort in die Zukunft entwickeln, transformieren. Dafür will jedenfalls die Stadt Düren am ganz großen Rad drehen, wieThomas Hissel verdeutlicht. Das unmittelbar am Bahnhof geplante Innovationsquartier gehört unbedingt dazu. Nicht nur, dass es seit dem Zweiten Weltkrieg der größte innerstädtische Bereich ist, der umgestaltet wird, das „IQ“ soll auch kompensieren, was es noch nicht gibt. Denn Düren mit 92.000 Einwohnern sei die einzige Mittelstadt dieser Größe in Deutschland, die nicht über eine eigene Hochschule verfügt. Das Innovationsquartier am Bahnhof Düren mit gut 100.000 QuadratmeternGröße hat eine Lage inmitten der Wissenschaftsregion mit Forschungszentrum und Fachhochschulcampus Jülich, mit der RWTH in Aachen und gleichzeitig den unmittelbarenBezug zur Industrie in Düren. Nicht zuletzt deshalb ist es gelungen, die „Modellfabrik Papier“ für die Kreisstadt zu gewinnen. „Die wissenschaftliche Einbindung hat überzeugt, aber auch dieMöglichkeiten, die der Strukturwandel bietet“, erklärt Wirtschaftsförderer Thomas Hissel. Denn der Ausstieg aus der Kohle-Förderung und -verstromung wird ja nicht nur mit Fördermitteln kompensiert, um die sich viele bemühen. Auch die gut ausgebildeten jungen Frauen und Männer suchen auf dem Arbeitsmarkt neue Perspektiven. Gesicht der Stadt verändert Die Modellfabrik ist nur ein Bestandteil des Innovationsquartiers. Das „Digital Nonwoven Innovation Center“ soll in Koorperation mit Unternehmen der Papierindustrie und der RWTH neue Wege einer ökologisch verbesserten Herstellung von Papieren und Vliesstoffen erforschen. Der Neubau des NellyPütz-Berufskollegs ist hier vorgesehen, auch der mögliche Standort eines technischen Rathauses der Stadt Düren und vieles mehr. „Das ist die größte Antwort der Stadt auf die Herausforderungen des Strukturwandels. Das Quartier wird das Gesicht der Stadt verändern“, erklärt der Beigeordnete. Wenn alles umgesetzt worden ist, dürften 200 bis 300 Millionen Euro investiert worden sein. Vom Stadtcenter bis zur Schoellerstraße ist dann ein völlig neues Viertel entstanden. Das war und ist nicht einfach, aber inzwischenwurden die Grundlagen geschaffen, weil alle wesentlichen Grundstücke sich nun imBesitz der Stadt befinden. „VieleVorhaben zielen auf den Erhalt von Arbeitsplätzen, das ist mir nämlich genauso liebwie das Schaffen von neuen Jobs“, erklärt Thoms Hissel, wenn in diesem Quartier ein Innovationskern der Stadt entstanden ist, der die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft deutlich verbessert. Das ist sicher eines der Beispiele, das dieVereinigten Industrieverbände mit Freude sehen. Dabei darf es nach Meinung von VIV-Geschäftsführer StefanCuypers nicht bleiben: „Den Mittelstand, den wir haben, dürfen wir nicht vernachlässigen.“ Wenn man Regional- und Flächennutzungsplanungen betrachte, könneman imMoment nicht erkennen, „dass ein Augenmerk auf die bestehende Wirtschaft gelegt wird“. Das müsse sich dringend ändern. Vom Innovationsquartier Düren geht jedenfalls schon ein wichtiger Impuls aus. Das Innovationsquartier amDürener Bahnhof: Wie in dieser grob schematischen Darstellung könnte es einmal aussehen. FOTO/SKIZZE: STADT DÜREN Dr. Stefan Cuypers ist Geschäftsführer der VIV. FOTO: VIV F&S group Otto-Lilienthal-Straße 34 D-53879 Euskirchen Phone: +49 2251 1482-0 E-Mail: info@fs-email.de www.fs-grund.de www.fs-sun.de www.fs-grund.de| www.fs-sun.de Wir informieren Sie gerne über unsere Ideen, Planungen und Projekte. Wir realisieren Visionen, die schon heute das Leben zukünftiger Generationen schützen. Verantwortungsvoll, nachhaltig und effizient. Entwicklung Klimaneutraler Wohnquartiere| Erdwärme | Solarenergie | Regenwasserversickerung | uvm. Solarkraftwerke weltweit | Sauberer Solarstrom für ganze Städte | Unerschöpfliche Energiequelle Grüner Wasserstoff | Aus Erneuerbaren Energien| Für Industrie und Verkehr | Sauber, speicherbar und transportabel Aktiver Natur- und Klimaschutz | Intelligente nachhaltige Projekte zum Schutz von Flora und Fauna Team F&S, Prokuristen Thorsten Volkmann und Jan Radermacher Professionelle Behandlung – attraktiver Arbeitgeber Die LVR-Klinik Düren ist eine moderne Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. Sie übernimmt die psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Versorgung von ca. 550.000 Einwohnern in der Städteregion Aachen, dem Kreis Düren und dem Rhein-Erft-Kreis. Bei über 700 Betten und ca. 1.400 Mitarbeitenden behandeln wir jährlich etwa 8.000 Patientinnen und Patienten. Hinzu kommen die Personen, die unsere ambulanten Behandlungsangebote wahrnehmen. Das Spektrum psychischer Erkrankungen bzw. seelischer Störungen ist groß. Hierzu gehören u. a. Depressionen, Ängste, Persönlichkeitsstörungen, Abhängigkeitserkrankungen und Erkrankungen des Alters (z. B. Demenz). In verschiedenen Abteilungen werden unsere Patientinnen und Patienten nach modernen Erkenntnissen und unter Berücksichtigung der persönlichen Bedürfnisse behandelt. Tageskliniken an fünf Standorten ergänzen das Therapieangebot. Ein funktionierender Klinikalltag setzt die engagierte Mitarbeit vieler voraus. Als attraktiver Arbeitgeber in der Region bieten wir u. a. flexible Arbeitszeiten, leistungsorientierte Bezahlung, eine Zusatzversorgung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie ein umfangreiches Fort- und Weiterbildungsprogramm. Unsere Schule für Pflegeberufe sowie die Ergotherapieschule bieten eine dreijährige Ausbildung mit sehr guten Berufsperspektiven für junge Menschen. Umfangreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen auf dem gesamten Gelände tragen jetzt und zukünftig zu einer Modernisierung bei. In regelmäßigen Abständen stellen wir uns aktuellen Qualitätsprüfungen. Sind Sie an dem therapeutischen Angebot, an einer Beschäftigung oder Ausbildung an der LVR-Klinik Düren (z. B. im ärztlich-therapeutischen oder pflegerischen Bereich) interessiert, besuchen Sie unsere Internetseite klinik-dueren.lvr.deoder rufen Sie uns an: 02421-400! ANZEIGE

Seite 15 DE 150 JAHRE DÜRENER ZEITUNG Donnerstag, 29. September 2022 · Nummer 227 Zukünftige Leserinnen und Leser gewinnen VON MERVE POLAT DÜREN Halb versteckt sitzen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9d des Burgau-Gymnasiums hinter ihren iPads. Doch nach und nach tauen sie auf und beantworten die Fragen derMultimedia-Redakteurin der Dürener Zeitung:Wie war es für sie, Teil des Projekts „Medienstunde“ zu sein, welches das Medienhaus Aachen in Zusammenarbeit mit Schulen aus der Region vornimmt? Die 14-jährige Victoria antwortet folgendermaßen: „Es war ziemlich interessant.Wir haben unsmit dem Aufbau der Zeitung und den verschiedenen Bereichen beschäftigt. Ich mag das Ressort ‚Aus aller Welt‘ und das Rätsel.“ Nasrin (15) wiederum interessiert sich eher für den Lokalteil: „Ich finde es spannend zu erfahren, was in meiner Heimatstadt geschieht.“ DieserMeinung schließt sich der 14-jährige Hamza an. Vier Wochen haben die 28 Schülerinnen und Schüler der 9d die gedruckte Tageszeitung erhalten und sich mit dieser beschäftigt. Was die eigene und die Lesegewohnheit ihrer Eltern betrifft, stellt Til (14) fest: „Meine Eltern erhalten die Zeitung in gedruckter Form. Ich lese sie nur, wenn ich per Zufall etwas Interessantes wie Texte über neue Filme und Technikgeräte entdecke.“ Sein Onkel und seine Tante wiederum würden online konsumieren. Auch Natalies Eltern erhalten die Print-Ausgabe: „Wenn mein Vater etwasWichtiges für meinen Bruder und mich entdeckt, schneidet er es aus und gibt es uns“, berichtet die 14-Jährige. Nur wenn die Familie in Urlaub fahre, stelle ihr Vater das Abonnement auf Online um. Vorwiegend informieren sich die jungen Menschen im Internet. Das bestätigt Arzu, die hauptsächlich in Sozialen Netzwerken wie InstagramundTikTok surft. „Wenn etwas Wichtiges geschieht, bekomme ich das darüber mit – und das sehr schnell“, sagt die 14-Jährige. Wobei ihr bewusst sei, dass Schnelligkeit nicht immer Richtigkeit bedeute. JungeMenschen begeistern Wie also jungeMenschen für Qualitätsjournalismus begeistern? Sonja Vetten, die die „Medienstunde“ mit der 9d vorgenommen hat, weiß darauf auch keine richtige Lösung. Aber die Lehrerin für Deutsch, Englisch und katholische Religionweiß, dass das Projekt zumindest ein Interesse am Zeitungslesen geweckt hat. Wie bei anderen Schulen auch besuchen das Burgau-Gymnasiumnach Angaben von Vetten etliche junge Menschen, deren Eltern und somit sie selbstmit den lokalenMedien nicht unbedingt vertraut sind. „Wenn das Zeitunglesen nicht vorgelebt wird und nicht zumTagesablauf dazugehört, ist es schwierig, dessenWichtigkeit zu vermitteln“, stellt die Lehrerin fest. Frei nach demMotto:Was ich noch nie mitbekommen habe, kann ich auch nicht vermissen. Bei den Schülerinnen und Schülern beobachte sie dementsprechend eine gewisse Unkenntnis. So sei vielen nicht bewusst, dass die Dürener Zeitung auch digital in den Sozialen Netzwerken vertreten ist und auf der Internetseite weitere Bereiche zu finden sind, die in der gedruckten Ausgabe naturgemäß nicht stattfinden können – so wie Bildergalerien zur Annakirmes und Videos über Spiele des 1. FC Düren. SonjaVetten stellt fest: „Es ist von hoher Bedeutung, in der Zeitung abzubilden, was jungen Menschen gefällt. Die Erwachsenen werden fündig, und auch eine Kinderseite ist vorhanden, aber eben kein Bereich für die Jugend.“ Trotz der sich veränderten Informationsbeschaffung – weg von klassischen Medien und hin zum Internet – sieht die Lehrerin einen entscheidenden Vorteil: „Je nachdem, auf welchen Seiten man surft, muss man genau überprüfen, ob die Informationen verlässlich sind. Das ist bei der Zeitung nicht notwendig.“ Kurs zu „Fake News“ Weil sich das Burgau-Gymnasium darüber bewusst ist, wird imNovember in drei Klassen ein Kurs zu Fake News, also Falschinformationen stattfinden, den das Medienhaus Aachen Schulen anbietet. Schulleiter Dr. Maak Flatten betont: „Unsere Verantwortung liegt darin, die jungenMenschen auf das Leben vorzubereiten.Wennwir das nicht leisten, kann eine Demokratie nicht funktionieren.“ Dazu gehöre eben auch, ihnen beizubringen, wie sie sich im Informationsdschungel zurechtfinden. Maak Flatten bezeichnet das als ein sehr anspruchsvolles Unterfangen, weil die meisten hauptsächlich im Internet unterwegs seien. „Wir müssen den Medienkonsum der Schülerinnen sowie Schüler verstehen und dann da ansetzen, um sie zu einem kritischen Umgang zu befähigen“, ist der Schulleiter überzeugt. Auch aus diesem Grund hat das Burgau-Gymnasium in allen 5. Klassen ein neues Fach namens Medienerziehung eingeführt. „Eine frühe Sensibilisierung ist wichtig“, erläutert Flatten. Es bestünden Überlegungen, das Fach auf andere Jahrgangsstufen auszuweiten. In der Einschätzung, wie Schülerinnen und Schüler zum Zeitunglesen gebracht werden können, schließt er sich Sonja Vetten an: „Die Zeitungmuss unbedingt besser ihren Mehrwert herausstellen und zeigen, dass sie im Gegensatz zum Internet eine vertrauenswürdige Informationsquelle ist.“ Mit dem Projekt „Medienstunde“ verfolgt das Medienhaus Aachen das Ziel, junge Menschen zu erreichen. Beispiel Burgau-Gymnasium. Die Klasse 9d des Burgau-Gymnasiums hat sich im Projekt „Medienstunde“ vier Wochen mit der Printausgabe der Dürener Zeitung beschäftigt. FOTOS: MERVE POLAT Schulleiter Dr. Maak Flatten sieht es als Aufgabe der Schule an, jungen Menschen beizubringen, wie sie sich im Informationsdschungel zurechtfinden können. „Je nachdem, auf welchen Seitenman surft, mussman genau überprüfen, ob die Informationen verlässlich sind. Das ist bei der Zeitung nicht notwendig.“ Sonja Vetten, Lehrerin ProfiƟeren Sie von unserer mit vielen Vorteilen wie exklusiven Events, NewsleƩer, Gutscheinen & RabaƩen. PLUSCard NEUE KOLLEKTION HERBST WINTER22 HERBST-SAISON Ernte-Dank-Fest 07.-09. Oktober13-18UHR - VERKAUFSOFFEN! SONNTAG 09. OKTOBER

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